Erosionaus spektrum.de, 31.08.2020 zuJochen Ebmeiers Realien
Wiederholungseffekt
Wissen schützt nicht vor der Wahrheitsillusion
Was
wir schon einmal gehört haben, halten wir eher für richtig. Vor diesem
Effekt bewahren uns weder Intelligenz noch Vorkenntnisse.
Lisa Fazio und Carrie Sherry von der Vanderbilt University in Nashville präsentierten ihren Versuchspersonen (knapp 50 Fünf- und Zehnjährigen sowie 32 Erwachsenen) wahre und falsche Informationen zum Thema Natur. Je nach Altersgruppe waren die Sachverhalte teils schon den Jüngsten bekannt, teils auch für die Erwachsenen neu, zum Beispiel »Tomaten (Kartoffeln) wachsen über der Erde« und »Die Antarktis (die Sahara) ist die größte Wüste der Erde«.
Die Kinder bekamen die Sätze stets von einer Figur vorgesprochen, während die Erwachsenen die Aussagen auf dem Bildschirm lasen. In einer ersten Runde wurde zunächst nur die Hälfte der (teils richtigen, teils falschen) Fakten präsentiert, in der zweiten Runde dann dieselben noch einmal sowie zusätzlich die übrigen unbekannten Aussagen. Nach jeder Aussage sollten die Versuchspersonen angeben, ob sie sie für wahr oder falsch hielten.
Die Fünfjährigen schätzten den Wahrheitsgehalt
erwartungsgemäß öfter falsch ein als die Älteren; Erwachsene und
Zehnjährige unterschieden sich hingegen kaum. Insgesamt wurden wahre
Aussagen zu 78 Prozent als solche erkannt, falsche zu 52 Prozent für
wahr gehalten. Die Wahrheitsillusion allerdings war universell: Alle
drei Altersgruppen hielten die Aussagen – egal ob wahr oder falsch –
beim zweiten Hören oder Lesen im Schnitt eher für zutreffend: 61 Prozent
der unbekannten und 69 Prozent der bekannten Aussagen erschienen ihnen
richtig.![]()
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Den Effekt erklären die Psychologinnen damit, dass wir Bekanntes leichter verarbeiten können und dies unbewusst als Hinweis auf die Wahrheit interpretieren. Dass diese Assoziation zwischen »bekannt« und »wahr« schon bei Fünfjährigen nachweisbar ist, werten die Autorinnen als Hinweis darauf, dass die Verknüpfung implizit wirkt. Mit Intelligenz oder einem intuitiven (versus analytischen) Denkstil habe das nichts zu tun, bestätigte kürzlich eine Studie mit mehr als 2000 Versuchspersonen.
Fazio und ihr Team hatten schon 2015 berichtet, dass Wissen nicht vor der Wahrheitsillusion schützt. Sogar offenkundig falsche Aussagen wie »Wespen sind Insekten, die Honig produzieren« würden beim zweiten Mal doppelt so oft für wahr gehalten wie nach erstmaligem Hören. Die Falschinformationen setzen sich selbst dann im Kopf fest, wenn sie von Fact-Checkern mit einer Warnung versehen werden. Nur bei extrem unplausiblen Aussagen wie »Die Erde ist perfekt quadratisch« stößt die Illusion offenbar an ihre Grenzen.
Nota: Beware of the filterblase! Keep off the Internet.
JE
Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE
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