Mittwoch, 1. Juli 2020

Wissen, Kritik, "Grund".

nf-community                                                                          aus Marxiana

Wissen ist schlechterdings positiv. [Eine reale Wissenschaft ist ein 'organisches' System einzelner 'Gewusster', sie wechselseitig auf einander verweisen...] Das Wissen selbst ist theoretisch-dogmatisch.

Was Wissen vom Wissen ist Kritik: Meta-Theorie, Theorie von der Theorie; Darstellung der Form des Wissens unter Ausklammerung ("Einklammerung", epoché) des Was des Gewussten: "bloße" Form; theoretisch-kritisch.

('Kritisch': urteilend über den Geltungsgrund des theoretischen Wissens, das derart nicht mehr dogmatisch, nicht mehr positum ist, sondern beurteilt; problematisch, nämlich als bedingt gesetzt.)

Als Meta-Kritik wird das Wissen praktisch: nicht mehr über den 'Grund' urteilend, sondern behauptend, selber den Grund setzend: positiv.

Die Metakritik ist der nachträglich gesetzte Grund, das apsteriorische Apriori des positiven Wissens; sie ist die Refle- xion (="ideale" Tätigkeit) auf das Wissen selbst (="reale" Tätigkeit").

Kritik ist Axiologie, insofern sie die Gründe der wissenschaftlichen Geltung zur Darstellung bringt. Insofern ist 'Kritik' eine theoretische Wertlehre; theoretisch, sofern sie die Geltung der Werte zunächst als ein Gegebenes, als Fakt behandelt: dass der Wert gilt, gehört zum 'Sein'; in diesem Fall zum historischen Sein dieser Wissenschaft. [=der Politischen Ökonomie]

Die praktische Wertlehre, die Werte setzt - oder auch verwirft - ist axiomatisch.

10. 1. 88 


Ich hab mir's ja nicht leichtgemacht. Das Hegel'sche Vokabular muss man dem Marx'schen Denken nur über-stülpen. Es passt zwar hinten und vorne nicht, aber da doch nur Begriffe aus Begriffen verfertigt werden, bedarf es nur einiger Übung, um sie als Dialektik auszugeben. Das Marx'sche Denken in der Weise der Transzendental-philosophie dazustellen ist schon nämlich in der Sache etwas schwieriger: Da muss der Gehalt einer Vorstellung der Möglichkeit nach aus dem Gehalt der vorangegangen Vorstellung hervorgebracht, oder umgekehrt, in der vorangegangenen noch relativ unbestimmten Vorstellung den Keim der folgenden bestimmteren Vorstellung aufgefunden werden - wobei Bestimmen immer nur als Entgegensetzen möglich ist. 

Das hat, wie man oben sieht, stilistisch keine Eleganz. Doch auch das kann man üben. 
JE 


 

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