Samstag, 2. Juli 2022

Der Leib ist die Schnittstelle von Gehirn und Welt.

                                                                zu Philosophierungen

Der springende Punkt: Ein wirkliches Gehirn existiert nicht ohne einen menschlichen Leib. Es ist gewissermaßen die Quintessenz eine Organismus, der als Ganzer agierender Teil einer Welt ist. Zunächst einmal einer sinnlichen, die man als solche ruhig auch Um welt nen-nen darf; nämlich in Hinblick darauf, dass der Organismus als Ganzer - und nicht erst seine Quintessenz - sich in Wechselwirkung mit ihr ausgebildet und bestimmt hat. Seine 'Daten' holt sich das Gehirn aus dem Leib, der seine Schnittstelle mit 'der Welt' ist: Er ist ebenso sein Organ wie jener das seine.

In gewissem Sinne darf man sagen: Die Welt und der Organismus sind für einander be-stimmt; nämlich zugerichtet und eingerichtet. Dieser lebt in jener.

Der maschinelle Nachbau hat ein solches Organ, nämlich eines, das seines wäre, nicht. Er hat als Umwelt, Welt und Erlebensraum gerademal den oder die zufälligen Ingenieure, die ihn mit ihren zufällig ausgewählten Daten anfüllen, auf die er selber keinen Einfluss hat.

Durch des Menschen Leib kann sein Gehirn in der sinnlichen Welt wirken, nämlich selber wirken - und darum muss es wollen können.

Das hat es über Millionen Jahre in actu gelernt.
 30. 10. 21

 

 

Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE 

Freitag, 1. Juli 2022

Denken ist, was immer es sonst...

                                                                               zu Philosophierungen

Denken ist, was immer es sonst auch sein mag, zuerst das Zuschreiben von Qualitäten an sinnliche Reize; das, was der Transzendentalphilosoph Fichte unter Anschauung versteht. 

'Der Mensch' ist nicht zum Teil sinnlich und zu einem andern Teil geistig. Schlicht und phä-nomenal aufgefasst ist jeder Mensch, was immer er sonst auch sein mag, zuerst ein (ein) Or-ganismus. Das Wort stammt daher, dass darin verschiedene Organe mit verschiedenen Funk-tionen so organisiert sind, dass sie fürs Überleben und die Fortpflanzung des Organismus zusammenwirken [als ob sie eins wären]. Man wird Organe und Funktionen einander zuwei-sen, um die Gesamtfunktion verstehen zu können - aber dazu muss man sie erst unterschei-den und individualisieren. 

Dass man danach dieses unter Intelligenz und jenes unter Physis gruppiert, wird später noch genügend Denkschwierigkeiten machen. Vollends unbegreiflich wird es aber, wenn man beide als zwei gleich ursprüngliche Einheiten auffasst, die erst nachträglich (wie und von wem?) kombiniert und einander koordiniert wurden. 

Wenn man die Dualität von Geist und Materie voraussetzt, wird man sie nicht nachträglich hinwegsophistizieren. Es gibt dafür allerding keinen denkökonomischen ("logischen") An-lass - von Gründen gar nicht zu reden.
4. 10. 21 

 

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Ohne das ursprüngliche Gefühl meiner Beschränktheit durch meinen Leib kein Bewusstsein meiner Freiheit.

M. Pugliese, La promessa                  zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik.

2. Dieser Zirkel ließe sich nur so entfernen: dass das Verhältnis der Dependenz dazugedacht würde, so dass Gefühl und / Handeln in demselben Zustand vereinigt gedacht würden und dass beide integrierende Teile desselben Ganzen ausmachen. 

Gefühl ist Beschränktheit, Handeln ist Freiheit; sonach müssten Beschränktheit und Frei-heit vereinigt werden: Eins dürfte nicht ohne das andre möglich sein. Wir müssten eine Freiheit aufzeigen, die nicht Freiheit wäre, wenn sie nicht beschränkt wäre, und eine Be-schränkung, die nicht beschränkt würde, wenn sie nicht frei wäre. Es müsste ein X geben, in welchem beide vereinigt wären.

Wie soll nun Freiheit und Beschränkung vereinigt werden? Die Freiheit darf nicht aufgeho-ben werden, die Freiheit ist absolutes Übergehen vom Bestimmbaren zum Bestimmten. Darin darf ihre Beschränktheit nicht liegen, sie müsste darin liegen, dass die Bestimmbarkeit selbst ein endliches Quantum wäre, und zwar dass es keine Äußerung der Freiheit gäbe, ohne dass auf dieses Quantum reflektiert würde.

In dem unbekannten X liegt, dass die Freiheit beschränkt sein soll. Man denke sich ein auf irgendeine Weise tätiges Wesen; z. B. ein Stahlfeder, die gedrückt ist, sträubt sich gegen den Druck, dies ist Tätigkeit, aber nicht freie Tätigkeit, es ist in ihrer Natur, sie ist so bestimmt. Aber von einer solchen Bestimmtheit des Vernunftwesens kann nicht die Rede sein. Es muss übergegangen werden durch Wahl. Das Übergehen von der Unbestimmtheit zur Be-stimmtheit müsste ein Quantum sein für die Wahl durch Freiheit. Auch müsste ohne Re-flektieren auf dieses Quantum keine Freiheit möglich sein. Wenn dies so wäre, so würde, da alle Beschränktheit sich durch ein Gefühl äußert, keine Wahl durch Freiheit möglich sein ohne ein Gefühl der Beschränktheit.

Es ist oben die Rede gewesen von der Beschränktheit überhaupt, die sich durch das Urge-fühl (das Gefühl des ganzen Zustands) äußert, das System der Sensibilität. Dieses System würde selbst ein Gefühl, und lediglich, inwieferen ich frei wäre.

Wir haben auch gesehen, dass dies Gefühl gesetzt wird als etwas im Raume, als unser Leib. Dies dürfte auch hier so sein; die Summe unserer Bestimmtheit wäre unser Leib. (Diese be-stimmte Summe der Bestimmbarkeit wird sich, sinnlich be-/trachtet, zeigen als Individua-lität, und übersinnlich gedacht, als Sittengesetz!)
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 138ff.



Nota I. - Wenn irgendwo bei Fichte ein ferner Anklang an den metaphysischen Leib-Seele-Dualismus zu finden ist, wäre es hier: Es ist der ursprüngliche Gegensatz von leiblicher Beschränktheit und der Grenzenlosigkeit der Einbildungskraft.

16. 12. 16


Nota II. - Als Leib bin ich Ding der Sinnenwelt in Raum und Zeit, als Einbildungskraft schaffe ich eine intelligible Welt. Als Leib fühle ich, als Einbildungskraft schaue ich an. Als Leib bin ich beschränkt, als Einbildungskraft bin ich frei. Denn das Anschauen des Gefühls - reale Tätigkeit - bindet nur einen Teil meiner Einbildungskraft. Der überschießende Teil - ideale Tätigkeit - geht ins Unendliche fort.

Nicht zu übersehen: Am Anfang steht der Leib. Wäre ich nicht durch ihn beschränkt, fände die Einbildungskraft kein Motiv, über das sie hinausgehen kann. Die Beschränktheit fühle ich nicht, ehe ich über sie hinausgehe Merke: Zur Freiheit muss ich mich bestimmen.
16. 6. 18  

Nota III. - Zur Erinnerung: Das Sittengesetz lautet nach Fichte nicht anders als Handle frei nach deinem Gewissen.
JE



 

Insulin simuliert Entzündungen.


 aus derStandard.at, 1. 7. 2022                                                                                        zuJochen Ebmeiers Realien

Schon Anblick und Geruch einer Mahlzeit lassen Insulin hochfahren
Über die Nervenzellen wird eine Entzündungsreaktion ausgelöst, die bei Menschen mit Übergewicht gestört sein kann

Es kann der Duft eines würzigen Currys sein oder die wortwörtliche Aussicht auf ein süßes Frühstück: Schon beim Ansehen oder Riechen von Essen sorgt bei Säugetieren der Körper dafür, dass das Hormon Insulin ausgeschüttet wird, um sich auf die Nahrungsaufnahme vorzubereiten. Die Sinneswahrnehmung führt dazu, dass im Hirn eine Entzündungsreaktion stattfindet, die für einen steigenden Insulinspiegel sorgt, beschreibt ein Forschungsteam der Universität und des Universitätsspitals Basel im Fachmagazin "Cell Metabolism".

Insulin ist ein Botenstoff, der von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet wird. Er sorgt unter anderem dafür, dass eine Mahlzeit im Verdauungstrakt verwertet wird, genauer gesagt: die Zuckerbestandteile. Sie werden zunächst zerkleinert und von Schleimhäuten aufgenommen und gelangen ins Blut. Damit steigt der Blutzuckerspiegel. Insulin senkt diesen wieder – indem es dafür sorgt, dass der Zucker aus dem Blut in Körperzellen geschleust wird, um die Energie zu verwerten.

Immunzellen im Hirn

Diese Kaskade wird bereist ausgelöst, bevor nur ein einziger Bissen verspeist wird, wie die Studie verdeutlicht. Es handle sich hierbei um die "neuronal vermittelte Phase der Insulinfreisetzung", teilte die Universität Basel am Donnerstag mit.

Wie die Forschenden um Sophia Wiedemann herausfanden, spielt der Entzündungsbotenstoff namens Interleukin-1beta (IL-1 beta) dabei eine wichtige Rolle: "Geruch und Anblick einer Mahlzeit regen bestimmte Immunzellen im Hirn an, die sogenannten Mikroglia", wird Wiedemann, Assistenzärztin für Innere Medizin, in der Mitteilung zitiert.

Veränderte Ausschüttung bei Übergewicht

"Diese schütten kurzfristig IL-1 beta aus, was wiederum über den Vagusnerv das vegetative Nervensystem anspricht." Das vegetative Nervensystem ist für Abläufe zuständig, die sich nicht wie etwa eine Armbewegung willentlich kontrollieren lassen. Es regelt unter anderem Herzschlag und Stoffwechsel. Über Nerven gelange das Signal des Entzündungsbotenstoffs an die Bauchspeicheldrüse. Dort wird dann verstärkt Insulin ausgeschüttet.

Die Studie zeigt auch, dass bei Übergewicht diese neuronal vermittelte Insulinausschüttung anders abläuft – das gilt sowohl im Mausversuch als auch beim Menschen. Dies hängt offenbar mit einem Überschießen der Entzündungsreaktion zusammen. Wenn dies im Zuge schwerwiegender Erkrankungen verhindert werden soll, sei es möglich, den Entzündungsfaktor IL-1 beta medikamentös zu hemmen, heißt es in der Forschungsarbeit. (red, APA,)

Studie

Cell Metabolism: "The cephalic phase of insulin release is modulated by IL-1β"


Nota. - Von hinten durch die Brust ins Auge - dass sich sowas über Millionen Jahre durch eine natürliche Auslese der am besten Ausgestatteten entwickelt haben soll, ist schon eine Herausforderung für unsere Vorstellungskraft. Denken Sie aber gar, das habe sich ein intelligenter Designer ausgedacht! Dafür bräuchten Sie mindestens soviel Cannabis wie er, oder noch was Stärkeres.
JE