
Nota. Das obige Bild gehört mit nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

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Bei den
Erwachsenen war das Ergebnis eindeutig: 85 Prozent wollten den Menschen
retten, 8 Prozent den Hund, und bei den Schweinen fiel das Urteil noch
deutlicher aus. Bei den Kindern war das Verhältnis hingegen fast
ausgeglichen: 35 Prozent zogen den Menschen vor, 28 Prozent den Hund,
der Rest konnte sich nicht entscheiden. Bei der Wahl zwischen Mensch
oder Schwein entschieden sich 57 Prozent für den Mensch, 18 Prozent für
das Tier. Ging es um mehrere Hundeleben, kippte die Waage in Richtung
Tier: 71 Prozent der Kinder wollten lieber 100 Hunde als einen Menschen
retten. Bei den Erwachsenen entschieden sich mit 61 Prozent auch dann
noch die meisten für den einen Menschen.
»Im
Schnitt neigen Kinder nicht dazu, Menschen den Hunden vorzuziehen«,
fassen die Autoren ihre Ergebnisse in der Zeitschrift »Psychological
Science« zusammen. Die Erwachsenen jedoch schon. Beide zogen Menschen
den Schweinen vor, Kinder allerdings weniger deutlich. Die Forscher
prüften nun, wovon die Entscheidung abhing. Bei den Kindern kam es am
meisten darauf an, wie viel Kontakt sie zu Hunden hatten – ein Faktor,
der bei Erwachsenen nur sehr wenig Einfluss hatte. Bei diesen war es am
wichtigsten, wie viel Intelligenz sie den Tieren zusprachen, was
wiederum für die Kinder nur mäßig bedeutsam schien. Das den Tieren
zugesprochene Empfindungsvermögen spielte bei Erwachsenen wie Kindern
keine Rolle.
Speziesismus: Die Tendenz, die eigene Art zu bevorzugen
Beide
schätzten in Sachen Intelligenz und Empfindungsvermögen Menschen höher
als Hunde und Hunde höher als Schweine ein. Obwohl Kinder das also
ähnlich sahen wie Erwachsene, zogen sie die Menschen nicht im gleichen
Maß den Tieren vor. »Das legt nahe, dass den Urteilen noch andere
Faktoren zu Grunde liegen«, schreiben Wilks und seine Kollegen. Sie
machen den so genannten Speziesismus verantwortlich: die Tendenz, die
eigene Art zu bevorzugen und Leben und Leid anderer Spezies geringer zu
schätzen. Kinder würden weniger dazu tendieren und erst im Lauf der
Jugend die Ansicht entwickeln, dass Menschen eine moralische
Sonderstellung einnehmen.
»Die starke Ausprägung von Speziesismus
bei Erwachsenen könnte eine sozial erworbene Ideologie sein«,
schlussfolgern die vier Autoren. Das würde auch erklären, warum in der
vorliegenden Studie ältere Erwachsene menschliches Leben höher werteten
als jüngere: »Darin könnte sich die veränderte Einstellung der jüngeren
Generation zum Tierwohl spiegeln.« Ihre Befunde stellen eine gängige
Theorie in Frage, schreiben sie: dass der besondere Wert menschlichen
Lebens tief in unserer Moral verwurzelt und nicht sozial geprägt sei.
Nota. - Wenn Kinder nicht einmal die eigene Gattung bevorzugen, werden sie es mit der eignen Rasse schon gar nicht tun - sollte man meinen. Doch manches, was evident schien, hat genauerer Prüfung dann nicht standgehalten. Obiges Experiment beweist nur, was es beweist.
JE
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Wolfgang Dirscherl, pixelio.de aus Philosophierungen
Eben kommt eine Meldung,
wonach der Unterschied zwischen Arbeits- und Langzeit-gedächtnis (u.
a.) der sei, dass die Erinnerungsgehalte im ersteren analog, im zweiten
aber digital abgespeichert würden. Eine digitale Form der Repräsentation der Welt im neuronalen Gewebe selbst? Das wäre eine wahre Revolution in der Hirnforschung.
Leider wird es aber wohl so sein, dass nur wieder die Begriffe schludrig verwendet wurden. Darum dieser Eintrag.
Aus einer Diskussion in einem online-Forum; im Juni 2010:
...weil 'digital'
einen Sinn nur im gegensätzlichen Verhältnis zu 'analog' hat. Allerdings
wird das Analoge als solches erst kenntlich, seit sich das Digitale
sozusagen 'rein' ausgebildet hat.
Das nächstliegende
Beispiel ist natürlich das Zifferblatt der Uhr. Bei der analogen Uhr
wird die Abfolge der einzelnen 'Zeitpunkte' nicht durch ein den
'Punkten' gänzlich äußerliches Symbol 'bezeichnet'; sondern der Verlauf
der Zeit wird durch die Eigenbewegungen der Zeiger 'gezeigt': Die
Bewegung der Zeiger ist ein 'Abbild' der 'verlaufenden' Zeit. Der Zei-ger
repräsentiert die Zeit. Die Unterteilungen am Umkreis des Zifferblattes
sind lediglich 'Anhalts'-Punkte.
Um ein digitales Zifferblat zu
'verstehen', muss ich die Bedeutung der Zahlen vorher ken-nen - und muss
dann die Abfolge der Zeit'punkte' in meinem Kopf in das Bild der
'verlau-fenden' Zeit übersetzen. Auf einem analogen Zifferblatt sehe ich,
wie die Zeit verläuft. Ich muss keine Zahlen kennen, ich muss die
Unterteilung des Tages in Stunden nicht kennen. Ein Fünfjähriger sagt:
Wenn der große Zeiger da steht, ist die Mittagsruhe vorbei; dann kann ich wieder spielen.
In einem Spielfilm
wird das Geschehen in bewegten Bildern 'gezeigt'; in dem Roman, der dem
Drehbuch zugrundelag, wurde das Geschehen durch Worte 'bezeichnet'. Ich
muss die Bedeutung der Schriftzeichen in meinem Verstand in Lautbilder
umsetzen, die Lautbilder zu Wörtern zusammenfassen und mir deren
'Bedeutung' re/präsentieren. Und das alles muss ich vor meinem inneren
Auge in bewegte Bilder übersetzen: Ich muss mir etwas vorstellen. Im Film konnte ich etwas anschauen.
Eine
wesentliche Prämisse hat die digitale Repräsentationsform: Sie setzt
voraus, dass die Zeit nicht 'fließt', sondern aus identifizierbaren
Punkten 'zusammengesetz' ist. Ebenso kann 'der' Raum nur als Addition
von einzeln bezeichneten (und als solchen bekannten) 'Räumen' vorgestellt
werden. Das innere Bild, das ich 'mir mache', muss aus vorab bekannten
Daten – Maßeinheiten - zusammengesetzt werden. Die digitale Information
muss ich erst noch 'ent-ziffern'. - In der analogen Darstellung ist sie
sofort als ganze 'da'.
Grob gesagt: Die analoge Darstellungsweise
hat den Vorteil der Fülle. Die digitale Darstel-lungsweise hat den
Vorteil der Genauigkeit. Die eine ist unmittelbar, die andere ist
Ver-mittlung.
_________________________
.... Nein, so kann es nicht sein: dass 'unser Denken auch in kleinsten Schüben erfolgt, also digital'. Ein Digit - von lat. digitus=(Zeige)finger - besteht aus zweierlei: zuerst aus einem Bedeutungsgehalt, und dann aus einem 'Zeiger', der auf ihn hinweist.
Es
kann einen Bedeutungsgehalt geben, auf den kein Zeiger weist. Das
dürfte auf die große Masse unserer Denkleistungen im Laufe eines Tages
zutreffen. Sie kommen wie sie gehen. Man kann sie nicht behalten:
Denn dazu müsste ich sie mit einem Zeiger versehen, durch den sie in
meinen Gedächtnisspeicher einordnen kann. Mit einer kleinen Minderzahl
von Denkleistungen machen wir genau das: Wir zeichnen sie durch Zeiger
('Begriffe') aus und können uns seither wieder an sie erinnern.
Umgekehrt kann es nicht sein: dass schon ein Zeiger da wäre, bevor noch ein Bedeutungs-gehalt da war, auf den er weisen könnte.
Allerdings
sind im erlernten Begriffsystem eines sprachmächtigen Kulturmenschen
tau-sende solcher Zeiger 'schon da' - nämlich gebunden an das, auf was sie
zeigen -, so dass in diesem Netz eine große Masse von den aus meiner
Einbildungskraft sprudelnden 'Bedeu-tungen' sozusagen 'von alleine'
hängenbleiben. Die 'kleinsten Schübe' werden durch die be-grifflichen Zeiger in das Sprudeln 'von außen' hineingetragen . Anschauung ist Anschauung und Reflexion ist Reflexion. Erst das Denken, dann das Denken des Denkens.
Es würde mich interessieren, wie die Bilder in unserem Gedächtnis gespeichert sind. Erst dann könnte ich sagen: Das kann sein, das kann nicht sein.
Dies “Quale”” fasziniert mich…)
Und wie ist es dann
erst beim Fragemodus! Wie soll ich 'was ist ein Pferd' bildlich
darstellen – ohne Fragezeichen?! Die Fülle der Anschauung ist der
digitalen Zersetzung alles Wirkli-chen und Gedachten in Millionen
Bedeutungsatome an Reichtum haushoch überlegen. So-bald wir uns aber
klarmachen, dass uns 'die Welt' immer noch vielmehr Fragen aufgibt als
sie beantwortet, erkennen wir, dass der Digitalmodus die Bedingung allen
Wissens ist. Be-griffe ohne Anschauung sind leer, sagt Kant, aber
Anschauung ohne Begriff ist blind.
Nota, Nov. 2013: Nicht
damit zu verwechseln: der Umstand, dass eine Sinneszelle Reize
allerdings 'im Takt' aufnimmt, in der kleinsten neuronalen Zeiteinheit
von (soundsoviel) Millisekunden. Es ist wie in einem Kinofilm: Das
Celluloidband ist aus ein paar Millionen einzelnen Bilder
zusammengesetzt. Wenn sie rasch hintereinander abgespult werden,
'er-scheinen' sie wohl in diskreten 'Sprüngen', aber nicht mir: Ich
nehme sie als stetigen Fluss wahr. Denn natürlich hat zwar die
Filmkamera ein paar Millionen Mal ihre Bilder 'ge-schossen'. Aber es war
ein stetiger Fluss, den sie 'aufgenommen' hat.
Uwe Steinbrich / pixelio.de
Der analoge Modus ist der Modus der Anschauung. Er ist nicht
"positiv": Positiv ist erst das Setzen eines Was als Dieses. Um das
Erscheinende der Anschauung als ein Dieses zu fassen, bedarf es der Verneinung; determinatio
est negatio. Es müsste gefasst werden als 'nicht-al-les-Andere'. Das
lässt sich nicht anschauen, weil es das Paradox einer 'unendlichen
Menge' ist: Das Unendliche lässt sich nicht anschauen. Es muss
verendlicht werden zu 'nicht-Die-ses'. - Also ist das Was der Anschauung
selber zu bestimmen: Das Dieses muss selber 'ge-fasst' werden: Es muss 'vorgestellt' werden; durch Negation, d. h. Übergang in den digitalen Modus. Die Vorstellung ist die (qua Negation) digitalisierte Anschauung.
Das Tier kann anschauen, aber mangels Digitalisierung nicht vorstellen.
2. 11. 08
Es könnte doch sein, dass auch das Tier 'sich etwas vorstellt', und wenn es nur ganz ele-mentar wäre. Träumen
können sie jedenfalls - wenn sie nicht 'bei Bewusstsein' sind. Warum
sollten sie es nicht mehr können, sobald sie wach werden? Sie können
sich allerdings nicht vorstellen, dass sie vorstellen. Folglich können sie nicht wissen, ob sie vorstellen
wollen - und schon gar, was. Das Vorstellen unterläge also ganz dem
Zufall, und das ist nicht das, was wir uns darunter - vorstellen.
29. 7. 16
Vorstellen ist nicht schon: mentale Bilder anschauen. Das tut das Tier vielleicht auch. Doch schon, um sie behalten zu können, müsste es sie feststellen, bestimmen. Und das müsste es beabsichtigen: "einen Zweckbegriff entwerfen", wie Fichte sagt.
25. 6. 18
W. Busch aus Geschmackssachen
Unter dem Stichwort Geschmackszentrum erfolgreich ausgetrickst berichteten manche Medien dieser Tage über die Forschungen von Thierry Thomas-Danguin vom Centre des Sciences du Goût de l’Alimentation in Dijon. Dies hier aus scinexx:
...Die
Wissenschaftler untersuchten, wie bestimmte Aromastoffe unseren
geschmacklichen Eindruck von einem Nahrungsmittel manipulieren können.
In einem Experiment ließen sie Probanden dafür Vanillepudding probieren,
der aus unterschiedlichen Schichten mit variie-rendem Salzgehalt und
zugesetzten Aromen bestand. Denn auch in Süßspeisen sorgt eine Prise
Salz für einen intensiveren Geschmack.
Dabei
zeigte sich, dass Schinkenaroma die Creme offenbar salziger machte,
obwohl der Aromastoff selbst gar kein Salz enthielt. Tatsächlich hielten
manche Testesser eine Pudding-variation sogar für geschmacklich
identisch mit einer traditionell hergestellten Creme, in der 40 Prozent
mehr Salz verarbeitet worden war. Eine andere Mischung von Aromastoffen
be-einflusste in einem weiteren Versuch mit Käse sowohl die Salz- als
auch die Fettwahrneh-mung der Teilnehmer.
Für
das Team war damit klar: Mithilfe von Aromen lässt sich das menschliche
Gehirn leicht austricksen. Bestimmte aromatische Bestandteile können
demnach einen Mangel an Salz, Zucker oder Fett geschmacklich
kompensieren. Doch welche Aromastoffe sind im Detail nötig, um einen
fehlenden Geschmack möglichst gut zu ersetzen?
Um
das herauszufinden, entwickelten die Forscher einen speziellen
Gaschromatographen. Dieser ist in der Lage, einzelne Aromamoleküle aus
Lebensmitteln zu isolieren. Auf diese Weise konnten Thomas-Danguin und
seine Kollegen zum Beispiel untersuchen, welche Komponenten zum süßen
Geschmack eines Fruchtsaftes beitragen. Dafür konfrontierten sie
Probanden zunächst mit dem vollen Aroma eines Saftes. Anschließend
leiteten sie die isolierten Aromabestandteile einzeln in die Nase der
Versuchsteilnehmer und fragten sie, ob das jeweilige Aroma zur
wahrgenommenen Süße beitrage. ...
*
Es irritiert, dass sowohl die vulgären
Freuden und Leiden unseres Gaumens als auch die sublimsten Leistungen
unserer ästhetischen Urteilskraft unterm Namen Geschmack in einen Topf geworfen werden: hier das grob Sinnliche, da das Höchstgeistige!
Und umgekehrt: Über Geschmack lasse sich
nicht streiten, heißt es, wenn es um die Schönheiten der Kunst und der
Natur geht, aber bei den Signalen, die von den Reizungen unserer
Geschmacksknospen auf der Zunge an die Nervenzellen in unserm Gehirn
gehen, hat man doch was Handfestes, das ich messen und lokalisieren
kann!
Versuche, das Kunsturteil auf elementare
physiologische Prozesse zurückzuführen, hat es immer wieder mal gegeben.
Das war immer gequält und verrenkt und hat zum Verständnis von Garnix
beigetragen.
In Dijon gingen sie - mit kommerziellem
Hintergedanken - andersrum vor, und heraus kam: So simpel wie mit
Hunger und Durst, Frieren und Schwitzen ist es mit dem Schmecken im Mund
ja gar nicht. Auch da kann man sich täuschen und kann sich allerhand einbilden! Das allerunterste Erkenntnisvermögen, wie Alexander Gottlieb Baumgarten
meinte, ist der Ge-schmack ja wohl doch nicht, und der Gourmet hat mit
dem sophistiziertesten Kunstrichter mehr gemein, als jener wahrhaben
mag.
JE 7. 9. 16
Vorstellen ist anschauen als ob. Das ursprünglichste Simulacrum.
Es ist der Ursprung von Allem. Durchs re Präsentieren wird etwas erst zu Diesem. Das Re-präsentieren des Repräsentierens ist eine fast unvermeidliche Folge.
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Das Schwarze Loch ist der Augenblick der Wahrheit: Bei ihm würde vom Standpunkt des Raumes die Zeit immer zäher und vom Standpunkt der Zeit der Raum immer dünner. In seinem Zentrum, idealiter: der Singularirät, wäre kein Raum mehr und er wäre zugleich ohne Ende, und wäre die Zeit jenseits der Zeit und stünde zugleich still. Um die Singularität zu denken, müsste ich das Nichts denken. Das Nichts denken heißt nichts denken. Oder, prosaisch gesagt, a limite ist es nicht statthaft, sich Raum und Zeit ohne den jeweils anderen zu denken.
Das einzig Invariante und Absolute bleibt die Lichtgeschwindigkeit, um die sich relativ alles dreht: Bewegung als Substanz. Bewegung lässt sich aber nur denken, sofern ich Raum und Zeit von einander scheide. Ich kann sie allerdings vorstellen, weil ich sie anschauen kann. Doch alles andere kann ich dann nicht mehr anschauen; von vorstellen ganz zu schweigen.
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aus derStandard.at, 24. Dezember 2020 Eine zum A3391/95 System analoge Region aus der Magneticum-Simulation. Die Linien zeigen, wie das Material der Galaxienhaufen (rot und gold) und des dazwischenliegenden Gasfilaments (blau) in den letzten zehn Milliarden Jahren zusammengeführt wurde.
Unser Verständnis dafür, was im Universum vor sich geht, ruht auf
wackeligen Theorien und Hypothesen. Für einiges, das wir uns nicht
erklären können, nehmen wir einen potenziellen Mitspieler an – eine
Kraft oder Materie, die die beobachteten Phänomene verursachen könnten.
Da die Geschwindigkeit von Sternen am Rand von Galaxien den
fundamentalen Keplerschen Gesetzen widerspricht, haben Astrophysiker
beispielsweise die sogenannte Dunkle Materie eingeführt, deren Zusammensetzung eine der großen offenen Fragen der Kosmologie darstellt.
Andererseits haben wir eine recht fundierte und weithin anerkannte Annahme darüber, wieviel herkömmliche, sogenannte baryonische Materie sich seit dem Urknall im Universum verteilen haben dürfte – und zwar deutlich mehr als wir mit unseren momentanen Mitteln nachweisen können. Wo sich diese mehr als 30 Prozent an normaler Materie versteckt haben könnte, weiß niemand, denn im Unterschied zur Dunklen Materie fand man bisher auch keine gravitativen Spuren für ihren Verbleib. Die Suche danach dauert mittlerweile schon fast dreißig Jahre.
Die Astrophysiker haben natürlich einige Theorien dazu, und sogar Studien, die sie untermauern. Vielleicht verteilt sich zumindest ein Teil der "verlorenen" Materie in den gewaltigen Räumen zwischen den Galaxien und Galaxienhaufen. Die Forscher haben dabei ausgedehnte Filamenten aus heißem Gas im Sinn, dünne Fäden, die die kosmischen Abgründe überspannen. Obwohl man davonausgehen kann, dass solche Materiegespinste nicht genug Dichte besitzen, um mit traditionellen Methoden und Teleskopen gut beobachtet werden zu können, lieferten sogenannte Fast Radio Bursts (FRBs) in der Vergangenheit plausible Hinweise auf ihre Existenz.

Die Wissenschafter gehen von einer extremen Verdünnung von nur zehn Atomen pro Kubikmeter aus, welche selbst das beste Vakuumexperiment auf der Erde nicht erreichen könnte. Und doch dürfte ein internationales Team unter Federführung der Universität Bonn nun erstmals mit dem Weltraumteleskop eROSITA derartige Filamente mit einer Länge von 50 Millionen Lichtjahren beobachtet haben. Zumindest gleichen die Aufnahmen den Ergebnissen von Computer-Simulationen des Exzellenzclusters ORIGINS und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).
Bei eROSITA handelt es sich um ein Röntgenteleskop, dessen Detektoren besonders empfindlich auf die Art Röntgenstrahlung reagieren, die vom Gas in kosmischen Filamenten emittiert wird. Mit seinem großen Sichtfeld kann es außerdem einen relativ weiträumigen Teil des Himmels mit hoher Auflösung in einer einzigen Messung abbilden. Infolgedessen können detaillierte Bilder, insbesondere von so großen Objekten wie den intergalaktischen Filamenten, in relativ kurzer Zeit aufgenommen werden.
Der Vergleich zwischen Magneticum-Simulationsbe-rechnung (links) und eROSITA-Röntgenaufnahme des Abell 3391/95-Systems (rechts) liefert Hinweise auf die Verteilung des heißen Gases im kosmischen Netz.
Konkret fassten die Wissenschafter ein Himmelsobjekt namens Abell 3391/95 ins Auge. Das System umfasst drei Galaxienhaufen und ist ungefähr 700 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Die eROSITA-Bilder zeigen nicht nur die Galaxienhaufen und zahlreiche einzelne Galaxien, sondern auch jene Gasfilamente, die sich zwischen ihnen erstrecken. Das gesamte Filament ist 50 Millionen Lichtjahre lang und ein Teil davon scheint die beiden Hauptteile von Abell 3391/95 zu verbinden.
"Die neuen eROSITA-Bilder
des beobachteten Systems ähneln bemerkenswert den Ergebnissen unserer
kosmologischen Simulationen", erklärt Klaus Dolag vom LMU. In den an der
Universität Sternwarte in München entwickelten Magneticum Simulationen
fanden er und seine Kollegen ein sehr ähnliches Paar von Galaxienhaufen,
die durch warmes Gas in einem brückenartigen Filament verbunden sind
und mit vielen anderen umgebenden Objekten in eine viel größere
Filamentstruktur eingebettet sind. Die Computersimulationen untermauern
damit, dass solch lange Filamente, die sich über große Bereiche des
Raumes erstrecken, eine erhebliche Menge an verdünntem Gas enthalten.
Die Simulationen zeigen auch, dass sich andere Gruppen und
Galaxienhaufen entlang der Filamente auf derartige Knotenpunkte, wie es
das A3391/95 System darstellt, zubewegen, berichten die Wissenschafter im Fachjournal "Astronomy & Astrophysics".
"Das extrem verdünnte und kältere Gas im Filament scheint aus
vergleichsweise unterschiedlichen Richtungen zu kommen, fast nahezu
orthogonal zu dem heißeren Gas innerhalb der Galaxienhaufen", erklärt
Veronica Biffi, Koautorin der Studie. "Und die Entwicklung seiner
Eigenschaften scheint in den letzten zehn Milliarden Jahren ebenfalls
vergleichsweise verschieden verlaufen zu sein." (tberg, red.)
Nota. - Ich verstehe nichts davon, ich bin kein Naturwissenschaftler. Umso unbefangener darf ich meinen gesunden Menschenverstand spekulieren lassen: Wo (innerhalb welcher Grenzen?) es keine Materie gäbe, wäre der Raum nicht gekrümmt; und gäbe es, stelle ich mir vor, keine Zeit. Ein glatter, 'ungekrümmter' Raum wäre aber kein Raum. Ein Nichts 'gäbe es' folglich zu keiner Zeit und nirgends. (Nota II: Unsere Vorstellung von Etwas und NichtEtwas ist nicht gleichzeitig und ontologisch gleichrangig. Nicht Etwas kann ich mir erst vorstellen, nachdem ich mir Etwas vorgestellt habe; ponere vor tollere.)
JE