aus spektrum.de, 9. 2. 2021 zu Levana, oder Erziehlehre, zu
Malen hilft dem Gedächtnis
Wir begreifen die Welt nicht nur mit Worten: Auch Zeichnungen können beim Lernen unterstützen.
von Christiane Gelitz
Malen
kann beim Lernen helfen. Wie genau, das schildern die Psychologinnen
Shaaron Ainsworth von der University of Nottingham und Katharina
Scheiter von der Universität Tübingen in »Current Directions in Psychological Science«. Besonders effektiv sei das Zeichnen als Gedächtnisstütze, wie eine Auswertung von mehr als 50 Studien mit rund 8000 Versuchspersonen zeigte.
Je nach Lernziel bringe Zeichnen im
Vergleich zum reinen Lesen schwache bis starke Lerneffekte. Am meisten
helfe es beim Lernen von Fakten, am wenigsten beim Trans-ferlernen.
Doch selbst hier biete es einen Zusatznutzen: Als Schülerinnen und
Schüler der 7. Klasse einen Text über den Treibhauseffekt lasen und
später dazu Transferfragen beant-worteten, profitierten die besten unter
ihnen mehr davon, wenn sie den Text nach dem Lesen gezeichnet anstatt
nur verbal wiedergegeben hatten.
Lernende ziehen aus einem Text
ein Netzwerk von Elementen und ihren Beziehungen, erklären die
Autorinnen. Sie sehen aber noch weitere Ursachen für den Lerneffekt. Wer
zeichnet, bilde nicht nur ab, was ohnehin schon im Kopf ist, sondern
setze sich aktiv mit einer Sache auseinander. Es wirke auf die Gedanken
zurück. Außerdem biete eine Zeich-nung Lernenden einen Anker, an dem sie
gemeinsame neue Erkenntnisse erarbeiten und ihre Perspektiven verbinden
könnten. So produzierten Zweierteams häufiger abstrakte visuelle
Repräsentationen als Alleinarbeitende, berichten Ainsworth und Scheiter.
Kein besonderes Talent nötig
Wie Ainsworth 2020 gemeinsam mit Kolleginnen zeigte, kann das Zeichnen verschiedenen Lernzielen
dienen, zum Beispiel etwas im Detail abzubilden, wie eine Zelle unterm
Mikro-skop. Besonders im naturwissenschaftlichen Unterricht komme die
Methode so schon zum Einsatz. Allerdings eigne sich Zeichnen nicht für
jede Aufgabe gleich gut, sondern eher für Aufgaben, die räumliches
Denken in zwei Dimensionen erfordern. Manchmal bräuchten Kinder auch
Unterstützung beim Zeichnen, in Form von Teilillustrationen oder
Modellen, die von Experten angefertigt wurden. Sich mit Bildern
auseinanderzusetzen, könne ebenso effektiv sein wie selbst zu zeichnen.
»Wir
verbringen viele Jahre damit, Kindern das Schreiben beizubringen«,
geben die Psycho-loginnen zu bedenken. Doch in den meisten Ländern werde
wenig oder gar keine Zeit dar-auf verwendet, diese Art des Zeichnens zu
lehren. Wer damit pädagogisch arbeiten wolle, müsse deshalb
berücksichtigen, dass Kinder darin ungeübt sind und womöglich
befürchten, es nicht gut genug zu können. Eine unnötige Sorge: Es
brauche kein besonderes Talent dafür, etwas zu zeichnen, was dem eigenen
Gedächtnis auf die Sprünge hilft.
Nota. - Das ist mit Verlaub ein bisschen flach. Es gehr nicht einfach um Gedächtnis, nicht einfach um lernen und nicht einfach um begreifen. Es geht um das Umsetzen von Begrif-fenem in Vorstellung und von Vorstellungen in Begriffe. Und zwar von gegenständlichen Vorstellungen und gegenstandsbezogenen Begriffen. Von Sinnlichem in Intellektives. Oder von Analogem in Digitales und andersrum. Das ist die elementare Leistung der menschli-chen Intelligenz: Symbolisierung. Das ist nicht lernen, das ist wirken. Wer zeichnet, bildet sich.
JE
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