madeinbocholt aus Männlich Sehen Sie ein Foto vom Vorstand eines Weltkonzerns. Wenn auch jeder der Herren seinen eignen Schneider hat, tragen sie doch alle denselben dunkelgrauen Anzug mit denselben Nadelstreifen. Lediglich die einzige Dame dabei fällt farblich aus dem Rahmen, wenn auch nicht schrill, so doch in einem Kostüm, das außer ihr noch keine trug. Und währdend in England selbst die Königin denselben Hut - ach je - nicht zweimal aufsetzen kann, darf ein Lord denselben ausgebeulten und zerknitterten Anzug aus bester Shetlandwolle, und jeder Premierminister zumal, ruhig zwanzig Jahre lang anziehen. Nicht in Ascot; aber auch dort trägt er alle Jahre wieder, solange er reinpasst, denselben Dress, während seine Lady in Ohnmacht fällt, wenn eine Andere im selben Pariser Modell kommt wie sie.
Weil sie um die Männer, ihre Herren und Pariarchen buhlen? Wenn Sie den Lord fragen, ob die Dame rot oder grün trägt, muss er sich erst umdrehen und hinsehen, unterwegs hatte er es nicht bemerkt. Nein, die Damen kämpfen nicht um die Gunst der Männer, sondern gegen die andern Frauen. Unter den Paradiesvögeln will jede die oberste sein. Darum haben sie die Männer in geschäftliche Einheitskluft gesteckt und ihnen die Mode weg- genommen.
Anthonis van Dyck, Wilhelm von Oranien als Prinz mit seiner zukünftigen Braut Maria Stuart
In Wahrheit ist es nämlich so: Seit dem Sieg der bürgerlichen Gesellschaft hatte der Mann - Luther und Calvin hatten das Ihre beigetragen - ein Arbeiter zu sein, und zwar nicht im Weinberg und -keller des Herrn, sondern an der Werkbank und im Kontor! Der Bourgeois war ein alltäglich Werktätiger, kein eitler Müßiggänger wie der Aristokrat, und das sollte man ihm gefälligst auch ansehen; oder so sollte es wenigstens aussehen. Doch die Damen - ja, die Damen des Hauses, die vormals doch den bürgerlichen Haushalt selber geführt hatten, über- ließen das, wie Gräfinnen und Edelfräuleins, dem Dienstpersonal; und wie jene wollten sie, bitteschön, auch aussehen.
So ist die Mode Frauensache geworden.
PS. Beachten Sie übrigens, dass der Prinz Rosa trägt. Rosa galt bis Anfang der vorigen Jahrhunderts als die natürliche Jungenfarbe - als Vorstufe zum königlich kriegerischen Rot. Als Mädchenfarbe galt hingegen Blau - nach dem Mantel der Himmelskönigin Maria.
8. 10. 13
PPS. Das ist nun sieben Jahre alt. Inzwischen sieht man gelegentlich auch bessersituierte Herren bunt und locker herumlaufen. Aber um Himmelswillen nicht distinguiert, sondern in Casual wear, als wäre ewig Feier- abend. Das kommt daher, sie wollen sich eine unbürgerliche Identität anhosen, die ihnen doch herzlich fremd ist. Eine Männermode ist das gar nicht, sondern meist eher eine Transmode.
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