Mittwoch, 29. Juli 2020

Hagia Sophia.


Als Museum ging der Hagia Sophia ihr Wichtigstes verloren.

Das Wichtigste war ja nicht ihre konfessionelle Beschränkung; weder die griechisch-orthodoxe noch die sunni-tisch-muslimische oder überhaupt eine christliche. Dass sie ein Gotteshaus war, ist aber schon von Belang.

Denn als Gotteshaus beruhte ihre spirituelle Kraft zuerst in der ästhetischen Gewalt ihrer Raumwirkung. Von Justinian gedacht als eine Burg des Heiligen Geistes, von den Muslimen immerhin geachtet als ein Ort göttliche Gegenwart.

Dass Touristen sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen wollen, ist verständlich. Doch als Museumsbesucher werden sie viel mehr auf dieses oder jenes Detail - dieses Mosaik oder diesen Erzengel - Acht geben als auf das Erlebnis des Raumes. Und werden gerade als Touristen an der Hauptsache vorbeisehen.

Dass Erdogan bloß einen seiner vielen Tricks im Sinne hatte, kann man still in Kauf nehmen. Kemal Atatürk war es ja auch nicht ums Ästhetische zu tun.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen