Mittwoch, 12. August 2020

Der Begriff weist keinen Weg.

Siegfried Baier, pixelio.de                    aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Er sagt: Ist das sittliche Gefühl von der Bildung der Vernunft nicht abhängig? /... Ich ant-worte ohne weiteres: So wie er die Begriffe nimmt, keineswegs. Die Vernunft, von der er hier redet, ist die theoretische, [die] des Erkenntnisvermögens. Dies sagt aus nur, daß und wie etwas sei: Von einem Handeln, einem Handelnsollen, einem Postulate liegt in ihr schlechterdings nichts, und ich möchte den Künstler sehen, der mir so etwas heraus- analysierte, wenn er es nicht erst hineinlegt.

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J. G. Fichte, Rückerinnerungen, Antworten, Fragen [S. 140]

 

Nota. -  Ist nicht aber das sittliche Urteil doch ein Urteil? Bedarf es nicht also auch der Grün-de - und wo fände es die, wenn nicht in Begriffen?

Das sittliche Urteil ergeht ohne Gründe, ohne Begriffe, aus bloßer Anschauung. Das sittli-che Urteil ist ein Geschmacksurteil im Bereich der Willensakte. Da wird nichts abgewogen, da wird sogar, wo gewohnheitsmäßig, weil das bürgerliche Leben es so fordert, Begriffe vorläufig bemüht wurden, das Begreifen wieder verworfen und zum anschaulichen Urteil zurückgekehrt. 

Das rechtliche Urteil erwägt, was ich andern schulde und sie mir. Das sittliche Urteil erwägt gar nichts. Es schaut Augen-blicklich an, was ich mir schulde, und sagt: Es gilt.

JE

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