Carl Rottmann, Sikyon mit Parnass 1838 aus Über Ästhetik, Rohentwurf,
Das Schöne hört auf, Inbegriff des Ästhetischen zu sein in dem Maß, wie die Lebenswelt der Menschen immer mehr selbst nach ästhetischen Gesichtspunkten modelliert, entworfen, designed ist: Städte, Industrie... Denn nun wird immer mehr das nicht 'zweckmäßig'-Gestaltete zum ästhetisch Auffälligen. - Das Schöne ist zunächst der konventionelle Name für das ästhetisch-Ausgezeichnete ('Erhebliche'). In einer wilden, gegen menschliche Zwecke und die ihnen gemäße Form gleich- gültigen Umwelt – "Werden", später 'Natur' genannt - ist das nach den Gesetzen der Harmonie (als einem 'höheren', kosmischen Zweck!) Gestaltete dasjenige, das sich in ästhetischer Hinsicht auszeichnet vor gestaltlosem Rest. (Antike, orientalische, mittel- alterliche Gärten: geometrisch.)
- Das Verhältnis des Schönen zum Nicht-Schönen ist nicht ein Gegensatz
(etwa "das Hässliche"), sondern ist der Unterschied von Figur und Grund
(andernfalls könnte der Unterschied nicht graduell und relativ
ausfallen). Das Nicht-Schöne ist das in ästhetischer Hinsicht
Unausgezeichnete, Unerhebliche, das den Sinnen allzu Ver- traute, das
Gewöhnliche, Unbedeutende, Langweilige (das man jetzt auch das "Flache"
nennt! Ob wohl vor Mitte des 18. Jahrhunderts das Wort seicht je in ästhetischer Bedeutung gebraucht wurde?). Das Wohlgeformte (=zweckmäßig mit oder ohne Zweck) - als der lebensweltliche Regelfall - wirkt mit dem Siegeszug der bür- gerlichen ... buchstäblich an-ästhetisch! (cf. Allgegenwart von Design!)
Wenn nun die (bürgerliche) Normalwelt (=die Stadt!) erwartungsgemäß
hie nach praktischen Zwecken, da nach zwecklos-zweckmäßigen Regeln der
Harmonie (französicher Garten) eingerichtet ist, dann wird das Bizarre,
Schaurige, Zweckfremde, Wilde, Dis- proportionierte eben zum
ästhetisch Ausgezeichneten: das Nicht-Gewöhnliche. "Können wir nicht
wagen zu behaupten, daß sie einen guten Teil ihrer Schönheit gerade
einem Mangel an Proportion verdanke?" sagt Edmund Burke über die Rose...
Zuerst Ablösung des französischen Gartens durch den englischen Claude-Lorrain-Garten; Wörlitz! Romantik; und schließlich wird auch das Häßliche "ästhetisch angesehen" (Rosenkranz).
Zuerst Ablösung des französischen Gartens durch den englischen Claude-Lorrain-Garten; Wörlitz! Romantik; und schließlich wird auch das Häßliche "ästhetisch angesehen" (Rosenkranz).
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