Samstag, 31. Juli 2021

Handeln heißt bestimmen.

                                                                                     aus Eine aktualistische Fundamentalontologie

Zusammenfassend: Handeln ist bestimmen; nur durch und für das Handeln gibt es Etwas.

 

 

Nota. Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.  JE

Freitag, 30. Juli 2021

Real ist nur das Bestimmen selbst; 'bestimmt' und 'bestimmbar' sind bloß Abstraktionen.

istockphoto                                                                                        aus Philosophierungen

Wirklich ist eigentlich immer nur das Schweben: das, wo Bewegung ist, wo etwas geschieht; es ist aktuale Tätigkeit. Ein Schweben zwischen Zweien: Die Fixpunkte werden als solche nur gedacht. Denn gedacht - angeschaut und begriffen - werden kann das Wirkliche, das Tätigkeit ist, nur so; nur interpunktiert; nicht als Fluss, sondern in Sprüngen von einem Zu-stand zum andern. Hier findet im Denken eine Umkehrung statt: Das Fixe, das nur gedacht wird, kommt dem Denken als das Eigentliche vor, die aktuale Tätigkeit, das "Schweben", als hinzugedachtes Akzidens.

Bestimmt und bestimmbar sind Reflexionsmomente. Real ist die Verlaufsform, das Überge-hen vom Einen zum Andern: bestimmen.


12. 7. 17



Das ist eine bemerkenswerte Verkehrung: Um im Flusse der Erscheinungen etwas erkennen zu können, bräuchte man ein Festes, Dauerndes, worauf man das Flüchtige beziehen kann, sagt Frege. Und da hat er völlig recht. Doch nur weil er es braucht, darf er nicht meinen, dass er es auch finden kann. Es geht ja offenbar darum, am Erscheinenden einen Sinn zu erkennen. Und wenn er am Erscheinenden zu erkennen wäre, bräuchte er ihn wirklich nur zu finden - indem er lange genug hinsieht, als ein Erscheinendes unter Erscheinenden, und ein philosophisches Problem hätte es nie gegeben. Doch ist der Sinn aus einem andern Stoff gemacht (sic) als alles, was erscheint, weshalb er nicht zu finden, sondern nur zu er-finden ist. 

11. 5. 19

Begriffe sind nur um des Handelns willen da, nur das Handeln ist absolut.

  M. Kessels                                             aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

/Die Frage, wie die Objekte, die außer uns sein sollen, zugleich in uns sein sollen, beant-wortet die Wissenschaftslehre so: wenn das, was außer uns sein soll, mit dem verknüpft ist, was unmittelbar Objekt des Bewusstseins ist, und dies ist alles Tätige und Freie in uns. Nur meiner Tätigkeit kann ich mir bewusst werden, aber ich kann mir derselben nur bewusst werden als einer beschränkten.*

Der Kantische Satz: Unsere Begriffe beziehen sich nur auf Objekte der Erfahrung, erhält in der Wissenschaftslehre die höhere Bestimmung: Die Erfahrung bezieht sich auf Handeln, die Begriffe entstehen durch Handeln und sind nur um des Handelns willen da, nur das Handeln ist absolut. 

Kant wird nicht sagen, die Erfahrung sei absolut, er dringt auf den Primat der praktischen Vernunft, nur hat er das Praktische nicht entscheidend zur Quelle des Theoretischen ge-macht. In einem neueren Aufsatze der Berliner Monatsschrift: Über den vornehmen Ton..." hat er sich erklärt, dass die Freiheit das Höchste sei.

Die Philosophie desjenigen, welcher behauptet, dass der Mensch vorstellend ohne Handeln sei, ist bodenlos. Hier wird es recht klar, was es heißt: Das Ich sieht die Welt in sich; oder: Gibt es keine praktische, so gibt es auch keine ideale Tätigkeit; gibt es kein Handeln, so gibts auch kein Vorstellen.

*) [beschränkt durch den Gegenstand, auf den sie geht]

_______________________________________________________________________
J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, S. 61



Nota I. - Kurz, der Zweckbegriff ist die Grundform des Begriffs; alle andern sind Ab-straktionsformen. Oder auch: Begriff ist Absicht.
19. 8. 16


Nota II. - Nur das Handeln ist absolut: Das muss man beim Wort nehmen. Absolut heißt: losgelöst von allem (andern). Nämlich ohne jede Bestimmung außer durch sich selbst. Für die Wissenschaftslehre ist handeln das einzig Faktische - oder Reale. Alles andere 'gibt es' nur in der Vorstellung.

JE


Am Anfang stand das Staunen.

canalblog

aus spektrum.de, 29. 7. 2021                                                                        zuJochen Ebmeiers Realien; zu Philosophierungen

Geschichte der Wissenschaft
Der Publizist Ernst Peter Fischer präsentiert eine unterhaltsame und kompakte Geschichte der Wissenschaft, von der Aufklärung bis zu den drängenden Problemen der Zukunft.


von Tim Haarmann

 

Vom Staunen in der Welt 
Was Wissenschaft möglich macht - und was nicht
Verlag: S. Hirzel, Stuttgart 2021
ISBN: 9783777628745 | Preis: 25,00 €


Mit der Coronakrise geriet die Wissenschaft verstärkt ins Scheinwerferlicht der öffentlichen Wahrnehmung: Virologen und Epidemiologen klären über die Eigenschaften des Krankheitserregers auf, während Modellierer die Politik mit Szenarien zum Pandemieverlauf beraten. Gleichzeitig sind die wissenschaftlichen Akteure mitunter heftiger – meist außerwissenschaftlicher – Kritik ausgesetzt, wenn sie ihre Einschätzungen im Lichte neuer Erkenntnisse korrigieren oder anpassen müssen. Während Interessengruppen versuchen, die Vielstimmigkeit der Wissenschaft für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, halten seriöse Medien dagegen und erklären, »wie Forschung funktioniert«.

Aktueller denn je

Zwar thematisiert der Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer in seinem neuen Buch »Vom Staunen in der Welt« nicht primär die Coronakrise – gleichwohl ist es vor deren Hintergrund aktueller denn je und reiht sich gut in die heutigen Debatten ein. Fischer bereitet dabei den Fortschritt der Wissenschaft seit der Zeit der Aufklärung interessant auf und macht deutlich, wie wissenschaftliche Erkenntnis entsteht.
 
30/2021  Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum – Die Woche, 30/2021

In neun Kapiteln stellt sich der Autor den Fragen, wie sich im 17. Jahrhundert eine wissen-schaftliche Arbeitsweise etablierte, welche Hoffnungen und Ziele die Menschen damit verbanden (und noch heute verbinden), wie die Wissenschaft als ein Berufsfeld entstand, welche Konflikte sich aus Erkenntnissen ergeben können (etwa bei der Kernenergie) und welche Anforderungen sich heute – vor dem Hintergrund von Klimawandel und Artenverlust im Anthropozän – an die Wissenschaft ergeben.

Bei der Frage, wie die Forschung seit der Aufklärung mit der Gesellschaft wechselwirkt und diese geprägt hat, konzentriert sich Fischer vor allem auf die naturwissenschaftlichen Errungenschaften, etwa bei chemischen Synthesen, der Energiegewinnung, im Bereich der Medizin oder Computertechnik. Hier sieht der Autor einige Bildungsdefizite unserer Gesellschaft, an der insbesondere eine zu starke Fokussierung auf den geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich schuld sei. Dabei kriegen deren Vertreter ihr Fett weg: etwa Marcel Reich-Ranicki, den die Natur schnell gelangweilt habe, oder Dietrich Schwanitz, dessen Buch »Bildung – Alles, was man wissen muss« sich auf den nichtnaturwissenschaftlichen Bereich fokussiere.

Sieht man über diese Seitenhiebe hinweg, kann man dem Autor durchaus beipflichten, dass die Naturwissenschaften unsere moderne Welt substanziell geprägt haben: Angesichts der Corona-Pandemie treten die Arbeiten Robert Kochs wieder in Erscheinung oder die des weniger bekannten Arztes Ignaz Semmelweis, der im 18. Jahrhundert durch seine Erkenntnisse zur Hygiene die Sterblichkeit junger Mütter auf Entbindungsstationen erheblich reduzierte.

Spektrum Kompakt:  Corona-Pandemie – Alltag unter Ausnahmebedingungen Das könnte Sie auch interessieren: Spektrum Kompakt: Corona-Pandemie – Alltag unter Ausnahmebedingungen

Im Schlussteil des Buchs befasst sich der Autor mit aktuellen wissenschaftlichen Aspekten sowie deren künftigen Herausforderungen – von denen es zahlreiche gibt, weshalb die ungefähr 50 Seiten, auf denen er eine große Palette von Themen anreißt, hierfür kaum ausreichen: Die Ziele der Vereinten Nationen werden ebenso beschrieben wie die überwundene Ozonloch-Problematik, der Club of Rome und dessen »Grenzen des Wachstums« dürfen nicht fehlen, ebenso wenig Geoengineering und »Fridays for Future«, Plastikmüll, das Anthropozän und vieles andere.<

Das ist alles interessant und gehört zu einer modernen Geschichte der Wissenschaft dazu, auch wenn sich die Themen auf so wenigen Seiten höchstens kurz anreißen lassen. Insgesamt ist Fischers Werk dennoch sehr lesenswert und verdeutlicht, was Wissenschaft in den vergangen Jahrhunderten alles möglich gemacht hat.


Nota. - Anfang der Philosophie sei das Staunen, heißt es seit Plato. Aber das läuft aus das-selbe hinaus: denn die ist der Anfang der Wissenschaft; sie war es, die "Wissenschaft möglich gemach" hat. Wenn das in dem Buch nicht zu lesen steht, dann ist es, so informativ und, na ja, unterhaltsam es sonst wäre, nicht viel wert. 

Das heißt nicht, dass die Geisteswissenschaften historisch oder reell bedeutsamer wären als die Naturwissenschaften, denn eine solche ist die Philosophie nicht. Man kann Philosophie schlecht ohne Geistesgeschichte betreiben, was immer Naseweise heute auch behaupten mögen. Und es ist im Einzelnen schwer, das eine vom andern säuberlich zu trennen. Doch Philosophie, die es ernst meint, muss es jederzeit versuchen, sonst wäre sie weder Geistes- noch sonst eine Wissenschaft. Sie ist auch weder didaktisch noch wissenslogisch die Vor-aussetzung einer Einzelwissenschaft. Aber sie ist die kritische Instanz, die ihr jederzeit zur Seite steht und auf die Finger klopft, wenn sie es mit ihren Voraussetzungen wiedermal nicht so genau nimmt.

Merke: Wissenschfaft ist keine "Arbeitsweise", sondern die Kläranlage des Wissens. Sie statuiert, welches Wissen öffentlich gelten soll.

JE

 

Donnerstag, 29. Juli 2021

Begriffe entstehen durch Handeln und um des Handelns willen.

klettern                                        aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Der Kantische Satz: Unsere Begriffe beziehen sich nur auf Objekte der Erfahrung, erhält in der Wissenschaftslehre die höhere Bestimmung: Die Erfahrung bezieht sich auf Handeln, die Begriffe entstehen durch Handeln und sind nur um des Handelns willen da, nur das Handeln ist absolut. 
_______________________________________________________
J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 61


Nota. - Erfahrungen mache ich, indem ich handle, anders würde ich weder der Dinge ge-wahr, noch ihrer Bedeutung. Ihre Bedeutung: das ist die Rolle, die sie in meinen möglichen Handlungen spielen können. Diese fasse ich zusammen und stelle sie fest im Begriff. Ob etwas ist und was es ist, erscheint nur in Handlungen. Handeln ist, bevor Etwas 'ist'. Es ist das eigentliche Sein.
JE, 16. 5. 19  

 

 

Am Ende doch auch nur ein Reduktionist.

landidylle

aus spektrum.de, 28. 7. 2021                                                                             zuJochen Ebmeiers Realien; zu Philosophierungen

Einer der bedeutendsten Physik-Nobelpreisträger auf dem Gebiet der theoretischen Teilchenphysik ist gestorben  
Ein Nachruf auf Steven Weinberg

Kaum von der Presse beachtet starb am 23. Juli 2021 im Alter von 88 Jahren einer der bedeutendsten theoretischen Physiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Neue Zürcher Zeitung, die grösste Zeitschrift in der Schweiz, und das Wochenmagazin Spiegel mit der bedeutendsten News-Website in Deutschland schienen den Tod des Physik-Nobelpreisträger von 1979 Steven Weinberg allerdings vollständig zu ignorieren. Sind Hochwasser und die Olympischen Spiele in Tokio so viel wichtiger als einer der grössten Physiker des 20. Jahrhunderts, der eine ganz neue Grundlage für sein Fach aufgelegt hat?

In den späten 1960er-Jahren gelang es Steven Weinberg, Sheldon Glashow und Abdus Salam (in voneinander getrennten Arbeiten), die Quantenfeldtheorie der schwachen Kernkraft und die relativistische Quantenelektrodynamik als zwei verschiedene Seiten einer einzigen Theorie darzustellen. Die Physiker sprechen heute von der „Theorie der elektroschwachen Kraft“. Dies war der erste – und bis heute letzte – Schritt, die verschiedenen Kräfte im Universum innerhalb einer globalen Theorie als verschiedene Facetten einer einzigen universellen Kraft darzustellen. Für die dritte Kraft, die starke Kernkraft, existieren bereits seit einigen Jahren überzeugende Theorien, die sie mit den beiden anderen zusammenbringt. Die Physiker sprechen in diesem Zusammenhang von einer „großen vereinheitlichten Theorie“ (Grand Unification Theory, GUT). Allerdings sind die Energien, bei denen sich eine solche Einheit offenbart, noch viele Größenordnungen höher als was die Physiker heute in experimentellen Teilchenbeschleunigern erreichen, so dass die GUT-Theorien alle unüberprüfbar bleiben. So besteht die Standardtheorie der Elementarteilchenphysik immer noch aus zwei verschiedenen Grundmodellen: die sogenannte SU(3)-Gruppe der Quantenchromodynamik für die starke Kernkraft (SU(3) ist eine Symmetriegruppe, die die Invarianz der zugrundeliegenden Gleichungen beschreibt). Die andere ist die kombinierte SU(2)-U(1)-Gruppe der von Weinberg und seinen Kollegen entdeckten elektroschwachen Theorie. Die wohl bedeutendste GUT ist die auf der SU(5)-Eichinvarianz beruhende Theorie, jedoch bracht es dafür noch zahlreiche neue, bisher unentdeckte Teilchen, die diese 24-dimensionale Invarianztransformations-Matrix impliziert. Und wie dann zuletzt die Gravitationskraft integriert werden soll, ist noch völlig unbekannt (auch wenn es hierfür ebenfalls bereits Theorien gibt, die aber einen noch einige weiteren Grössenordnungen an Energie zu allem, was wir zur Zeit erreichen, entfernt ist, so dass wir diese erst Recht nicht validieren – oder falsifizieren – können). Die ultimative Theorie verlangt eine Vereinheitlichung der Quantentheorie und der allgemeinen Relativitätstheorie verlangt, von der die theoretischen Physik heute noch sehr weit entfernt ist.

So ist die von Weinberg und seinen Kollegen schon vor über 40 Jahren entdeckte elektroschwache Kraft, die auf niedrigeren Energieskalen in die elektromagnetische und die schwache Kernkraft aufgespalten wird, tatsächlich der bisher einzige – noch sehr kleine – Schritt auf dem Traum-Weg der theoretischen Physiker zu einer einheitlichen Theorie für alle Kräfte im Universum zu gelangen, zu der, wie sie es nennen „Theory of Everything“ (TOE). Seit kurzem spekulieren die Physiker, ob sie vielleicht sogar eine fünfte Kraft erkannt haben, doch die darauf hinweisenden Werte weichen doch nur sehr gering von denen des Standardmodells ab, so dass es sich hier immer noch mit einer nicht unbedeutenden Wahrscheinlichkeit um einfache Messfehler handeln könnte (auch wenn die Messungen nun an einigen verschiedenen Orten gemacht wurden und recht konsistent erscheinen).

Auch in anderen Bereichen der Physik leistete Weinberg wichtige Arbeit und schrieb auch mehrere massgebliche Lehrbücher zu Themen wie allgemeine Relativitätstheorie, Kosmologie und Quantenfeldtheorie. Er war ein früher Verfechter der Superstringtheorie, die in den 1980er Jahren einen vielversprechenden Weg zur Theory of Everything darstellte, in dem sie die Quantenfeldtheorie mit der allgemeinen Relativitätstheorie vereinigt (was sie heute aufgrund ihrer sehr vielen frei wählbaren Parameter nicht mehr ist).

Weinberg war von 1973 bis 1983 Professor für Physik an der Harvard Universität und ging danach an die University of Texas in Austin, wo er eine Gruppe für theoretische Physik gründete, die heute acht ordentliche Professoren hat und eine der führenden Forschungsgruppen auf diesem Gebiet in den US ist. Neben dem Nobelpreis, der höchsten Auszeichnung in der Physik überhaupt, wurde seine Forschung über Elementarteilchen sowie auch Kosmologie mit zahlreichen weiteren Preisen und Auszeichnungen gewürdigt, u.a. 1991 mit der National Medal of Science und 2004 mit der Benjamin-Franklin-Medaille der American Philosophical Society. Für letztere hiess es in der Begründung, dass er „von vielen als der bedeutendste heute lebende theoretische Physiker der Welt angesehen wird“. Seine Publikationen wurden immer sehr hoch angesehen, was sich auch durch den jeweiligen so genannten „h-Index“ für physikalische Papers zeigt. Das Publikationsinstitut Science News nannte ihn zusammen mit den beiden theoretischen Physikern Murray Gell-Mann (gest. 2019) und Richard Feynman (gest. 1988) als den führenden Physiker seiner Zeit (zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts). Neben der US National Academy of Sciences wurde er in die britische Royal Society, sowie in die American Philosophical Society und die American Academy of Arts and Sciences gewählt.

Weinberg schrieb auch Bücher und Artikel für eine breitere Öffentlichkeit zu verschiedenen Themen. So beschreibt sein erstes und bis heute wohl bekanntestes populärwissenschaftli-ches Buch Die ersten drei Minuten: Der Ursprung des Universums aus dem Jahr 1977 (engl. Original: The First Three Minutes: A Modern View Of The Origin Of The Universe) den Beginn des Universums mit dem Urknall und legt ein Argument für seine Expansion dar, das heute in der Kosmologie fest etabliert ist. Noch im Jahr 2015, als über 80-Jähriger, schrieb er in seinem Buch To Explain the World: The Discovery of Modern Science über die Geschichte der Wissenschaften von den Griechen bis zur Moderne. Zahlreiche Aufsätze von ihm erschienen in The New York Review of Books und anderen Zeitschriften. Zugleich war er Berater der US-Agentur für Rüstungskontrolle und Abrüstung und der JASON-Gruppe von Verteidigungsberatern, Präsident der Philosophical Society of Texas und des Council of Scholars der Library of Congress. Zudem arbeitete er noch für zahlreiche weitere staatliche Gremien und Ausschüsse.

Weinberg war nicht zuletzt auch bekannt für seine ausgeprägte reduktionistische Sicht auf die Welt. Die Physik sollte zuletzt alles in der Welt von Grund auf klären können, wie er es einmal folgendermassen zusammengefasst hat:

Alle Erklärungspfeile zeigen abwärts, von den Gesellschaften zu Menschen, von dort zu den Organen, zu Zellen, zur Biochemie, zur Chemie und letztlich zur Physik.

 

Nota. - So verschieden sind die Geschmäcker selbst in den exaktesten Wissenschaften: In Obigem liest es sich so, als sei die Große Einheitswissenschaft und Theorie von Allem zum Greifen nah, doch noch gestern klang es an dieser Stelle eher so, als sei der Traum längst ausgeträumt. Mit einem reduktionistischen Ansatz hätte allerdings auch eher ein Albtraum daraus werden können. 

Ein Physiker wird dazu neigen, sein Fach für das grundlegende zu halten, so wie der Mathe-matiker die Mathematik oder der Biologe die pp. Lebenswissenschaften. In jedem Fall blie-be die Frage: Und worauf gründet das grundlegende Fach? Wenn es begründet ist, ist es nicht grundlegend, und wenn es nicht begründet ist, ist es keine Wissenschaft - und so weiter in infinitum. Das ist ein altes Lied. Wer wirklich einen Grund will, dem bleibt am Ende keine Wahl, als irgendein Absolutum zu postulieren, das er allen Andern zu gutem Glauben anempfiehlt. Das öffnet allem Okkultismus Tür und Tor, und man kann sich seiner nur durch kämpferische Inkonsequenz erwehren.

Dabei ist der Fehler leicht zu erkennen und zu umgehen. Dass eine Letzbegründung unver-zichtbar ist, wenn Begründung überhaupt denkbar sein soll, ist wohl wahr. Falsch ist aber, sie in den Gegenständen zu suchen; denn die sind unendlich mannigfaltig. Die Auspreisung eines Elementar gegenstands kann schlechterdings nicht anders als willkürlich, und das heißt in wissenschaftlicher Sprache: als zufällig erfolgen. Man muss den absoluten Anfang aber gar nicht aufseiten der Gegenstände suchen: Auf Seiten des Wissens selbst findet sich ohne-hin nur einer  - der Wissenwollende. Nicht die Dinge begründen das Wissen, sondern das Wissen selbst. JE

Mittwoch, 28. Juli 2021

Empathie und Perspektivenwechsel sind Gegensätze.

                                zuJochen Ebmeiers Realien; zu Philosophierungen

Die nächstliegende Überlegung ist: Die eine ist ein kognitiver Akt und die andere ein emo-tiver. Diese Unterscheidung stammt aber nicht aus dem beobachteten Phänomen, sondern wird von außen herangetragen. Sie muss geglaubt werden und ist nicht phänomenal-kritisch, sondern begrifflich-dogmatisch. Sie mag in der Sache berechtigt sein, aber ihre Begründung liegt außerhalb des beobachteten Vorgangs und lässt sich an ihm nicht beobachten.

So besehen sind beide allerdings nur anders, doch nicht gegensätzlich.

*

Beobachten lässt sich aber der Unterschied im Vorgehen selbst. Der Perspektivenwechsel setzt voraus, dass sich das Subjekt von dem Phänomen unterscheidet, von ihm Abstand nimmt und seine Aufmersamkeit auf es, nämlich gegen es wendet. Ob es das bemerkt oder nicht - es 'setzt sich' ipso facto als Ich.

Die Empathie setzt sich dem Vorgang nicht entgegen, sondern sucht, in ihm aufzugehen. Sie behandelt den Unterschied als aufgehoben. War es vorher ein Ich, so geht es nun unter und will selber der Andere werden. Ist es beim Perspektivenwechsel tätig, verhält es sich in der Empathie leidend. Einmal ist das Ich der Andere, das andre Mal ist es der Andere des Andern. Weder stammt jene aus dieser noch diese aus jener.

Das eine entstammt einer psychologischen, das andere einer philosophischen Aufgaben-stellung. Welche von beiden die jeweils angemessene ist, entscheidet sich nicht im Akt sel-ber, sondern an dem Kontext, in dem er stattfindet. 

*

Stehen aber beide im selben Kontext neben einander, werden sie zu einem Gegensatz, weil sie da nicht hingehören.

 

 

Nota. Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.  JE