Lo spinario aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik//165//
Kant hat die Frage, wie unsere Wirksamkeit möglich sei, auch
beantwortet: "Das Be-gehrungsvermögen ist das Vermögen, durch einen
Begriff Ursache von einem Objekte zu werden." Er hat aber nicht gesagt,
woher es kommt.
Dozent nimmt Begehren
in einem andren Sinne und setzt es dem Wollen entgegen als das bloß
ideale Denken des Wollens. Bei Kant aber ist das Begehrungsvermögen der
genetische Begriff des Wollens und der Willkür.
4) Ich, das
Reflektierende, beschreibe innerlich, was ich äußerlich nicht kann, und
danach wird erst für mich eine Wahrnehmung. Wie erhalte ich nun diese
Erkenntnis des Nichtkön-nens? Dies weiß ich durch Gefühl. Aber woher
kommt denn das Gefühl? Gefühl ist Affek-tion meiner selbst, aber nicht in
der Zeit. Es sind nicht Dinge, die in diesem Momente so und in einem
andern wieder anders einwirken; dies wäre transzendent. Das Gefühl oder
das Gefühlsvermögen ist die unmittelbare Beziehung der Beschränktheit
unseres Willens auf die Reflexion.
Der Wille ist
ursprünglich beschränkt, und dadurch wird er ein Wille. Diese
Beschränktheit ist aber nicht für das Ich, und das Ich ist nicht für
sich, das Ganze Idee [sic].
Jetzt aber tritt Reflexion ein, und zwar die absolut freie Reflexion,
diese strebt, auf den Willen in der To-talität in beiden oben angegebenen
Richtungen zu reflektieren. Dies kann sie aber nur in der einen
Rücksicht, im inneren Organ, beschreiben. Die Reflexion ist das in der Zeit Beschränk-te, und die unmittelbare Äußerung dieser Beschränktheit ist das Gefühl.
Ich fühle, in wiefern
ich empirisch bin. Das, was nur empirisch sein kann, ist das
Reflexi-onsvermögen, das in der Zeit beschränkt ist. Das ursprünglich
Beschränkte ist der Wille, folglich müsste die Reflexion auf den Willen
beschränkt sein.
Keine Reflexion ohne Gefühl et vice versa, denn durch das Gefühl gibt das Ich der Be-schränktheit Etwas hin.
Der Satz war schon oben da in einem anderen Sinne, im Verhältnis der Dependenz, hier im Verhältnis der Wechselwirkung.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 165
Nota . - Hier haben wir es endlich, das oben so schmerzlich vermisste "intellektuelle Ge-fühl"!
Das heißt - wir haben das, was er meint. Einsichtig wird es mir
jedenfalls dadurch noch nicht. Zwar kann ich verstehen, dass meine
Tätigkeit durch die Reflexion in die Zeit fällt und dadurch empirisch
wird. Aber dass sich ipso facto daraus ein 'Gefühl' ergäbe, das mit
hören, riechen, sehen und schmecken vergleichbar wäre oder gar mit dem
Schmerz, wird mir dabei kein bisschen plausibler.
Nota II. - Ich glaube fast, unter 'Gefühl' versteht er bloß das Bemerken der Willensan-strengung in dem Moment, wo ich meine Aufmerksamkeit auf etwas richte.
JE, 26. 1. 17
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