Vielfach waren die Stundenbücher prachtvoll und aufwändig gestaltet und illustriert. Eines der prächtigsten ist mit Sicherheit jenes des Herzogs von Berry (Johann von Valois oder Johann von Berry - auch Johann der Prächtige genannt).
Das Buch beginnt mit einem Kalendarium, das die Tätigkeiten der Menschen in den jewei-ligen Monaten zeigt. Über dem eigentlichen Bild ist jeweils in einem Halbkreis ein Bild des Himmels mit den dem Monat entsprechenden Sternzeichen zu sehen.
Darunter die Ansichten bestimmter Arbeiten und Tätigkeiten, die die einzelnen Monate charakterisieren. Im Hintergrund ist jeweils eines der Schlösser des Herzogs abgebildet.
Mit viel Liebe zum Detail wurde das Werk von den Brüdern von Limburg
ausgearbeitet. Die drei aus Nimwegen in den Niederlanden stammenden
Miniaturmaler Paul, Johan und Herman starben im Jahr 1416 vermutlich an
der Pest und hinterließen das Stundenbuch des Herzogs unvollendet.
Erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde es durch Jean Colombe, einen französischen Buchmaler, fertiggestellt.
Beim Durchblättern des gesamten Buches stößt man immer wieder auf interessante und mitunter auch amüsante Details. Da findet man Ritter, die gegen Schnecken ankämpfen, einen Pfarrer, der Vögel fängt, oder auch ein Schwein, das mit dem Dudelsack ein Lied anstimmt.
Heute wird das Prachtwerk im Schloss Chantilly in der Nähe von Paris
aufbewahrt. Glücklicherweise kann man das gesamte Stundenbuch auch
online durchblättern und erkunden.
Links
- Eine großartige, zoombare Version aller Seiten finden Sie in der Bibliothèque virtuelle des manuscrits médiévaux
- Einzelseiten auf Wikimedia Commons
Nota. - Lassen Sie sich nicht irreführen: Die prächtigen Türme, Mauern und Zinnen sehen eher nach Renaissanceschlössern an der Loire aus als nach feudalen Festungen. Tatsächlich gab es bei Jean de Berrys Geburt ja schon Kanonen, für die Verteidigung waren Türme und Zinnen und selbst die meisten Mauern schon ganz unnütz und wurden allenfalls noch als ritterliches Blendwerk angelegt. Viollet-Leduc hat sie allerdings als Vorbild für die Restau-ration von Pierrefonds genommen. In Frankreich herrschte unter Napoleon III. schon ein Geschmack wie bei uns unter Willem Zwo.
JE













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