Freitag, 5. Februar 2021

Am oberen Ende der Transzendentalphilosophie.

azonline                       zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Fichte war in seiner Darstellung an den Punkt gelangt, wo die Reihe vernünftiger Wesen nicht mehr als transzendentale Bedingung, sondern als historische Gegebenheit auftrat; und mit ihr notwendiger Weise die intelligible Welt.

Man sollte meinen, damit sei der zweite Gang der Wissenschaftslehre - nach dem analyti-schen Auffindung des Grundes die genetische Rekonstruktion des Systems der Vernunft - in der Sache abgeschlossen. Damit ist die Arbeit der Transzendentalphilosophie ihrem Um-fang nach besorgt. Folgen kann nun nur noch reelle Wissenschaft. 

Die intelligible Welt ist notabene ein System in processu. Als ein Reales befindet sie sich in einem Fortschritt unendlicher Bestimmung - und bleibt eo ipso Gegenstand philosophi-scher Kritik; auf jedem Punkt ihrer je gegebenen Bestimmtheit. Sie ist sachliche Voraus-setzung der Kritik, jene hat bei ihr anzufangen, so wie sie eben geworden ist. Das gilt für alle Bereiche des reellen Wissens, seien seine Gegenstände sinnlicher oder intelligibler Na-tur.

Das gilt auch für das positiv geltende Recht und dessen spekulative Begründungen.

* 

Reihe intelligibler Wesen - Sprachgemeinschaft - 'Sprachspiel':


Es ist den wirklichen vernünftigen Wesen gegeben; sie lernen es, wie es ist. So wie es ist, besteht es aus mehr oder minder bestimmten Begriffen: Ihre Bedeutung ist ihre 'Verwen-dung im Sprachspiel'. Sie bedeuten das, wozu sie durch ihre Stellung im System aller andern Begriffe bestimmt sind. Die Begriffe können gelernt werden, ohne vorgestellt zu werden - ohne dass ihre notwendige Genesis aus tätigem Vorstellen bedacht wird. Auf nichts anderm beruht die unentwegte Wiedergeburt der Dogatismen, Formularphilosophien, und die Kri-tik wird immer genug zu tun haben. 

26. 4. 19 
 
 
Die dialektische Form der Darstellung sei nur richtig, wenn sie ihre Grenzen kenne, schrieb Karl Marx in anderm Zusammenhang. Das trifft auf die Wissenschaftslehre zu in dem Sin-ne, dass die Kritik der realexistierenden Vernunft in dogmatische Konstruktion umschlägt, sobald sie beginnt, anstelle dieser und an ihr vorbei eigene gültige Sätze aufzustellen und Begriffe zu formulieren. Sie hatte die Kritik - Analyse und Bewertung der Ursprünge - der Vernunft bis zu dem Punkt zu treiben, an den deren historisch-wirkliche Entfaltung zum gegebenen Zeitpunkt gediehen war. Ab da hatte sie deren tatsächlichen Gestaltungen zu kritisieren am Maßstab ihrer neu gewonnenen Gesichtspunkte. Sie konnte und musste sel-ber positiv werden, nämlich politisch. Das war vom Katheder der Jenaer Universität herab nicht möglich, dort war schon die Kritik der Religion zu viel. Das immerhin war demon-striert worden.
 
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen