Mittwoch, 17. Juni 2020

Leibniz war doch nicht dämlich.

Warum gibt es etwas, statt dass es nichts gibt?

Ich habe die Frage dämlich genannt; doch höre ich, dass sie ursprünglich Leibniz zugeschrieben wird. Den kann man ja wirklich nicht blöd nennen. Aber ich finde die Stelle nicht, wo er das geschrieben haben soll, und vermute, es handelt sich um eine der Apokryphen, die von Schlaumeiern erfunden und großen Namen ange-heftet werden, weil sie sich nicht trauen, sie im eignen Namen zu vertreten.

Und wenn es doch bei Leibniz stünde? Der war ein rastloser Propagandist des christliche Glaubens und hätte gern die verfeindeten Kirchen wiedervereint. Die Frage möchte er nur rhetorisch und in didaktischer Absicht gestellt haben, denn die Antwort hatte er schon, bevor ihm jene überhaupt eingefallen war. Es wäre dann ein dialektischer Trick gewesen: Siehst du, eine bessere Antwort hast du auch nicht!

Dass es kluge Atheisten geben könnte, mochte er sich nicht vorstellen, und eigentlich konnte die Entgegnung, dass die Frage selber blöde ist, erst nach Kant gegeben werden.



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