Freitag, 15. Oktober 2021

Das System der Vernunft ist uns gegeben.

                                        zu Philosophierungen

Die Wissenschaftslehre hat zum Gegenstand das uns heute gegebene System des Wissens. Dieses will sie verstehen: zurückführen auf seine immanenten Prämissen. Sie beschreibt nicht, wie dieses System in der historischen Wirklichkeit entstanden ist. Entstehen konnte es nur, indem aus den wirklich vorkommenden Vorstellungen progressiv alles für die System-bildung Unbrauchbare ausgeschieden wurde. Es ist Material einer historischen Darstellung. In einer Darstellung des fertigen Systems hat es nicht zu suchen.

Der gegenwärtige Teilhaber dieses Systems - einer 'Reihe vernünftiger Wesen' - kann nicht anders, als seine Vorstellungen mit dem ihm als Apriori gegebenen System ins Verhältnis zu setzen: Seine Vorstellungen drängen zum Begriff. Dass sie von ihm "unzertrennlich" wären, trifft aber nur in der einen Richtung zu: Die Begriffe sind von den in ihnen gefassten Vor-stellungen unzertrennlich. Doch nicht gilt die Umkehrung. Nicht jede Vorstellung bedarf ihrer Bestimmung; sondern nur diejenige, die mit den Andern (='vernünftigen Wesen') ge-teilt werden soll. Was ich ganz für mich behalten darf, mag unbestimmt und begriffslos bleiben.

In einer historischen Darstellung müsste gezeigt werden, dass und wie die Vorstellungen zu Begriffen erst wurden - durch progressives Ausscheiden des Unbrauchbaren im Verkehr.

30. 6. 17 
 
 
Nicht um das uns heute gebene System des Wissens geht es, denn dazu gehören die sach-lich jeweils Gewussten: Die sind aber historisch und eo ipso kontingent. Das Systematische dar-an ist dagegen das Nicht-Zufällige: die Folge-Richtigkeit der Vorstellungen, in die die Facta des Wissens interpoliert wurden. 

Die Vostellung, die den Gewussten zu Grunde gelegt wird, um aus ihnen ein Wissen zu kon-struieren, ist die, dass ein Ganzes den Mannigfaltigen vorausgeht. Worauf die Vernunft, so-fern sie sich sich selbst, nämlich die Folgerichtigkeit der Vorstellungen, zu ihrem Gegen-stand wählt, als ihrer Absicht gelangt, wird im faktischen Wissen, das sich vernünftig weiß, als sein Grund vorausgesetzt. 

Sachlich geht es nicht anders. Aber modal ist es eine petitio principii. Ein Zirkel, wie einer sagt.


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