Donnerstag, 31. Dezember 2020

Was ich noch sagen wollte.





Nota. Das obige Bild gehört mit nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

Digital und analog.

bernd sterzl, pixelio.de                                                            aus  Philosophierungen
 
Zur Erinnerung: Analog ist ein Zifferblatt, wenn sich darauf ein Zeiger in konstantem Tempo so dreht, dass die Drehbewegung auf sinnlich wahrnehm bare Weise das gleichmä-ßige 'Verlaufen' der Zeit "darstellt"; selbst wenn gar keine Ziffern zu sehen sind, sondern nur Striche und Punkte. Auf einem digitalen Zifferblatt erscheinen dagegen in gleichmäßi-gen Abständen nach einander die Ziffern selbst und zeigen an, "wie spät" es ist. Freilich nur dem, der weiß, was diese Ziffern – diese digits – bedeuten. Er muss unser Zahlensystem ge-lernt haben und wissen, dass der Tag vierundzwanzig Stunden hat. Auf dem analogen Zif-fernblatt kann ein Fünfjähriger an der Bewegung des Sekundenzeigers zusehen, wie eine Minute vergeht. Er mag sogar geistig zurückgeblieben sein: Er sieht es doch!

Das ist der Unterschied zwischen Abbildung und Symbol. Das eine ist analog, das andere ist digital. Eine arabische Ziffer (nur die heißen so!) ist digital; die römischen Zahlen sind ana-log, aber auch nur die ersten drei. Bei der IV wird’s ebenfalls digital. Dazwischen liegt der Akt der Reflexion, der Akt des Verstehens, das Denken in specie: die Umrechnung einer (sinnlichen) Erscheinung in eine (logische) Bedeutung mit der in einem so entstehenden logischen Raum ‚operiert’ werden kann, ohne dass irgendwelche Gegenstände sinnlich an-wesend wären).

Der Haken: Im analogen Bilderraum gibt es keinen Verneinungs-Modus. Das ist der Vorzug der analogen Darstellung gegenüber der digitalen: Sie ist reicher, sie ist farbiger. Es kann im-mer noch eine und noch eine Gestaltqualität, noch eine Farbkombination hinzu erfunden werden. Aber die digitale Darstellungsweise ist bestimmter. Digits lassen sich eindeutig un-terscheiden. Ein Apfel und eine Birne lassen sich – von Weitem schon gar – manchmal nicht so klar unterscheiden

Und vor allem: Das digitale Repräsentationsmuster erlaubt die Verneinung, das analoge nicht. Omnis deter- minatio est negatio: Bestimmen ist ohne verneinen unmöglich.

‚Ein Pferd’ kann ich mir anschaulich vor Augen führen. ‚Kein Pferd’ nicht: Wenn ich es mir „vorstelle“, sieht es auch nicht anders aus als, sagen wir, ‚keine Suppenschüssel’.

Und was das Schlimmste ist: Wo es keinen Verneinungsmodus gibt, da gibt es erst recht keinen Frage-Modus!*

Der entscheidende technische Unterschied zwischen der analogen und der digitalen Funkti-onsweise ist, dass im digitalen Modus nur diskrete Fortschritte in Stufen vorkommen, wäh-rend es im analogen Modus nur gleitende, kontinuierliche Übergänge gibt.

*) Historisch entsteht die Fähigkeit zum Verneinen aus dem Aufkommen der Fragen. Weil die Offene Welt der Savannen, anders als die geschlossene natürliche Umwelt des Regen-walds, fraglich ist, müssen ihre Bedeutungen bestimmt werden. Das ist die Voraussetzung der Reflexion und des Denkens in specie. Ihr Modus ist der digitale.


26. 9. 13



Angeschaut wird im analogen, gedacht wird im digitalen Modus. Angeschaut werden Bilder, gedacht werden Begriffe. Bilder verlaufen fließend und gehen stufenlos in einander über. Begriffe verfließen nicht ineinander, sondern müssen schrittweise gewechselt werden.

Was im Bild als Übergang angeschaut wird, muss im diskursiven Denken durch Verben, die eine Tätigkeit bezeichnen, vermittelnd eingefügt werden. Kontinuität wird durch einen Dis-kurs nachgetragen. 

Das Bild ist ungefähr. Begriffe sind bestimmt und eingegrenzt. Sie sind präzise, aber stellen die Wirklichkeit nur unzulänglich dar, weil das tätige Moment ausgeschieden, isoliert und ins Verb abgeschoben wurde - und daher so scheint, als käme es sekundär zu den Begriffen hinzu. Es erscheint als Wirklichkeit minderen Grades, dabei ist es das eigentlich Wirkliche. Die Begriffe wurden durch Reflexion als ihr Gegenstand=Bestimmtheit von ihr abgezogen. Beständig ist das Schreiten, vorübergehend sind die Stationen.


1. 6. 19

Speziesismus ist nicht angeboren.


aus spektrum.de, 31.12.2020                                                                                                         
zu Levana, oder Erziehlehre

Für Kinder ist ein Hund so viel wert wie ein Mensch
In der Regel bevorzugen wir unsere eigene Spezies: Wir stellen das Leben eines Menschen über das eines Tieres. Kinder tun das allerdings weniger als Erwachsene. Ist der besondere Wert menschlichen Lebens doch nicht so tief in unserer Moral verwurzelt?


Zwei Schiffe sinken, auf dem einen befindet sich ein Mensch, auf dem anderen ein Hund. Nur einer kann gerettet werden – wer soll es sein? Mit diesem tragischen Dilemma konfron-tierten Psychologen und Ethiker der Universitäten von Yale, Harvard und Oxford junge und alte Versuchspersonen. Das Anliegen der Forscher: zu prüfen, ob schon Kinder in den ersten Schuljahren ein Menschenleben über das eines Tieres stellen

Das Team um den Psychologen Matti Wilks von der Yale University warb dazu rund 220 Erwachsene, im Schnitt 37 Jahre alt, sowie rund 200 Kinder zwischen fünf und neun Jahren an, unter anderem in Schulen, öffentlichen Parks und Museen. Sie alle sollten angeben, wen sie eher von einem sinkenden Schiff retten würden: Mensch oder Tier, wobei es sich mal um einen Hund, mal um ein Schwein handelte. Dabei befand sich auf dem einen Boot stets ein Exemplar, auf dem anderen entweder eines, zwei, zehn oder hundert.

Bei den Erwachsenen war das Ergebnis eindeutig: 85 Prozent wollten den Menschen retten, 8 Prozent den Hund, und bei den Schweinen fiel das Urteil noch deutlicher aus. Bei den Kindern war das Verhältnis hingegen fast ausgeglichen: 35 Prozent zogen den Menschen vor, 28 Prozent den Hund, der Rest konnte sich nicht entscheiden. Bei der Wahl zwischen Mensch oder Schwein entschieden sich 57 Prozent für den Mensch, 18 Prozent für das Tier. Ging es um mehrere Hundeleben, kippte die Waage in Richtung Tier: 71 Prozent der Kinder wollten lieber 100 Hunde als einen Menschen retten. Bei den Erwachsenen entschieden sich mit 61 Prozent auch dann noch die meisten für den einen Menschen.

»Im Schnitt neigen Kinder nicht dazu, Menschen den Hunden vorzuziehen«, fassen die Autoren ihre Ergebnisse in der Zeitschrift »Psychological Science« zusammen. Die Erwachsenen jedoch schon. Beide zogen Menschen den Schweinen vor, Kinder allerdings weniger deutlich. Die Forscher prüften nun, wovon die Entscheidung abhing. Bei den Kindern kam es am meisten darauf an, wie viel Kontakt sie zu Hunden hatten – ein Faktor, der bei Erwachsenen nur sehr wenig Einfluss hatte. Bei diesen war es am wichtigsten, wie viel Intelligenz sie den Tieren zusprachen, was wiederum für die Kinder nur mäßig bedeutsam schien. Das den Tieren zugesprochene Empfindungsvermögen spielte bei Erwachsenen wie Kindern keine Rolle.


Speziesismus: Die Tendenz, die eigene Art zu bevorzugen


Beide schätzten in Sachen Intelligenz und Empfindungsvermögen Menschen höher als Hunde und Hunde höher als Schweine ein. Obwohl Kinder das also ähnlich sahen wie Erwachsene, zogen sie die Menschen nicht im gleichen Maß den Tieren vor. »Das legt nahe, dass den Urteilen noch andere Faktoren zu Grunde liegen«, schreiben Wilks und seine Kollegen. Sie machen den so genannten Speziesismus verantwortlich: die Tendenz, die eigene Art zu bevorzugen und Leben und Leid anderer Spezies geringer zu schätzen. Kinder würden weniger dazu tendieren und erst im Lauf der Jugend die Ansicht entwickeln, dass Menschen eine moralische Sonderstellung einnehmen.

»Die starke Ausprägung von Speziesismus bei Erwachsenen könnte eine sozial erworbene Ideologie sein«, schlussfolgern die vier Autoren. Das würde auch erklären, warum in der vorliegenden Studie ältere Erwachsene menschliches Leben höher werteten als jüngere: »Darin könnte sich die veränderte Einstellung der jüngeren Generation zum Tierwohl spiegeln.« Ihre Befunde stellen eine gängige Theorie in Frage, schreiben sie: dass der besondere Wert menschlichen Lebens tief in unserer Moral verwurzelt und nicht sozial geprägt sei.


Nota. - Wenn Kinder nicht einmal die eigene Gattung bevorzugen, werden sie es mit der eignen Rasse schon gar nicht tun - sollte man meinen. Doch manches, was evident schien, hat genauerer Prüfung dann nicht standgehalten. Obiges Experiment beweist nur, was es beweist.

JE

 

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Mittwoch, 30. Dezember 2020

Analog anschauen, digital repräsentieren.

Wolfgang Dirscherl, pixelio.de                                              aus  Philosophierungen

Eben kommt eine Meldung, wonach der Unterschied zwischen Arbeits- und  Langzeit-gedächtnis (u. a.) der sei, dass die Erinnerungsgehalte im ersteren analog, im zweiten aber digital abgespeichert würden. Eine digitale Form der Repräsentation der Welt im neuronalen Gewebe selbst? Das wäre eine wahre Revolution in der Hirnforschung.

Leider wird es aber wohl so sein, dass nur wieder die Begriffe schludrig verwendet wurden. Darum dieser Eintrag.



Aus einer Diskussion in einem online-Forum; im Juni 2010:

...weil 'digital' einen Sinn nur im gegensätzlichen Verhältnis zu 'analog' hat. Allerdings wird das Analoge als solches erst kenntlich, seit sich das Digitale sozusagen 'rein' ausgebildet hat.
 

Das nächstliegende Beispiel ist natürlich das Zifferblatt der Uhr. Bei der analogen Uhr wird die Abfolge der einzelnen 'Zeitpunkte' nicht durch ein den 'Punkten' gänzlich äußerliches Symbol 'bezeichnet'; sondern der Verlauf der Zeit wird durch die Eigenbewegungen der Zeiger 'gezeigt': Die Bewegung der Zeiger ist ein 'Abbild' der 'verlaufenden' Zeit. Der Zei-ger repräsentiert die Zeit. Die Unterteilungen am Umkreis des Zifferblattes sind lediglich 'Anhalts'-Punkte.

Um ein digitales Zifferblat zu 'verstehen', muss ich die Bedeutung der Zahlen vorher ken-nen - und muss dann die Abfolge der Zeit'punkte' in meinem Kopf in das Bild der 'verlau-fenden' Zeit übersetzen. Auf einem analogen Zifferblatt sehe ich, wie die Zeit verläuft. Ich muss keine Zahlen kennen, ich muss die Unterteilung des Tages in Stunden nicht kennen. Ein Fünfjähriger sagt: Wenn der große Zeiger da steht, ist die Mittagsruhe vorbei; dann kann ich wieder spielen.
 

In einem Spielfilm wird das Geschehen in bewegten Bildern 'gezeigt'; in dem Roman, der dem Drehbuch zugrundelag, wurde das Geschehen durch Worte 'bezeichnet'. Ich muss die Bedeutung der Schriftzeichen in meinem Verstand in Lautbilder umsetzen, die Lautbilder zu Wörtern zusammenfassen und mir deren 'Bedeutung' re/präsentieren. Und das alles muss ich vor meinem inneren Auge in bewegte Bilder übersetzen: Ich muss mir etwas vorstellen. Im Film konnte ich etwas anschauen.

Eine wesentliche Prämisse hat die digitale Repräsentationsform: Sie setzt voraus, dass die Zeit nicht 'fließt', sondern aus identifizierbaren Punkten 'zusammengesetz' ist. Ebenso kann 'der' Raum nur als Addition von einzeln bezeichneten (und als solchen bekannten) 'Räumen' vorgestellt werden. Das innere Bild, das ich 'mir mache', muss aus vorab bekannten Daten – Maßeinheiten - zusammengesetzt werden. Die digitale Information muss ich erst noch 'ent-ziffern'. - In der analogen Darstellung ist sie sofort als ganze 'da'.

Grob gesagt: Die analoge Darstellungsweise hat den Vorteil der Fülle. Die digitale Darstel-lungsweise hat den Vorteil der Genauigkeit. Die eine ist unmittelbar, die andere ist Ver-mittlung.


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.... Nein, so kann es nicht sein: dass 'unser Denken auch in kleinsten Schüben erfolgt, also digital'. Ein Digit - von lat. digitus=(Zeige)finger - besteht aus zweierlei: zuerst aus einem Bedeutungsgehalt, und dann aus einem 'Zeiger', der auf ihn hinweist.

Es kann einen Bedeutungsgehalt geben, auf den kein Zeiger weist. Das dürfte auf die große Masse unserer Denkleistungen im Laufe eines Tages zutreffen. Sie kommen wie sie gehen. Man kann sie nicht behalten: Denn dazu müsste ich sie mit einem Zeiger versehen, durch den sie in meinen Gedächtnisspeicher einordnen kann. Mit einer kleinen Minderzahl von Denkleistungen machen wir genau das: Wir zeichnen sie durch Zeiger ('Begriffe') aus und können uns seither wieder an sie erinnern.

Umgekehrt kann es nicht sein: dass schon ein Zeiger da wäre, bevor noch ein Bedeutungs-gehalt da war, auf den er weisen könnte. 



Allerdings sind im erlernten Begriffsystem eines sprachmächtigen Kulturmenschen tau-sende solcher Zeiger 'schon da' - nämlich gebunden an das, auf was sie zeigen -, so dass in diesem Netz eine große Masse von den aus meiner Einbildungskraft sprudelnden 'Bedeu-tungen' sozusagen 'von alleine' hängenbleiben. Die 'kleinsten Schübe' werden durch die be-grifflichen Zeiger in das Sprudeln 'von außen' hineingetragen . Anschauung ist Anschauung und Reflexion ist Reflexion. Erst das Denken, dann das Denken des Denkens.

Es würde mich interessieren, wie die Bilder in unserem Gedächtnis gespeichert sind. Erst dann könnte ich sagen: Das kann sein, das kann nicht sein.

Dies “
Quale” fasziniert mich…) 



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... Das mit dem Speichern ist mir deswegen so wichtig, weil wir dann auch den "Zeigefin-ger" besser verstehen könnten. Es besteht der Verdacht, dass in unserem Gedächtnis mehr gespeichert ist, als wir uns erinnern können. Es kommt manchmal nur zufällig ans Tages-licht, manchmal unter besonderen Bedingungen wie z.B. während einer psychoanalytischen Sitzung oder in Hypnose.

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... 'Wie' das gespeichert - und noch viel interessanter: 'wie' es dann wieder aufgerufen wird, das kann einstweilen keiner sagen, und es gibt theoretische Gründe für die Annahme, dass man es niemals wissen wird. Die Hirnforscher teilen uns mit, dass schon ganz einfache 'Ge-halte' nicht etwa in dieser oder jener bestimmten Nervenzelle (Neuron) gespeichert werden, sondern bereits in 'Assemblies' von etlichen Dutzend, die über weit entfernte Hirnregionen verteilt und durch Synapsen mit einander verschaltet sind.

So schon für das 'Denken'. Vollends mysteriös wird es aber beim 'Denken des Denkens', der Reflexion. Die Hirnforschung hat buchstäblich nicht die leiseste Vorstellung davon, wie sie zustande kommt.

Vor zehn Jahren (siehe ‘Vom Gehirn zum Bewußtsein’, in: Elsner, N., u. Gerd Lüer (Hg.), “Das Gehirn und sein Geist”, Göttingen 2000) ist das Wolf Singer immerhin noch als ein Problem aufgefallen, aber seine gemutmaßte 'Lösung' war höchst zweifelhaft: Die Reflexion käme durch 'Iteration', das heißt die sehr rasche, sehr häufige Wiederholung immer dessel-ben Vorstellungsakts zustande - so als würde die Vorstellung über ihre eigenen Füße stol-pern.

Das hatte wenig Plausibilität für sich, aber immerhin hat der Forscher noch das Problem gesehen. Doch in demselben Aufsatz hat er auch erstmals sein seitheriges Steckenpferd angekündigt: die Attacke wider das Ich und seine Freiheit und die Behauptung durchgän-giger kausaler Determiniertheit. Und dieses reitet er seither ohn’ Unterlass, und da hat er das störende Thema Reflexion schnell wieder beiseite gelegt.

Und schon sind wir wieder bei digital und analog: Denn eine 'Stelle', eine 'Instanz', einen 'Arbeitsgang' oder sonstwas, wo die analoge Anschauung in eine digitale Repräsentation 'umgerechnet' wird (und zurück!), und die man eben 'ich' oder 'Bewusstsein' oder 'Refle-xion' nennen könnte, die muss es geben: weil dieses Umrechnen ja tatsächlich geschieht. Solange Singer nicht zeigen kann, dass und womöglich wie dieser Akt durch etwas Vor-angegangenes 'determiniert' sein könnte, hat er gar kein Recht, auf die Annahme eines Ich zu verzichten.

Der Übergang von analog zu digital ist nämlich genau das, dessen Möglichkeit er bestreitet: Er ist ein Bruch.Der Bruch besteht in der Einführung des Verneinungs- und vor allem des Frage-Modus, die beide nur in der digitalen Repräsentationsweise möglich sind, nicht aber in der ihr zu Grunde liegenden analogen. Wie soll der Umstand, dass ich verneine oder gar: ob ich frage, denn 'determiniert' sein? Er ist ja die Entdeterminierung selbst. 


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 ... Das ist allerdings der entscheidende Unterschied: Auf analoge Weise kann ich keine Ver-neinung wiedergeben. 'Ein Pferd' kann ich mühelos 'zeigen' – ich brauche nicht einmal einen Fotoapparat, ein paar Bleistiftstriche reichen. Aber wie soll ich 'kein Pferd' zeigen? Kein Pferd sieht ganz genauso aus wie keine Suppenschüssel oder... keine Verneinung. Für 'nein' und 'nicht' brauche ich ein Digit, dessen Bedeutung jedermann vorab schon kennt.

Und wie ist es dann erst beim Fragemodus! Wie soll ich 'was ist ein Pferd' bildlich darstellen – ohne Fragezeichen?! Die Fülle der Anschauung ist der digitalen Zersetzung alles Wirkli-chen und Gedachten in Millionen Bedeutungsatome an Reichtum haushoch überlegen. So-bald wir uns aber klarmachen, dass uns 'die Welt' immer noch vielmehr Fragen aufgibt als sie beantwortet, erkennen wir, dass der Digitalmodus die Bedingung allen Wissens ist. Be-griffe ohne Anschauung sind leer, sagt Kant, aber Anschauung ohne Begriff ist blind.

Nota, Nov. 2013: Nicht damit zu verwechseln: der Umstand, dass eine Sinneszelle Reize allerdings 'im Takt' aufnimmt, in der kleinsten neuronalen Zeiteinheit von (soundsoviel) Millisekunden. Es ist wie in einem Kinofilm: Das Celluloidband ist aus ein paar Millionen einzelnen Bilder zusammengesetzt. Wenn sie rasch hintereinander abgespult werden, 'er-scheinen' sie wohl in diskreten 'Sprüngen', aber nicht mir: Ich nehme sie als stetigen Fluss wahr. Denn natürlich hat zwar die Filmkamera ein paar Millionen Mal ihre Bilder 'ge-schossen'. Aber es war ein stetiger Fluss, den sie 'aufgenommen' hat.

 
Uwe Steinbrich  / pixelio.de 

Der analoge Modus ist der Modus der Anschauung. Er ist nicht "positiv": Positiv ist erst das Setzen eines Was als Dieses. Um das Erscheinende der Anschauung als ein Dieses zu fassen, bedarf es der Verneinung; determinatio est negatio. Es müsste gefasst werden als 'nicht-al-les-Andere'. Das lässt sich nicht anschauen, weil es das Paradox einer 'unendlichen Menge' ist: Das Unendliche lässt sich nicht anschauen. Es muss verendlicht werden zu 'nicht-Die-ses'. - Also ist das Was der Anschauung selber zu bestimmen: Das Dieses muss selber 'ge-fasst' werden: Es muss 'vorgestellt' werden; durch Negation, d. h. Übergang in den digitalen Modus. Die Vorstellung ist die (qua Negation) digitalisierte Anschauung. Das Tier kann anschauen, aber mangels Digitalisierung nicht vorstellen.

2. 11. 08

 


 

Das Vorstellen vorstellen.

                                                                      aus  Philosophierungen

Es könnte doch sein, dass auch das Tier 'sich etwas vorstellt', und wenn es nur ganz ele-mentar wäre. Träumen können sie jedenfalls - wenn sie nicht 'bei Bewusstsein' sind. Warum sollten sie es nicht mehr können, sobald sie wach werden? Sie können sich allerdings nicht vorstellen, dass sie vorstellen. Folglich können sie nicht wissen, ob sie vorstellen wollen - und schon gar, was. Das Vorstellen unterläge also ganz dem Zufall, und das ist nicht das, was wir uns darunter - vorstellen.

29. 7. 16

 

Vorstellen ist nicht schon: mentale Bilder anschauen. Das tut das Tier vielleicht auch. Doch schon, um sie behalten zu können, müsste es sie feststellen, bestimmen. Und das müsste es beabsichtigen: "einen Zweckbegriff entwerfen", wie Fichte sagt. 

25. 6. 18





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Dienstag, 29. Dezember 2020

Geschmack am Geruch.

W. Busch                                                       aus Geschmackssachen

Unter dem Stichwort Geschmackszentrum erfolgreich ausgetrickst berichteten manche Medien dieser Tage über die Forschungen von Thierry Thomas-Danguin vom Centre des Sciences du Goût de l’Alimentation in Dijon. Dies hier aus scinexx:

...Die Wissenschaftler untersuchten, wie bestimmte Aromastoffe unseren geschmacklichen Eindruck von einem Nahrungsmittel manipulieren können. In einem Experiment ließen sie Probanden dafür Vanillepudding probieren, der aus unterschiedlichen Schichten mit variie-rendem Salzgehalt und zugesetzten Aromen bestand. Denn auch in Süßspeisen sorgt eine Prise Salz für einen intensiveren Geschmack.

Dabei zeigte sich, dass Schinkenaroma die Creme offenbar salziger machte, obwohl der Aromastoff selbst gar kein Salz enthielt. Tatsächlich hielten manche Testesser eine Pudding-variation sogar für geschmacklich identisch mit einer traditionell hergestellten Creme, in der 40 Prozent mehr Salz verarbeitet worden war. Eine andere Mischung von Aromastoffen be-einflusste in einem weiteren Versuch mit Käse sowohl die Salz- als auch die Fettwahrneh-mung der Teilnehmer.

 


Für das Team war damit klar: Mithilfe von Aromen lässt sich das menschliche Gehirn leicht austricksen. Bestimmte aromatische Bestandteile können demnach einen Mangel an Salz, Zucker oder Fett geschmacklich kompensieren. Doch welche Aromastoffe sind im Detail nötig, um einen fehlenden Geschmack möglichst gut zu ersetzen?

Um das herauszufinden, entwickelten die Forscher einen speziellen Gaschromatographen. Dieser ist in der Lage, einzelne Aromamoleküle aus Lebensmitteln zu isolieren. Auf diese Weise konnten Thomas-Danguin und seine Kollegen zum Beispiel untersuchen, welche Komponenten zum süßen Geschmack eines Fruchtsaftes beitragen. Dafür konfrontierten sie Probanden zunächst mit dem vollen Aroma eines Saftes. Anschließend leiteten sie die isolierten Aromabestandteile einzeln in die Nase der Versuchsteilnehmer und fragten sie, ob das jeweilige Aroma zur wahrgenommenen Süße beitrage. ...

*

Es irritiert, dass sowohl die vulgären Freuden und Leiden unseres Gaumens als auch die sublimsten Leistungen unserer ästhetischen Urteilskraft unterm Namen Geschmack in einen Topf geworfen werden: hier das grob Sinnliche, da das Höchstgeistige!


Und umgekehrt: Über Geschmack lasse sich nicht streiten, heißt es, wenn es um die Schönheiten der Kunst und der Natur geht, aber bei den Signalen, die von den Reizungen unserer Geschmacksknospen auf der Zunge an die Nervenzellen in unserm Gehirn gehen, hat man doch was Handfestes, das ich messen und lokalisieren kann!


Versuche, das Kunsturteil auf elementare physiologische Prozesse zurückzuführen, hat es immer wieder mal gegeben. Das war immer gequält und verrenkt und hat zum Verständnis von Garnix beigetragen.

In Dijon gingen sie - mit kommerziellem Hintergedanken - andersrum vor, und heraus kam: So simpel wie mit Hunger und Durst, Frieren und Schwitzen ist es mit dem Schmecken im Mund ja gar nicht. Auch da kann man sich täuschen und kann sich allerhand einbilden! Das allerunterste Erkenntnisvermögen, wie Alexander Gottlieb Baumgarten meinte, ist der Ge-schmack ja wohl doch nicht, und der Gourmet hat mit dem sophistiziertesten Kunstrichter mehr gemein, als jener wahrhaben mag. 

JE 7. 9. 16

Das ursprüngliche Simulacrum.

                                                                     zu Philosophierungen

Vorstellen ist anschauen als ob. Das ursprünglichste Simulacrum.

Es ist der Ursprung von Allem. Durchs re Präsentieren wird etwas erst zu Diesem. Das Re-präsentieren des Repräsentierens ist eine fast unvermeidliche Folge.

 

 

Nota. Das obige Bild gehört mit nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE 

Montag, 28. Dezember 2020

Ontologie des Schwarzen Lochs.

                                                     

Das Schwarze Loch ist der Augenblick der Wahrheit: Bei ihm würde vom Standpunkt des Raumes die Zeit immer zäher und vom Standpunkt der Zeit der Raum immer dünner. In seinem Zentrum, idealiter: der Singularirät, wäre kein Raum mehr und er wäre zugleich ohne Ende, und wäre die Zeit jenseits der Zeit und stünde zugleich still. Um die Singularität zu denken, müsste ich das Nichts denken. Das Nichts denken heißt nichts denken. Oder, prosaisch gesagt, a limite ist es nicht statthaft, sich Raum und Zeit ohne den jeweils anderen zu denken.

Das einzig Invariante und Absolute bleibt die Lichtgeschwindigkeit, um die sich relativ alles dreht: Bewegung als Substanz. Bewegung lässt sich aber nur denken, sofern ich Raum und Zeit von einander scheide. Ich kann sie allerdings vorstellen, weil ich sie anschauen kann. Doch alles andere kann ich dann nicht mehr anschauen; von vorstellen ganz zu schweigen.

 

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Filamente: Materie an der Grenze zum Nichts.

 

aus derStandard.at, 24. Dezember 2020       Eine zum A3391/95 System analoge Region aus der Magneticum-Simulation. Die Linien zeigen, wie das Material der Galaxienhaufen (rot und gold) und des dazwischenliegenden Gasfilaments (blau) in den letzten zehn Milliarden Jahren zusammengeführt wurde.                                                                                                                            

Forscher finden Hinweise auf "verlorene" Materie
Beobachtungen mit dem Röntgenteleskop eROSITA enthüllen Strukturen aus heißem Gas, die Galaxien und Galaxienhaufen umgeben und miteinander verbinden

Unser Verständnis dafür, was im Universum vor sich geht, ruht auf wackeligen Theorien und Hypothesen. Für einiges, das wir uns nicht erklären können, nehmen wir einen potenziellen Mitspieler an – eine Kraft oder Materie, die die beobachteten Phänomene verursachen könnten. Da die Geschwindigkeit von Sternen am Rand von Galaxien den fundamentalen Keplerschen Gesetzen widerspricht, haben Astrophysiker beispielsweise die sogenannte Dunkle Materie eingeführt, deren Zusammensetzung eine der großen offenen Fragen der Kosmologie darstellt.

Andererseits haben wir eine recht fundierte und weithin anerkannte Annahme darüber, wieviel herkömmliche, sogenannte baryonische Materie sich seit dem Urknall im Universum verteilen haben dürfte – und zwar deutlich mehr als wir mit unseren momentanen Mitteln nachweisen können. Wo sich diese mehr als 30 Prozent an normaler Materie versteckt haben könnte, weiß niemand, denn im Unterschied zur Dunklen Materie fand man bisher auch keine gravitativen Spuren für ihren Verbleib. Die Suche danach dauert mittlerweile schon fast dreißig Jahre.

Filamente über den Abgründen

Die Astrophysiker haben natürlich einige Theorien dazu, und sogar Studien, die sie untermauern. Vielleicht verteilt sich zumindest ein Teil der "verlorenen" Materie in den gewaltigen Räumen zwischen den Galaxien und Galaxienhaufen. Die Forscher haben dabei ausgedehnte Filamenten aus heißem Gas im Sinn, dünne Fäden, die die kosmischen Abgründe überspannen. Obwohl man davonausgehen kann, dass solche Materiegespinste nicht genug Dichte besitzen, um mit traditionellen Methoden und Teleskopen gut beobachtet werden zu können, lieferten sogenannte Fast Radio Bursts (FRBs) in der Vergangenheit plausible Hinweise auf ihre Existenz.

Die vermutete Verteilung der "normalen", baryonischen Materie im Kosmos.

Die Wissenschafter gehen von einer extremen Verdünnung von nur zehn Atomen pro Kubikmeter aus, welche selbst das beste Vakuumexperiment auf der Erde nicht erreichen könnte. Und doch dürfte ein internationales Team unter Federführung der Universität Bonn nun erstmals mit dem Weltraumteleskop eROSITA derartige Filamente mit einer Länge von 50 Millionen Lichtjahren beobachtet haben. Zumindest gleichen die Aufnahmen den Ergebnissen von Computer-Simulationen des Exzellenzclusters ORIGINS und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

Große Teile des Himmels im Blick

Bei eROSITA handelt es sich um ein Röntgenteleskop, dessen Detektoren besonders empfindlich auf die Art Röntgenstrahlung reagieren, die vom Gas in kosmischen Filamenten emittiert wird. Mit seinem großen Sichtfeld kann es außerdem einen relativ weiträumigen Teil des Himmels mit hoher Auflösung in einer einzigen Messung abbilden. Infolgedessen können detaillierte Bilder, insbesondere von so großen Objekten wie den intergalaktischen Filamenten, in relativ kurzer Zeit aufgenommen werden.

Der Vergleich zwischen Magneticum-Simulationsbe-rechnung (links) und eROSITA-Röntgenaufnahme des Abell 3391/95-Systems (rechts) liefert Hinweise auf die Verteilung des heißen Gases im kosmischen Netz.

Konkret fassten die Wissenschafter ein Himmelsobjekt namens Abell 3391/95 ins Auge. Das System umfasst drei Galaxienhaufen und ist ungefähr 700 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Die eROSITA-Bilder zeigen nicht nur die Galaxienhaufen und zahlreiche einzelne Galaxien, sondern auch jene Gasfilamente, die sich zwischen ihnen erstrecken. Das gesamte Filament ist 50 Millionen Lichtjahre lang und ein Teil davon scheint die beiden Hauptteile von Abell 3391/95 zu verbinden.

Übereinstimmungen mit Simulationen

"Die neuen eROSITA-Bilder des beobachteten Systems ähneln bemerkenswert den Ergebnissen unserer kosmologischen Simulationen", erklärt Klaus Dolag vom LMU. In den an der Universität Sternwarte in München entwickelten Magneticum Simulationen fanden er und seine Kollegen ein sehr ähnliches Paar von Galaxienhaufen, die durch warmes Gas in einem brückenartigen Filament verbunden sind und mit vielen anderen umgebenden Objekten in eine viel größere Filamentstruktur eingebettet sind. Die Computersimulationen untermauern damit, dass solch lange Filamente, die sich über große Bereiche des Raumes erstrecken, eine erhebliche Menge an verdünntem Gas enthalten.

Die Simulationen zeigen auch, dass sich andere Gruppen und Galaxienhaufen entlang der Filamente auf derartige Knotenpunkte, wie es das A3391/95 System darstellt, zubewegen, berichten die Wissenschafter im Fachjournal "Astronomy & Astrophysics". "Das extrem verdünnte und kältere Gas im Filament scheint aus vergleichsweise unterschiedlichen Richtungen zu kommen, fast nahezu orthogonal zu dem heißeren Gas innerhalb der Galaxienhaufen", erklärt Veronica Biffi, Koautorin der Studie. "Und die Entwicklung seiner Eigenschaften scheint in den letzten zehn Milliarden Jahren ebenfalls vergleichsweise verschieden verlaufen zu sein." (tberg, red.)

Abstract

 

Nota. - Ich verstehe nichts davon, ich bin kein Naturwissenschaftler. Umso unbefangener darf ich meinen gesunden Menschenverstand spekulieren lassen: Wo (innerhalb welcher Grenzen?) es keine Materie gäbe, wäre der Raum nicht gekrümmt; und gäbe es, stelle ich mir vor, keine Zeit. Ein glatter, 'ungekrümmter' Raum wäre aber kein Raum. Ein Nichts 'gäbe es' folglich zu keiner Zeit und nirgends. (Nota II: Unsere Vorstellung von Etwas und NichtEtwas ist nicht  gleichzeitig und ontologisch gleichrangig. Nicht Etwas kann ich mir erst vorstellen, nachdem ich mir Etwas vorgestellt habe; ponere vor tollere.)

JE