zu Wissenschaftslehre: die fast vollendete Vernunftkritik Sonntag, 3. Oktober 2021
Inbegriff der Wissenschaftslehre.
Es
gibt zwei Haupthandlungen des Ich; die eine, wodurch es sich selbst
setzt und alles, was dazu erforderlich ist, also die ganze Welt. Die
zweite ist ein abermaliges Setzen desjenigen, was durch jene erste
Handlung schon gesetzt ist. Es gibt also ein / ursprüngliches
Setzen des Ich und der Welt und ein Setzen des schon Gesetzten, das
erste macht das Bewusstsein erst möglich und kann daher darin nicht
vorkommen; das zweite aber ist das Bewusstsein selbst. Das zweite setzt
sonach das erste voraus. Im zweiten wird sonach etwas gefunden, das ohne
das Ich vorhanden, worauf das Ich reflektiert. Das erste, dessen Resultat das Ding ist; dadurch zeigt sich, was eigentlich Produkt des Ich ist.
Es wäre sonach zu unterscheiden eine ursprüngliche Thesis oder, da in ihr ein Mannigfal-tiges gesetzt wird, eine ursprüngliche Synthesis, von [vor?] der Analysis dieser Synthesis, wenn nämlich wieder auf das reflektiert wird,
was in der ursprünglichen Synthesis liegt. Die gesamte Erfahrung ist
nun bloße Analysis dieser ursprünglichen Synthesis. Das ursprüngli-che
Setzen kann nicht im wirklichen Bewusstsein vorkommen, weil es erst die
Bedingung der Möglichkeit alles Bewusstseins ist.
Dies ist der kurze Inbegriff, das Wesen und der Charakter der Wissenschaftslehre.
__________________________________________________________
J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 9f.
Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen