Lothar Sauer
aus welt.de, 24. 8. 2020 zu Levana, oder Erziehlehre
Kinder, die in eher grünen Stadtteilen aufwachsen, haben einen höheren IQ und sind selte-ner verhaltensauffällig als andere in urbaneren Gegenden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Hasselt in Belgien, über die unter anderem der „Guardian“ berichtet. Demnach wurden mehr als 600 Kinder im Alter von zehn bis 15 Jahren untersucht.
Bei denjenigen, die in der Nähe von Grünflächen wie Gärten oder Stadtparks wohnten, stellten die Wissenschaftler im Schnitt einen um 2,6 Punkte erhöhten IQ fest. Aufmerk-samkeitsprobleme oder aggressives Verhalten waren hingegen weniger ausgeprägt als bei Altersgenossen in urbaneren Umgebungen. Der Effekt ließ sich sowohl in armen als auch in reichen Gegenden feststellen. Einkommen und Bildungsstand der Eltern hatten den Studienautoren zufolge keinen Einfluss auf den Zugang zu Grünflächen.
Laut „Guardian“ gab es zwar schon zuvor Hinweise darauf, dass die Natur einen Einfluss auf die kognitive Entwicklung von Kindern hat. Es sei jedoch die erste Studie, die den IQ untersuche.
Tim Nawrot, einer der Studienautoren, sagte der Zeitung: „Es gibt mehr und mehr Beweise dafür, dass grüne Umgebungen mit unseren kognitiven Fähigkeiten zusammenhängen, etwa mit Erinnerungsvermögen und Aufmerksamkeit.“ Nawrot zieht daraus konkrete Empfeh-lungen: „Ich denke, Stadtplaner sollten mehr in Grünanlagen investieren, weil es wirklich wertvoll ist, eine optimale Umgebung zu schaffen, in der Kinder ihr volles Potenzial ent-wickeln können.“ Die Forscher vermuten, dass sich der niedrigere Lärm- und Stresspegel sowie die Möglichkeit, in der Natur zu spielen, einen positiven Effekt auf den IQ hat.
Um zu messen, wie „grün“ die Nachbarschaft eines Kindes war, nutzten die Forscher Satellitenbilder. Der durchschnittliche IQ lag bei 105 Punkten. Bei vier Prozent der Kinder wurde ein IQ von unter 80 Punkten festgestellt – alle waren in einer wenig grünen Umg-bung aufgewachsen.
Die kognitiven Unterschiede zwischen Kindern, die nah oder fern von Grünflächen wohnten, ließ sich nur in Städten feststellen – nicht in Vororten oder Dörfern. Nawrot geht davon aus, dass es dort ohnehin genug Natur gibt und alle Kinder davon gleichermaßen profitieren.
Nota. - In meiner Kindheit - das war in den 50er Jahren - konnte jede Diskussion mit dem Hinweis beendet werden, das sei "wissenschaftlich erwiesen". Mit dem allgemein wachsen-den Bildungsstand griff das Wissen um sich, dass auch Wissenschaft nur Menschenwerk ist und keinen direkten Draht zum Schöpfer hat.
Wie konnte es aber zu der geifernden Wissenschaftsleugnung der Corona-Zeit kommen?
Ein Vorläufer war der Klimaskeptizismus. Der war aber nicht vom Himmel gefallen. Dass die Beschwichtiger und Verharmloser sich auf eine Wissenschaft beriefen, die offenbar von der Industrie gesponsert war, drang nach und nach ins Volksbewusstsein. Dass aber auch die seitenverkehrten Forschunsergebnisse ihre Interessenten und Nutznießer hätten, schien lange Zeit undenkbar. Inzwischen kommt sich freilich klug vor, wer überhaupt nichts mehr glaubt, was aus wissenschaftlicher Ecke kommt, und lieber jeder neuen Latrinenparole auf-sitzt, die eben auf Facebook gezwitschert wurde.
Schlimm, nicht?
Aber unverdient ist es nicht, siehe obige Meldung. Dass Menschen, die in einer Umgebung aufwachsen, wo vieles so oder auch anders ist, wo es Dinge zu entdecken gibt, mit denen nicht zu rechnen war, wo man gelegentlich sogar improvisieren muss, um in der Regel zu bleiben - dass die sich im Lauf der Zeit einen weiteren Horizont anlegen und entspannter sind als die, die nur bei grün über die Straße gehen, weil die Blechlawine sonst keine Lücke lässt: Das hat uns der gesunde Menschenverstand immer gelehrt, seit die Welt automobil wurde.
Hier aber kräht die Wissenschaft: "Kinder brauchen Grün!" Aus welcher Ecke das kommt, will man gar nicht mehr wissen, weil man weiß, in wessen Hörner es tutet.
Anders gesagt, Heuchelei und Verlogenheit sind Heuchelei und Verlogenheit und untergra-ben jeden vernünftigen Verkehr, egal welcher Seite sie in die Hände und in die Taschen spielen.
JE
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