Begabte Fische tanzen aus der Reihe
Die meisten Fische passen sich im Schwarm der Gruppe an. Nur einige machen immer wieder ihr eigenes Ding - aus gutem Grund.
Ordnungsfanatiker
dürften fasziniert sein von Fischschwärmen. Schließlich liegt das
Besondere dieser Verbände darin, dass oft alle Tiere in die gleiche
Richtung gucken, schwimmen, Abstandsregeln einhalten und sich generell
daran orientieren, was der Nachbar macht. Für die Fische folgt diese
Lebensweise aus einer recht einfachen Kosten-Nutzen-Rechnung: Sie
verzichten weitgehend auf individuelle Entscheidun-gen, genießen dafür
jedoch den Schutz in der Menge und profitieren vom Informationsfluss
innerhalb des Schwarms, der vor Gefahren warnt und auf gute
Futterquellen hinweist.
Doch ganz so einfach ist
die Sache offenbar nicht, zumindest nicht für jeden Fisch. Manche
Mitglieder eines Schwarms tun im Gegenteil gut daran, auszubrechen - und
damit die gesamte Formation in Unord-nung zu bringen. Das folgert ein Team um Hannah MacGregor von der University of Bristol aufgrund von Experimenten mit Stichlingen (Nature Communications).
Die
Forscher untersuchten zwölf Gruppen mit je acht Tieren - es handelte
sich also um eher kleine Schwär-me. Jeder Gruppe zeigten die Biologen
eine überraschend auftauchende Futter-Attrappe und maßen, wie schnell
jeder einzelne Fisch auf diese zusteuerte und wie sich das auf die
gesamte Formation auswirkte. Da die Wissenschaftler die Tests innerhalb
eines Monats mehrmals wiederholten und die Fische einzeln markiert
waren, ließen sich dauerhafte individuelle Unterschiede zwischen
einzelnen Tieren ausmachen.
Dabei
zeigte sich, dass manche Individuen schneller zum vermeintlichen Futter
kamen, wenn sie innerhalb der Gruppe ihr eigenes Ding machten und die
Ordnung damit durcheinanderbrachten. "Es überraschte uns, dass die
disruptiven Fische einen Wettbewerbsvorteil bei der Futterbeschaffung
haben können", sagt Erstautorin MacGregor. "Sie sind aufmerksamer und
daher fähig, neue Nahrungsquellen zu entdecken, die anderen Fischen
entgehen können."
Diese Schnellmerker waren in
jeder Gruppe deutlich in der Minderheit und fielen dadurch auf, dass sie
sich generell weniger an ihren Artgenossen ausrichteten. Offenbar
nützte diesen Fischen wegen ihrer eigenen besonders schnellen
Wahrnehmungsgabe der rasche Informationsfluss innerhalb der Gruppe
wenig. So bedeutete es für sie keinen großen Verlust, die Ordnung der
Gruppe zu verlassen.
"Ein ordentliches
Gruppenverhalten ist wohl nicht immer eine gute Sache für einen Fisch,
der sehr geschickt darin ist, sich "private" Informationen über neue
Futterquellen zu beschaffen", sagt MacGregor. Wie ihre Studie zeigt, ist
also auch innerhalb eines Schwarms nicht jeder Fisch wie der andere.
Die meisten sind Ordnungsfanatiker und werden auf diese Weise am besten
satt. Einige wenige hingegen sind auch innerhalb der Gruppe eine Art
Einzelgänger - und sichern sich so die besten Bissen.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen