zu Philosophierungen
Veri criterium sit id ipsum fecisse.
Kriterium des Wahren ist, es selber geschaffen zu haben.
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Giambattista Vico, Liber Metaphysicus;
De antiquissime Italiorum sapientia liber primus, München 1979, S. 44/45
Nota. - Vicos Philosophie war ausdrücklich gegen Descartes gerichtet. Dessen rationali-stischer Auffassung nach wäre das Wahre mit den Mitteln der Mathematik zu erkennen, denn die sei es, in der die res cogitans mit der res extensa zusammenhinge und die beider Abkunft vom selben Schöpfer ausweise. Vicos Ablehnung war eine fromme; niemandem käme es zu, dem Schöpfer in die Karten zu blicken, denn erkennen könne jeder nur, was er selber gemacht hat.
Im 20. Jahrhundert galt der schon zu Lebzeiten kaum beachtete Vico als der Vorläufer von Diltheys "verstehender" hermeneutischen Geisteswissenschaft. Das ist nicht falsch, aber pointierter ist die Einsicht, er habe der... Transzendentalphilosophie den Weg gewiesen. Pointierter, weil ja doch Descartes als der gilt, der die Erkenntnisfähigkeit im ego cogito gegründet habe. Dessen eingedenk wird man hinzufügen: Aber Vico hat es mit dem ego facio überboten.
Allerdings hat er der Tanszendentalphilosophie den Weg über Kant hinaus zu Fichte ge-wiesen. Populär wurde Vicos Philosophie dann doch noch in der vereinfachten Formel Verum et factum convertuntur.
18. 5. 19
Wahres Wissen ist: etwas selber gemacht haben, sagt Giambattista Vico. Von der Welt kann ich daher nichts wissen, nur wer sie gemacht hat, könnte es. Gemacht habe ich aber meine Vorstellungen, nämlich um des Machens willen. Ich weiß etwas, wenn meine Vorstellungen mir erlauben, dasjenige zu machen, was ich mir dank ihrer vorstelle. Ob oder ob nicht er-weist nicht die Vorstellung selber, denn die ist grenzenlos; sondern ihre Umsetzung in Raum und Zeit; in der Materie.
Das ist kein zufällig von außen hinzutretendes Kriterium, sondern der bestimmende Zweck, um den es von Anfang an ging. Zum bloßen Anschauen bräuchte ich keine Vorstellung, da reicht anschauen.
Soviel zum pp. Denkzwang. Ob meine Vorstellungen in einander aufgehen, kann allein ich selbst herausfinden: indem ich es versuche; denn ich habe sie zur Welt gebracht und kann es praktisch beurteilen. Dass es mir nur so und nicht anders gelingt, ist der einzige Maßstab.
Mit
einer Schere kann ich Papier oder Kleiderstoff schneiden, zur Not auch
ein Schräub-chen eindrehen; einen Nagel in die Wand schlagen oder ein
Stuhlbein absägen schon nicht mehr. Habe ich die Schere selbst
hergestellt, weiß ich es im voraus, denn wozu sie taugen sollte, war
mein Zweck. Die Sache mit dem Schräubchen ist ein unvorhergesehener
Grenz-fall, da muss ichs machen wie alle andern; muss ich ausprobieren.
JE 21. 2. 21
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