M. Kessels aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
/Die
Frage, wie die Objekte, die außer uns sein sollen, zugleich in uns sein
sollen, beant-wortet die Wissenschaftslehre so: wenn das, was außer uns
sein soll, mit dem verknüpft ist, was unmittelbar Objekt des
Bewusstseins ist, und dies ist alles Tätige und Freie in uns. Nur
meiner Tätigkeit kann ich mir bewusst werden, aber ich kann mir
derselben nur bewusst werden als einer beschränkten.*
Der Kantische Satz:
Unsere Begriffe beziehen sich nur auf Objekte der Erfahrung, erhält in
der Wissenschaftslehre die höhere Bestimmung: Die Erfahrung bezieht
sich auf Handeln, die Begriffe entstehen durch Handeln und sind nur um
des Handelns willen da, nur das Handeln ist absolut.
Kant wird nicht sagen,
die Erfahrung sei absolut, er dringt auf den Primat der praktischen
Vernunft, nur hat er das Praktische nicht entscheidend zur Quelle des
Theoretischen ge-macht. In einem neueren Aufsatze der Berliner Monatsschrift: Über den vornehmen Ton..." hat er sich erklärt, dass die Freiheit das Höchste sei.
Die Philosophie
desjenigen, welcher behauptet, dass der Mensch vorstellend ohne Handeln
sei, ist bodenlos. Hier wird es recht klar, was es heißt: Das Ich sieht
die Welt in sich; oder: Gibt es keine praktische, so gibt es auch keine
ideale Tätigkeit; gibt es kein Handeln, so gibts auch kein Vorstellen.
*) [beschränkt durch den Gegenstand, auf den sie geht]
_______________________________________________________________________J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, S. 61
Nota I. - Kurz, der Zweckbegriff ist die Grundform des Begriffs; alle andern sind Ab-straktionsformen. Oder auch: Begriff ist Absicht.
19. 8. 16
Nota II. - Nur das Handeln ist absolut: Das muss man beim Wort nehmen. Absolut heißt: losgelöst von allem (andern). Nämlich ohne jede Bestimmung außer durch sich selbst. Für die Wissenschaftslehre ist handeln das einzig Faktische - oder Reale. Alles andere 'gibt es' nur in der Vorstellung.
JE
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