aus derStandard.at, 17. 5. 2022 zu Jochen Ebmeiers Realien, zu Levana,
Brust raus, Kopf etwas hoch, Rücken gerade – wer das Kunststück
zuwege bringt, dabei auch noch locker zu bleiben, wird in der Regel als
selbstbewusste Person wahrgenommen. Es ist freilich kein großes
Geheimnis mehr, dass auch der umgekehrte Weg funktioniert: Lächeln, auch
wenn einem nicht danach ist, kann tatsächlich die Stimmung verbessern, das belegte eine Metastudie aus dem Jahr 2019. Das "künstliche" Lächeln kann zwar kein Antidepressivum ersetzen, der Effekt war aber signifikant.
Das Phänomen lässt sich auf die gesamte Körperhaltung ausdehnen:
Wirft man sich bewusst in eine Siegerpose, kann das durchaus das
Selbstbewusstsein steigern – eine umfangreiche Überblicksstudie konnte
das nun untermauern. Frühere Ergebnisse, wonach sich damit auch der menschliche Hormonhaushalt beeinflussen ließe, konnten dagegen nicht bestätigt werden.
Der Einsatz von Körperhaltung und
Körpersprache ist in der Psychologie schon länger ein beliebtes
Werkzeug. "In der Therapie kann es dabei helfen, dass Menschen sich
sicher fühlen und positive Gefühle erleben", sagt der Psychologe Robert
Körner von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der
Universität Bamberg.
Auch beim sogenannten Power-Posing
geht es um die Frage, inwiefern sehr plakative Posen die Gefühle und
den Selbstwert einer Person beeinflussen können. Ein typisches Beispiel
für eine solche Körperhaltung ist die Siegerpose mit ausgestreckten
Armen, die laut Studien das Selbstbewusstsein steigern soll.
"Die Aussagekraft vieler dieser Untersuchungen ist jedoch begrenzt, da sie häufig mit relativ wenigen Personen durchgeführt wurden. Außerdem zeigen verschiedene Studien teilweise gegensätzliche Ergebnisse ", so Körner.
Die nun im Fachjournal "Psychological Bulletin" erschienene Metaanalyse
sollte daher den Blick etwas klären: Das Team trug Daten aus rund 130
Experimenten mit fast 10.000 Beteiligten zusammen und wertete sie
mithilfe komplexer statistischer Verfahren neu aus. Ihre
Forschungsfragen lauteten: Beeinflusst die Körperhaltung die
Selbstwahrnehmung und damit das Verhalten? Und gibt es einen
Zusammenhang mit dem Hormonspiegel der Menschen?
Die Ergebnisse weisen auf Ja und Nein hin. Die Zahlen zeigten einen
signifikanten Zusammenhang zwischen einer aufrechten Körperhaltung oder
Power-Posing und einer positiveren Selbstwahrnehmung. "Eine dominante
Körperhaltung kann also zum Beispiel dazu führen, dass man sich
selbstbewusster fühlt", sagt Astrid Schütz, Persönlichkeitsfor-scherin an
der Universität Bamberg. Beim Verhalten fand das Team einen ähnlichen
Zusammenhang, jedoch auch Hinweise darauf, dass dieser wahrscheinlich
auch auf die Gestaltung der jeweiligen Studien zurückzuführen ist.
Dass bestimmte Posen die Produktion von Hormonen wie Testosteron ankurbeln könnten, ließ sich dagegen gar nicht nachweisen, obwohl ältere Studien das behauptet hatten. "Die Befunde zu den physiologischen Effekten von Power-Posing sind nicht robust, sie wurden von unabhängigen Forschungsgruppen nicht repliziert", erklärt Schütz.
Durch die Arbeit konnte das Team auch einige Schwachstellen der
bisherigen Forschung ausmachen. Die meisten Studien arbeiteten
beispielsweise ohne Kontrollgruppen: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer
sollten entweder eine dominante, eine offene oder eine eher unterwürfige
Körperhaltung einnehmen. Kontrollgruppen gab es nur selten. "So lässt
sich aber nicht mit Sicherheit sagen, woher die Unterschiede kommen und
ob womöglich nur eine der beiden Posen tatsächlich einen Effekt hat",
sagt Körner.
Außerdem wurden fast alle Studien
bislang in westlich geprägten, hochindustrialisierten Gesellschaften
durchgeführt, sodass nicht klar ist, ob sich die Befunde auf alle
Kulturkreise übertragen lassen. Die Unterschiede zwischen Männern und
Frauen und über verschiedene Altersgruppen hinweg waren dagegen
vergleichsweise gering. (red.)
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