Es gibt keine Philosophie
in concreto. Philosophie ist wie der
Stein der Weisen, die Qua-dratur des Zirkels usw. eine bloße notwendige
Aufgabe der Szientifiker, das Ideal der Wis-senschaft überhaupt. Daher
Fichtens Wissenschaftslehre nichts als die Beschreibung dieses Ideals.
Es gibt, als konkrete Wissenschaften, nur Mathematik und Physik.
Philosophie ist die Intelligenz selbst; vollendete Philosophie ist
vollendete Intelligenz.
Die ganze Philosophie ist nur ein System eines allgemeinen, für
jedes Individuum stattfin-denden wissenschaftlichen Verfahrens. Die
Termen der Philosophie sind Buchstaben, de-nen wirkliche, individuelle
Größen substituiert werden können und sollen.
Die Philosophie macht alles los, relativiert das Universum. Sie
hebt wie das Kopernikani-sche System die festen Punkte auf und macht aus
dem Ruhenden ein Schwebendes. Sie lehrt die Relativität aller Gründe
und aller Eigenschaften, die unendliche Mannigfaltigkeit und Einheit der
Konstruktionen eines Dinges usw.
________________________________________________________________
Novalis, aus Bruchstücke philosophischer Enzyklopädistik, Projekt Gutenberg
Nota bene: Nicht die ideale Wissenschaft, sondern das Ideal der Wissenschaft. Sie ist Sche-ma.
JE 21. 12. 19
Nota Das
obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie
der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht
wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE
Dienstag, 31. Dezember 2019
Montag, 30. Dezember 2019
Witz ist der Finder.
Der Witz ist der Finder
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Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft J, N° 1288
Wenn Scharfsinn ein Vergrößerungsglas ist, so ist Witz ein Verkleinerungsglas. Glaubt ihr denn, dass sich bloß Entdeckungen mit Vergrößerungsgläsern machen ließen? Ich glaube mit Verkleinerungsgläsern, oder wenigstens durch ähnliche Instrumente sind wohl mehr Entdeckungen gemacht worden.
_________________
ebd., Heft D, N° 465
Ohne Witz wäre eigentlich der Mensch gar nichts, denn Ähnlichkeit in den Umständen ist ja alles was uns die wissenschaftliche Erkenntnis bringt, wir können ja bloß nach Ähnlichkeiten ordnen und behalten.
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ebd., Heft J, N° 936
Sonntag, 29. Dezember 2019
Das Gefühl ist das erste Objekt unsrer Reflexion; daraus ergibt sich viererlei.
Eberlein, Vom Skorpion gestochen aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
Wir haben als Grundzustand abgeleitet ein Gefühl, an welches alles übrige geknüpft wird. Das Gefühl ist das erste un-//87//mittelbare Objekt unsrer Reflexion. Das Ich fühlt sich, und zwar ganz. Aber das Ich ist, wie wir wissen, praktisch und ideal, welches beides jetzt erst geteilt wird vermittelst des Gefühls. Das Ich fühlt sich zuvörderst praktisch, dies ist eigentlich das unmittelbare Gefühl, in welchem Gefühl der Beschränktheit und des Strebens vereinigt ist.
Aber das Ich fühlt sich ganz, also auch ideal und insofern anschauend, in welcher Anschauung nun abermals Beschränktheit und Streben vereinigt sein muss. Sonach finden sich da abermals vier Stücke: Gefühl der Be- schränktheit, Gefühl des Strebens, Anschauung des bestimmten Objekts, Anschauung des Ideals. Diese vier Stück sind notwendig vereinigt, eins kann ohne das andere nicht sein.
In der Zukunft werden wir sehen, dass noch mehr hinzu kommen muss.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 86f.
Nota. - Zuerst ist da ein Gefühl, und weil das Ich strebend ist, ist es zugleich ein Gefühl der Beschränktheit und eins der Freiheit. Erst durch das Gefühl teilt sich das Ich in eine 'reale', praktische Tätigkeit und eine ideale Tä- tigkeit: Anschauung. Die Anschauung der praktischen Tätigkeit wird zur Anschauung eines je bestimmten Ob- jekts, die Anschauung der idealen Tätigkeit (=der Anschauung) wird zur Anschauung der Idee, d. h. eines Su- chens.
JE, 24. 9. 16
Witz und Gedächtnis.
Das Gedächtnis ist der Individualsinn – das Element der Individuation. N°1248
Der Witz ist schöpferisch – er macht Ähnlichkeiten. N°1298
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Novalis, Neue Fragmente, aus: Projekt Gutenberg
Die Katze ist aus dem Sack.
aus Tagesspiegel.de, 27.12.2019 aus Levana, oder Erziehlehre
Kommunen fürchten Scheitern der flächendeckenden Ganztagsbetreuung
Ab 2025 soll es einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen geben. Doch die Umsetzung droht zu scheitern, warnen die Kommunen.
Der Deutsche Städtetag sieht große Probleme mit dem für 2025 geplanten Rechtsanspruch auf Ganztags- betreuung für Grundschüler. Es werde bis dahin "kaum gelingen, ausreichend Fachkräfte mit den notwen- digen pädagogischen Qualifikationen zu finden", sagte der Hauptgeschäftsführer der Organisation, Helmut Dedy, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
"Ein Ganztagesbetrieb macht zudem an den Schulen den Bau von zusätzlichen Räumen nötig für die Mittagsverpflegung, die individuelle Förderung von Schulkindern und mehr Freizeitmöglichkeiten", erläuterte Dedy. "Das wird nur schrittweise möglich sein."
Alle haben es immer gewusst, aber weil sie unter derselben Decke stecken, hat es keiner gesagt. Und immer noch klingt es nur zwischen den Zeilen durch, doch weil sich's von selbst versteht, reicht das.
JE
Kommunen fürchten Scheitern der flächendeckenden Ganztagsbetreuung
Ab 2025 soll es einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen geben. Doch die Umsetzung droht zu scheitern, warnen die Kommunen.
Der Deutsche Städtetag sieht große Probleme mit dem für 2025 geplanten Rechtsanspruch auf Ganztags- betreuung für Grundschüler. Es werde bis dahin "kaum gelingen, ausreichend Fachkräfte mit den notwen- digen pädagogischen Qualifikationen zu finden", sagte der Hauptgeschäftsführer der Organisation, Helmut Dedy, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
"Ein Ganztagesbetrieb macht zudem an den Schulen den Bau von zusätzlichen Räumen nötig für die Mittagsverpflegung, die individuelle Förderung von Schulkindern und mehr Freizeitmöglichkeiten", erläuterte Dedy. "Das wird nur schrittweise möglich sein."
Bund und Länder müssten "einen erheblich größeren
Anteil an den Investitionskosten übernehmen und sich dauerhaft an den
Betriebskosten beteiligen", forderte Dedy. Die bisher vom Bund
eingeplanten Mittel von zwei Milliarden Euro deckten nur einen kleinen
Teil der notwendigen Investitionen
von etwa 7,5 Milliarden Euro. Die jährlichen Betriebskosten bezifferte
Dedy auf 4,4 Milliarden Euro. Er berief sich auf Schätzungen des
Deutschen Jugendinstituts."Die
Kommunen brauchen einen realistischen Zeitplan und hinreichend
Finanzmittel", resümierte Dedy. "Nur dann kann das Projekt
Rechtsanspruch bundesweit gelingen."
Den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung von Kindern im Grundschulalter soll es laut Koalitionsvertrag von Union und SPD ab dem Jahr 2025 geben. Zur Vorbereitung beschloss das Bundeskabinett Mitte November die Einrichtung eines Sondervermögens, um die eigentlich zuständigen Länder zu unterstützen. In den Jahren 2020 und 2021 sind jeweils eine Milliarde Euro für das Sondervermögen vorgesehen. Die Mittel können bis Ende 2028 ausgegeben werden.
Nota. - Haben Sie's bemerkt? Die Zeit des pädagogisch-Lyrischen is over. Wo's jetzt ernst wird und ums Geld geht, reden sie Prosa. Mehr lernen, Integration, sozialer Ausgleich? Das war alles für die Galerie. Um Betreuung geht es den ganzen Tag, damit die Mütter dem Arbeitsmarkt flächendeckend zur Verfügung ste- hen.
Den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung von Kindern im Grundschulalter soll es laut Koalitionsvertrag von Union und SPD ab dem Jahr 2025 geben. Zur Vorbereitung beschloss das Bundeskabinett Mitte November die Einrichtung eines Sondervermögens, um die eigentlich zuständigen Länder zu unterstützen. In den Jahren 2020 und 2021 sind jeweils eine Milliarde Euro für das Sondervermögen vorgesehen. Die Mittel können bis Ende 2028 ausgegeben werden.
Nota. - Haben Sie's bemerkt? Die Zeit des pädagogisch-Lyrischen is over. Wo's jetzt ernst wird und ums Geld geht, reden sie Prosa. Mehr lernen, Integration, sozialer Ausgleich? Das war alles für die Galerie. Um Betreuung geht es den ganzen Tag, damit die Mütter dem Arbeitsmarkt flächendeckend zur Verfügung ste- hen.
Alle haben es immer gewusst, aber weil sie unter derselben Decke stecken, hat es keiner gesagt. Und immer noch klingt es nur zwischen den Zeilen durch, doch weil sich's von selbst versteht, reicht das.
JE
Samstag, 28. Dezember 2019
Der Bonus im Kopf.
Das Gehirn bestimmt das Geschlecht
Wiener Hirnforscher konnten nachweisen, wie die Geschlechtsidentität im Gehirn festgeschrieben ist. Männer und Frauen unterscheiden sich in der Verschaltung ihrer Hirnregionen.
von Petra Paumkirchner
Ob wir uns als Frau oder Mann sehen, wird durch die Geschlechtschromosomen – zwei X-Chromosomen bei den Frauen, ein X- und ein Y-Chromosom bei den Männern – und die Geschlechtsorgane bestimmt. Gleichzeitig ist die Geschlechtsidentität, also ob wir uns in unserem Körper als Frau oder als Mann fühlen, entscheidend. Liegt keine Übereinstimmung zwischen dem körperlichen Geschlecht und der persönlichen Geschlechtsidentität vor, können wir uns als Mann in einem weiblichen Körper oder umgekehrt fühlen. Die Mediziner sprechen von Transgender oder Transsexualität.
Mehrere Forschungsinstitutionen sind weltweit auf der Suche nach der Repräsentation der individuellen Geschlechtsidentität im Gehirn. In einer vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF geförderten Studie gelang es dem Hirnforscher Georg S. Kranz von der Uni-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Wien zu zeigen, dass sich die ganz persönliche Geschlechtsidentität jedes Menschen in der Vernetzung zwischen Hirnregionen widerspiegelt und nachweisbar ist. Die in Kooperation mit dem Niederländischen Institut für Neurowissenschaften in Amsterdam sowie Kollegen der Med-Uni entstandenen Erkenntnisse wurden kürzlich im Journal of Neuroscience veröffentlicht .
Vernetzungen untersucht
„Das Gehirn ist für unser Denken, Fühlen und Handeln verantwortlich“, so Kranz. Daher sei man logischerweise davon ausgegangen, dass auch die Geschlechtsidentität im Gehirn repräsentiert sein muss. „Uns gelang es, neuronale Korrelate, also Entsprechungen in der Gehirnaktivität, für das Geschlechtsempfinden in den Vernetzungen des Gehirns festzustellen“, sagt der Forscher.
Alle Regionen im Gehirn sind durch Millionen Nervenfasern verbunden und verschaltet. Die Mikrostruktur dieser Verbindungen lässt sich mittels diffusionsgewichteter Magnetresonanz-Tomografie (siehe Lexikon) im lebenden menschlichen Gehirn darstellen.
In der Studie wurden sowohl weibliche und männliche Personen als auch Transgenderpersonen untersucht. Dabei fanden sich signifikante Unterschiede zwischen Frauen und Männern in der Mikrostruktur der Hirnverbindungen. Transgenderpersonen nahmen eine Mittelstellung zwischen beiden Geschlechtern ein.
Worauf die gemessenen Unterschiede zurückzuführen sind, kann derzeit von den Forschern noch nicht nachgewiesen werden. Es könnte die ungleiche Anzahl, eine unterschiedliche Dicke oder Dichte von Nervenfasern oder eine unterschiedlich dicke Isolationsschicht verantwortlich sein. Dafür sind noch zahlreiche Folgestudien notwendig.
Weiters fanden die Forscher einen starken Zusammenhang zwischen den Mikrostrukturverbindungen untereinander und dem im Blut gemessenen Testosteronspiegel. „Diese Ergebnisse legen nahe, dass sich die Geschlechtsidentität in der Struktur von Hirnnetzwerken widerspiegelt. Diese entwickeln sich, unter dem modulierenden Einfluss von Geschlechtshormonen, im Nervensystem“, sagt Projektleiter Rupert Lanzenberger.
Diese Ergebnisse bestätigen eine lang bestehende Theorie. Bei einem männlichen Fötus kommt es während der Schwangerschaft zu zwei Anstiegen des Testosteronspiegels. Bei weiblichen Föten bleiben diese Anstiege aus. Der erste Testosteronanstieg ist für die Anlage der männlichen Geschlechtsorgane verantwortlich. Der zweite, später erfolgende Anstieg sorgt für die Vermännlichung des Gehirns. Stimmen diese beiden Prozesse nicht überein, kann es zur Ausbildung von Transidentität kommen.
LEXIKON
Diffusionsgewichtete Magnetresonanz-Tomografie (DW-MRI) ist ein bildgebendes Verfahren, das die Diffusionsbewegung von Wasser in Körpergeweben misst. Es wird vor allem zur Untersuchung des Gehirns verwendet, da man aufgrund der Diffusion von Wassermolekülen auf den Verlauf von Nervenfaserbündeln schließen kann. Einige neuronale Erkrankungen wie Multiple Sklerose und Epilepsie lassen sich so nachweisen.
Nota. - Sag ich's doch längst: Das weibliche Gehirn ist die Standardversion. Das männliche ist ein Bonus.
7. 3. 15
Nota II. - Man muss im Auge behalten, dass der Bonus - Epigenomik macht's möglich - auch darin bestehen kann. dass dies oder das fehlt; Schranken zum Beispiel.
JE
Eindeutig.
Fidus, Lichtgebet aus Geschmackssachen
Ein Bild, auf das nur ein Blick möglich ist, lässt zu wünschen.
aus e. Notizbuch, 13. 6. 07
Der Künstlerphilosoph.
So regt sich der philosophische Geist zuerst in völlig getrennten Massen.
Auf der zweiten Stufe der Kultur fangen sich an diese Massen zu berühren – mannigfaltig genug; so wie in der Vereinigung unendlicher Extreme überhaupt das Endliche, Beschränkte entsteht, so entstehn nun auch hier Eklektiker ohne Zahl. Die Zeit der Mißverständnisse beginnt. Der Beschränkteste ist auf dieser Stufe der Bedeutendste, der reinste Philosoph der zweiten Stufe. Diese Klasse ist ganz auf die wirkliche, gegen- wärtige Welt, im strengsten Sinne, eingeschränkt. Die Philosophen der ersten Klasse sehn mit Verachtung auf diese zweite herab. Sie sagen, sie sei alles nur ein bißchen und mithin nichts. Sie halten ihre Ansichten für Folgen der Schwäche, für Inkonsequentismus. Gegenteils stimmt die zweite Klasse in der Bemitleidung der ersten überein, der sie die absurdeste Schwärmerei, bis zum Wahnwitz, schuld geben.
Wenn von einer Seite Scholastiker und Alchimisten gänzlich gespalten, hingegen die Eklektiker eins zu sein scheinen, so ist doch auf dem Revers alles gerade umgekehrt. Jene sind im wesentlichen indirekte eines Sinns, nämlich über die absolute Unabhängigkeit und unendliche Tendenz der Meditation. Sie gehn beide vom Absoluten aus; dagegen die Bornierten im wesentlichen mit sich selbst uneins und nur im Abge- leiteten übereinstimmend sind. Jene sind unendlich, aber einförmig – diese beschränkt, aber mannigfaltig. Jene haben das Genie, diese das Talent. Jene die Ideen, diese die Handgriffe. Jene sind Köpfe ohne Hände, diese Hände ohne Köpfe.
Die dritte Stufe ersteigt der Künstler, der Werkzeug und Genie zugleich ist. Er findet, daß jene ursprüng- liche Trennung der absoluten philosophischen Tätigkeiten eine tieferliegende Trennung seines eigenen Wesens sei, deren Bestehn auf der Möglichkeit ihrer Vermittlung, ihrer Verbindung beruht. Er findet, daß, so heterogen auch diese Tätigkeiten sind, sich doch ein Vermögen in ihm vorfinde, von einer zur andern überzugehn, nach Gefallen seine Polarität zu verändern. Er entdeckt also in ihnen notwendige Glieder sei- nes Geistes; er merkt, daß beide in einem gemeinsamen Prinzip vereinigt sein müssen. Er schließt daraus, daß der Eklektizismus nichts als das Resultat des unvollständigen, mangelhaften Gebrauchs dieses Vermö- gens sei. Es wird ihm mehr als wahrscheinlich, daß der Grund dieser Unvollständigkeit die Schwäche der produktiven Imagination sei, die es nicht vermöge, sich im Moment des Übergehns von einem Gliede zum andern schwebend zu erhalten und anzuschauen. Die vollständige Darstellung des durch diese Handlung zum Bewußtsein erhobenen echt geistigen Lebens ist die Philosophie κατ' εξοχην. Hier entsteht jene leben- dige Reflexion, die sich bei sorgfältiger Pflege nachher zu einem unendlich gestalteten geistigen Universo von selbst ausdehnt – der Kern und der Keim einer alles befassenden Organisation. Es ist der Anfang einer wahrhaften Selbstdurchdringung des Geistes, die nie endigt.
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Novalis, aus Bruchstücke philosophischer Enzyklopädistik, Gutenberg-Projekt
Michael Jackson - das Phänomen; online.
aus GeschmackssachenNachdem Google vor Jahr und Tag meinen Account völlig gelöscht hatte (ohne bis heute ein Erklärung dafür zu geben), war mein Magnum opus Michael Jackson - Das Phänomen wieder aus der Öffentlichkeit verschwunden. Auf die Idee, dass meine Blogs bei Google nicht sicher wären, war ich nie gekommen - und hatte keine Siche- rungskopien gemacht (wird nie wieder vorkommen). Nur ab und zu tauchten bei ebay noch ein paar mehr oder weniger gebrauchte Einzelexemplare auf; aber zu unerschwinglichen Preisen. Das war nicht in meinem Sinn und wäre nicht im Sinn von Mr. Jackson gewesen.
Es hat einige Zeit gedauert, die Dateien wiederherzustellen. Aber jetzt ist alles fertig.
Michael Jackson - Das Phänomen ist wieder online.
11. 10. 14
Freitag, 27. Dezember 2019
Der Göttliche Knabe als Troubleshooter.
G. De la Tour, Jesus und Joseph in der Werkstatt
Das stört keinen heiligen Geist
Diese phantasievolle Kindheitserzählung ist das älteste Beispiel christlicher Kinderliteratur: Das apokryphe Thomas-Evangelium zeigt den kleinen Jesus als starken Gefährten.
Von Judith Rosen
Schon
die frühen Christen mochten sich nicht mit den spärlichen Informationen
zufriedengeben, die Matthäus und Lukas über die Kindheit Jesu
zusammengestellt hatten. Anregend auf die Phantasie wirkte der Schluss
des Evangeliums des Johannes: „Es gibt noch vieles, was Jesus getan hat.
Wenn man alles aufschreiben wolle, so könnte, wie ich glaube, die ganze
Welt die dann geschriebenen Bücher nicht fassen.“ Im Lauf des zweiten
Jahrhunderts entstand eine neue Literaturgattung: die apokryphen
Schriften, die keine Aufnahme in den neutestamentlichen Kanon fanden.
Die jüngere Forschung betont ihren Wert für die Mentalitäts- und Frömmigkeitsgeschichte. Die „Arbeits- definition“ der neuesten deutschen Sammlung (Christoph Markschies und Jens Schröter, 7. Auflage 2012) gesteht den Apokryphen immerhin zu: „Teilweise waren sie auch ein genuiner Ausdruck mehrheitskirch- lichen religiösen Lebens und haben oft Theologie wie bildende Kunst tief beeinflusst!“ Und sie spiegeln das spannungsreiche Verhältnis zwischen Antike und Christentum in den ersten Jahrhunderten. ...
Ein schwererziehbarer Knabe
Die Neutestamentlerin Ursula Ulrike Kaiser
widmet sich dem sogenannten Kindheitsevangelium des Thomas unter dem
Aspekt der Geschlechterrollen. Die Erzählung präsentiert einen
schwererziehbaren, autarken Jesus im Alter zwischen fünf und zwölf
Jahren. Es ist die Zeitspanne, über die der Evangelist Lukas bis zur
Jerusalem-Wallfahrt der Eltern mit dem Zwölfjährigen schweigt. Mit dem
lehrenden Jesus in Jerusalem endet auch die apokryphe Erzählung. Der
unbekannte Verfasser reiht anekdotische Episoden aneinander, die aus
verschiedenen Quellen stammen. Wie beliebt die Wundergeschichten unter
den Gläubigen waren, zeigt ihre Überlieferung in zahlreichen
Handschriften und mehreren Sprachen.
Wer den erwachsenen Jesus vor Augen hat und einen sanftmütigen, barmherzigen Jungen erwartet, wird enttäuscht. Zwar klingen diese Eigenschaften immer wieder an, doch der kleine Jesus begegnet seinen Lesern überwiegend als unbeherrschter Wüterich. Nach einer kurzen Vorrede, in der sich der Verfasser an die „Brüder aus den Heiden“ wendet, spielt Jesus inmitten von Spielkameraden kindgerecht an einem Bach. Er baut Gruben, deren Wasser nach einem Wolkenbruch auf seinen Befehl klar wird. Obwohl es Sabbat ist, formt er zwölf Sperlinge aus Lehm. Die Geschichte erinnert an den erwachsenen Jesus, der kritisiert wird, weil seine Jünger am Sabbat Ähren rupfen.
In der apokryphen Version regt sich ein jüdischer Vater auf und beschwert sich bei Josef über den ungehorsamen Sohn. Erzürnt tadelt Josef seinen Fünfjährigen. Der Kleine reagiert cool und lässt seine Sperlinge wegfliegen, ohne den Vater eines Blickes zu würdigen. Als eine der wenigen Taten Jesu hat diese Geschichte Eingang in den Koran gefunden, der sogar einen Schritt weitergeht: Jesus, der Gesandte Gottes, haucht mit dessen ausdrücklicher Erlaubnis den Vögeln Leben ein.
Wer den erwachsenen Jesus vor Augen hat und einen sanftmütigen, barmherzigen Jungen erwartet, wird enttäuscht. Zwar klingen diese Eigenschaften immer wieder an, doch der kleine Jesus begegnet seinen Lesern überwiegend als unbeherrschter Wüterich. Nach einer kurzen Vorrede, in der sich der Verfasser an die „Brüder aus den Heiden“ wendet, spielt Jesus inmitten von Spielkameraden kindgerecht an einem Bach. Er baut Gruben, deren Wasser nach einem Wolkenbruch auf seinen Befehl klar wird. Obwohl es Sabbat ist, formt er zwölf Sperlinge aus Lehm. Die Geschichte erinnert an den erwachsenen Jesus, der kritisiert wird, weil seine Jünger am Sabbat Ähren rupfen.
In der apokryphen Version regt sich ein jüdischer Vater auf und beschwert sich bei Josef über den ungehorsamen Sohn. Erzürnt tadelt Josef seinen Fünfjährigen. Der Kleine reagiert cool und lässt seine Sperlinge wegfliegen, ohne den Vater eines Blickes zu würdigen. Als eine der wenigen Taten Jesu hat diese Geschichte Eingang in den Koran gefunden, der sogar einen Schritt weitergeht: Jesus, der Gesandte Gottes, haucht mit dessen ausdrücklicher Erlaubnis den Vögeln Leben ein.
Das altersweise Kind
Die göttliche Macht und Weisheit des erwachsenen Jesus offenbaren sich schon im Kindesalter. Damit greift der Verfasser einen beliebten Topos der antiken Literatur auf: den puer senex. Doch entpuppt sich das Wunderkind als todbringender Rächer. Klein Jesus gleicht eher einem paganen Kindgott, der mit üblen Streichen seine Überlegenheit ausspielt, aber auch vor Feinden und bei Gefahr schützt. In ägyptischen und indischen Mythen finden sich Parallelen, doch ist eine direkte Beziehung umstritten. Die frühen Christen, die mit ihrer Konversion nicht gleich ihre soziale und kulturelle Prägung ablegten, genossen die derben Anekdoten, die der allgemeinen Vorliebe für Zaubergeschichten entsprachen. Als ein Kind Jesus zufällig anrempelt, bestraft er es mit dem Tod. Zeugen erkennen: „Jedes Wort, das er spricht, ist fertige Tat!“
Josef, der den Hass des Dorfs fürchtet, bekommt von seinem Sohn lediglich zu hören, die Kritiker würden bestraft. Als sie daraufhin erblinden, zieht Josef statt weiterer Worte Jesus kräftig am Ohr, ein sanfter Hinweis, dass Kinder in der Antike oft Gewalt ausgesetzt waren. Josef hat Glück, und Jesus belässt es bei einer Ermahnung. Die Not, die der Vater mit dem schwererziehbaren Sohn hat, setzt sich in der Schule fort. Als ein Pädagoge ihn ohrfeigt, verflucht ihn der Knabe, und der Schläger sinkt ohnmächtig zu Boden. Da sein Nachfolger Jesu Weisheit endlich anerkennt, wacht der Bewusstlose auf. Zuvor waren auch frühere Opfer von Jesu Fluch erlöst worden.
Es scheint, als ob das Jesuskind lernen muss, seine göttliche Macht zu kontrollieren. Dahinter steht wohl die Frage, wann der historische Jesus seine göttliche und menschliche Natur erkannt hat. Die kanonischen Evangelien entziehen sich weitgehend einer Antwort, weil sie sich auf sein öffentliches Wirken, Verhaftung, Kreuzigung und Auferstehung konzentrieren. Die Kindheitserzählung legt sich ebenfalls nicht zeitlich fest, beschreibt aber gleichsam eine kindliche Versuchsphase, an deren Ende wie im Märchen fast alles wieder gut wird. Obwohl, wie Kaiser anmerkt, Reue und Entwicklungsstufen fehlen, spricht die Wiedergutmachung für sich.
Dieser Junge ist ein kleiner Mann
Die letzten Wundergeschichten erinnern wieder an den kanonischen Jesus: Der Knabe beschenkt Arme, heilt Verunglückte und weckt Tote auf, darunter Kinder. Doch fehlen auch hier Anklänge an den leidenden Jesus und seine Aufrufe zur Versöhnung. Der apokryphe Jesus ist männlicher als der kanonische. Männer dominieren ohnehin die Kindheitserzählung. Die Mutter, die nie Maria genannt wird, kommt nur am Rande vor. Die wichtigste Bezugsperson ist Josef, der einen Rollenwandel durchläuft. Sein Status als pater familias bricht vor Jesu allmächtiger auctoritas zusammen, ein Hinweis des Verfassers darauf, dass gesellschaftliche Normen vor Gott keinen Bestand haben.
Über den Blick auf die Geschlechterdifferenz sollten zwei Fragen nicht vergessen werden: Warum wird die in der Antike unangefochtene väterliche Autorität derart untergraben? Will der Autor zeigen, dass familiäre Beziehungen in der familia Dei aufgehoben sind und Jesus nur einen Vater im Himmel hat? Oder spiegelt sich in der Dekonstruktion die heftige Diskussion über die zwei Naturen Jesu? Möglicherweise schwingt auch Kritik an der übermächtigen Stellung der Väter in der alten Welt mit, an der manche Söhne und Töchter zu leiden hatten.
Die frühen Christen haben keine eigenen Schulen gegründet. Lehrstätte der jungen Gläubigen waren die Familie und die Gemeinde. Rigoristen wie der Kirchenschriftsteller Tertullian verboten Anfang des dritten Jahrhunderts sogar den Schulbesuch, um die Kinder von heidnischer Literatur fernzuhalten, ohne längerfristigen Erfolg. Da die apokryphe Erzählung des Thomas in der kindlichen Erfahrungswelt spielt, könnte sie nicht nur zur Erbauung der Erwachsenen, sondern auch für Kinder verfasst worden sein. Ein Grund, der damals zur Konversion führte, war der Glaube, der Christengott übertreffe alle bisher bekannten Götter an Macht. Die Erzählung des Thomas wirbt um kindliches Vertrauen in einen starken Gefährten, der tote Kinder zum Leben erweckte. In den kanonischen Evangelien hat Jesus die Kinder von Anfang an in sein Heilswerk einbezogen.
Nota. - Der eher säkular eingestellte Immanuel Kant meinte, wenn man einen tüchtigen Weltbürger wolle, müsse man zuerst einen Gassenbuben haben.
JE
Donnerstag, 26. Dezember 2019
Das Objekt ist zuerst ein bloß Vorschwebendes ohne Beziehung auf mich.
aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
Ich finde mich beschränkt im Gefühle, aber ich kann nicht fühlen, ohne anzuschauen, und unmittelbar für die Anschauung ist das Objekt da. Hinterher kommen dergleichen Bestimmungen vor, dass das Objekt betrachtet wird als etwas auf uns Einfließendes; aber diese Bestimmungen kommen erst vor, wenn das Objekt schon da ist.
Das Etwas, welches dem Anschauenden vorschwebt, ist hier weder Bild noch Dinge, es ist ohne alle Beziehung auf uns. Weder Bild noch Dinge, sondern beides, es wird nachher in beide geschieden, es ist der Urstoff für beide, das unbegreifliche Etwas ohne Beziehung auf uns. Auch im gemeinen Bewusstsein behaupten wir, dass die Dinge unmittelbar da sind.
Wir können hier die Anschauung noch nicht weiter charakterisieren, als dass sie sei etwas dem Ich Vorschwe- bendes und insofern NichtIch, wenn es nämlich auf das Anschauende bezogen werden könnte, nicht aber auf das ganze Ich, dass sie sei //84// etwas positiv Haltendes, dass ihr der Charakter des Seins zukomme, indem sie die gesamte Tätigkeit des Ich zur idealen macht.
Das Objekt wird nicht gefühlt, es ist bloß, indem ich anschauend bin, und im Anschauen fühle ich mich.
___________________________________________________
J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 83f.
Nota. - Da fällt mir zweierlei ein: zuerst Schillers ästhetischer Zustand, und dann, dass seit Plato das Staunen als An- fang der Philosophie gilt.
JE, 19. 9. 16
Nota II. - Die Wissenschaftslehre zeichnet ein transzendentales Schema, wie die Vernunft in die Welt gekommen ist. Sie erzählt nicht die Geschichte, wie heutigen Tags in einem Individuum die Vernunft entsteht. Das wäre Psy- chologie.
Empirisch gesprochen wäre es falsch zu sagen, dass das 'zuerst' bloß vorschwebende Objekt noch "ohne Bezie- hung auf mich" ist. Das empirische - historische, sagt Fichte - Individuum kommt von vornherein in eine Welt, die als Ganze und deren Bestandteile jeder für sich schon bestimmt sind. Die Bestimnungen im einzelnen wird der Neuweltbürger selber vornehmen oder auch "nachvollziehen" müssen; dass da aber eine Bestimmung schon ist, gilt dem sich bildenden Bewusstsein a priori. Daher ja die 'natürliche' Annahme des gesunden Menschenver- stands, dass die Welt und ihre Dinge "an sich" bestimmt wären!
Und nur darum ist ein transzendentales Schema überhaupt nötig (und möglich): weil einsichtig gemacht werden soll, dass und wie die Welt nicht an-sich-bestimmt, sondern Schritt für Schritt im selben Maße bestimmt worden sind, wie 'das Ich' - die Ichheit - sich selbst bestimmt hat. Das ist keine Nacherzählung einer Geschichte, die sich so zugetragen hat, sondern eine Sinnbehauptung: dass Welt und Ich heute und immer nur durch einander möglich sind.
JE
Fichte, Marx und Hegel.
franslanting
aus MarxianaIm Kapitel über die Wertform* habe er "mit der hegelschen Ausdrucksweise kokettiert", schreibt Marx im Nachwort zum Kapital. Für Generationen 'westlicher' Marxisten und Marxianer war das seinerseits eine Koket- terie. Zu Dutzenden und Hunderten bemühten sie sich, das Marx'sche Werk im Sinn der Hegel'schen Dialektik zu deuten, denn die Mystifikation, welche die Dialektik in Hegels Händen erlitten habe, verhindere ja "in keiner Weise, daß er ihre allgemeinen Bewegungsformen zuerst in umfassender und bewußter Weise dargestellt hat". Man müsse sie, um ihren rationellen Kern freizulegen, lediglich 'vom Kopf auf die Füße' stellen. Vom Kopf auf die Füße – das war das unfassliche Abrakadabra des pp. Westlichen Marxismus. Darüber ist viel geschrieben worden, und ein Ende war nicht abzusehen.
Immerhin ist impliziert, dass die Dialektik bei Hegel nicht das Original, sondern eine untergeschobene Fehl- farbe ist. Tatsächlich war die Urform der neueren** Dialektik das von Fichte entwickelte analytisch-synthe- tische Verfahren der Wissenschaftslehre. Sie will nicht sein das spekulativ eingesehene Bewegungsgesetz der Welt, sondern die Weise, in der die Philosophie (=Kant & Fichte) das vorgefundene reale Bewusstsein der Menschen erklärt: Setzen und bestimmen ist nur möglich als entgegen-setzen. Die Begriffe sind nichts anderes als die Denkakte der Menschen, die sie in der diskursiven Darstellung so behandeln, als ob sie Fakten wären.
Die Marx'sche Kritik geht so vor, dass sie unter den überzeitlichen Begriffen der Politischen Ökonomie die ihnen zu Grunde liegenden Handlungsweisen der Menschen freilegt. Indem Marx die Hegel'sche Dialektik 'vom Kopf auf die Füße' stellte, hat er sie auf ihre Fichte'sche Urform zurückgeführt. Für Fichte wie für Marx haben Ideen, Begriffe und Gedanken Realität nur, soweit sie das Handeln wirklicher Menschen ausdrücken.
War Fichte nicht aber Idealist und Marx erklärtermaßen Materialist?
Idealismus hat zwei verschiedene, in einem gewissen Sinn entgegengesetzte Bedeutungen. Im landläufigen, fast umgangssprachlichen (und nicht zuletzt von Marx und Engels eingeführten) Gebrauch bezeichnet er eine Leh- re, die – wie zuletzt die Hegel'sche und zuerst die Plato'sche Philosophie – den Ideen, Begriffen, Vorstellungen, kurz: dem Geist eine eigene Realität zuspricht; sei es neben den Erscheinungen, sei es 'hinter' denselben als ihr 'Wesen'. In der philosophischen Schulsprache heißt dieser Standpunkt darum der realistische.
Das ist eine metaphysische, Seins-logische Aussage über die Natur der Dinge. In der Schulsprache wurde der Ausdruck Idealismus in einem kritischen, Wissens-logischen Sinn gebraucht, als Aussage über Wesen und Her- kunft unseres Erkennens, Wissens, Verstehens; als eine Antwort auf die Frage, woher unsere Vorstellungen kommen. Die Auffassung, sie gingen von den Dingen – lat. res – aus, heißt wiederum die realistische. Dagegen steht die idealistische Auffassung, die meint, sie gingen – umgekehrt – vom Sehenden aus: gr. idein = sehen. In diesem Sinn war Fichte der Radikalste unter den Idealisten.
Ein kritischer oder, wie Fichte (mit Kant) sagt, "transzendentaler" Idealist kann logischerweise kein Ideen-Realist sein. Er kann sich zu metaphysischen, Seins-logischen Fragen überhaupt nicht äußern, denn nach seiner Vor- aussetzung kann er von einem 'Wesen' der Dinge 'hinter' ihrer Erscheinung ja nichts wissen; er kann nicht ein- mal sinnvoll danach fragen. Aber die Erscheinungen leugnet er nicht, sie sind vielmehr die einzigen Realitäten, die er kennt. Real ist nur, was angeschaut wird. Angeschaut wird jedoch, was im Raum ist. Was aber im Raum ist, ist nach Fichte Materie. So dass ein transzendentaler Idealist zwar kein metaphysischer Materialist sein kann; aber eine Forschung kann er nur als Wissenschaft achten, soweit sie materialistisch verfährt: nichts gelten lässt, als was sich in Raum und Zeit nachweisen lässt.
Zu wissenslogischen Fragen wiederum hat Marx sich theoretisch nicht geäußert. Aber indem er die dialektische Methode aus einer Selbstbewegung der Idee in ein Sezierbesteck des kritischen Subjekts zurückverwandelte, hat er sie praktisch beantwortet.
Ein Hegelianer in metaphysischem, ideenrealistischen Sinn war Marx nicht. Hegels Dialektik hat er ihrer meta- physischen, ideenrealistischen Verhüllung entkleidet und subjektiviert - und hat sie, ohne Fichte zu kennen, an ihren ursprünglichen Platz gesetzt.
*
Ach, das ist grob und schematisch, ich weiß. Es ließe sich noch Vieles daran anknüpfen, aber das ist der sprin- gende Punkt: anknüpfen. Es ist ganz allgemein, aber in dieser Allgemeinheit trifft es zu. Folgen mögen Spezifizie- rungen und Konkretisierungen; aber keine Einschränkungen noch Relativierungen.
*) im Anhang zur ersten Auflage des I. Bands, 1867
**) im Unterschied zu dem scholastischen Begriff, der auf Plato zurückging und nur eine rhetorische Methode des Argumentierens bedeutete.
12. 9. 15
Wieso vom Ästhetischen keine Wissenschaft möglich ist.
aus Geschmackssachen
...Zum Beispiel wird man sich nie über den Grund noch den Gegenstand der Musikwissenschaft einigen können.
Über den Gegenstand nicht: Ich habe in einer musikwissenschaftlichen Zeitschrift eine völlig ernstgemeinte Abhandlung über das Pfeifen gefunden. Wenn man sich darauf einigen könnte (man kann es nicht), dass der Grund der Musik ein ästhetischer sei, so würde man sich nicht darüber einigen können, was das Ästhetische ist.
Es gibt nämlich keine Fragestellung im Arbeitsalltag [vulgo in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung], die eine solche Verständigung erheischt; die es nötig machte, dass der eine den andern zur Einsicht zwingt. De gustibus non es disputandum: Worüber man nicht streiten kann, darüber kann man sich auch nicht verständigen.
aus e. Notizbuch, 6. 9. 05
Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE
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