Samstag, 23. Januar 2021

Peter Joseph Lenné zum heutigen Todestag.

                     zu Geschmackssachen 

aus welt.de, 23. 1. 2021                                                              Schlosspark Glienicke, Berlin

„Ein jesuitisch erzogener, ruhmsüchtiger und geldgieriger Schurke“
Als Generaldirektor der königlichen Gärten stieg Peter Joseph Lenné im 19. Jahrhundert zum berühmtesten Parkgestalter Deutschlands auf. Aber damit machte er sich auch Feinde, zum Beispiel seinen Rivalen Hermann von Pückler.
 

Im Dienst für zwei preußische Könige war Peter Joseph Lenné zum bekanntesten deutschen Gartenbauarchitekten des 19. Jahrhunderts aufgestiegen. Doch der dritte, der wenige Jahre vor Lennés Tod am 23. Januar 1866 auf den Thron kam, düpierte ihn. Anders als sein Vater, Friedrich Wilhelm III., und Bruder, Friedrich Wilhelm IV., hatte Wilhelm I. für die Pläne des Generaldirektors der königlichen Gärten kein Verständnis gezeigt und die Zusammenarbeit beizeiten beendet.

Schlosspark Glienicke

1789 als Sohn des Hofgärtners und Vorstehers des Botanischen Gartens in Bonn geboren, erhielt Lenné eine gediegene Ausbildung. Auf eine Gärtnerlehre folgten Studienreisen durch Süddeutschland und Frankreich, wo sein Interesse für exotische Pflanzen geweckt wurde. In Wien erhielt er eine Gehilfenstelle am Schloss Schönbrunn und wurde mit der Gestaltung des Parks vom Blauen Hof beauftragt, einem Sommersitz der Habsburger. Allerdings wurde sein Entwurf nicht ausgeführt.

Auf einer Gehilfenstelle in Potsdam brachte Lenné aber 1816 sein Talent derart zur Geltung, dass er vom Staatskanzler Hardenberg mit der Planung seiner Gärten beauftragt wurde. Bereits zwei Jahre später wurde er zum „Garteningenieur und Mitglied der Gartendirektion“ bestellt, was ihn allerdings in Konflikt mit seinem ehemaligen Protektor, dem Oberhofbaurat Johann Gottlob Schulze, brachte.

Ein riesiger Rokkokopark: Tiergarten in Berlin

Dies und die Enttäuschung über ein gescheitertes Eheprojekt dürfte die geharrnischte Charakterisierung erklären, die Schulzes Tochter Karoline zu Papier brachte: Lenné sei ein „jesuitisch erzogener, ein maßlos ehrgeiziger, ruhmsüchtiger und geldgieriger Schurke, ein unwürdiger Mensch“, obendrein auch noch „ein Nichtlateiner“.

Lennés Karriere tat das keinen Abbruch. Dutzende Aufträge für Potsdamer und Berliner Parks, aber auch für Anlagen in Magdeburg, Köln, Koblenz, Aachen bis hin nach Bayern zeugen – zumal im Zusammenspiel mit dem Baumeister Karl Friedrich Schinkel – von einer phänomenalen Kreativität, die er wiederholt in die „Verlandschaftung“ barocker Anlagen einbrachte. Doch dabei machte er sich auch Feinde. Ausgerechnet Hardenbergs Auftrag verzieh ihm dessen Schwiegersohn, Hermann von Pückler, nie, der sich in Muskau ebenfalls als genialer Gartengestalter erwiesen hatte.

 Tiergarten, Berlin

Vielleicht war es brüderliche Rivalität, vielleicht traf der Historismus Lennés auch wirklich nicht Wilhelms Geschmack. Auf jeden Fall entzog der designierte Thronfolger dem von seinem königlichen Bruder Friedrich Wilhelm IV. hofierten Gartenschöpfer den Auftrag, den Schlosspark Babelsberg zu gestalten und übertrug dies Pückler. Der hatte mit seinen gehässigten Expertisen vorgearbeitet: Lennés Entwurf sei ein „wahres Unding“, das beim Beschauer „nur die unbehaglichsten Gefühle erwecken muss“.

Pfaueninsel, Berlin

 

Nota. - Lenné und Pückler waren Konkurrenten, und ihre Animosität überrascht nicht. Sie waren aber auch Rivalen im Stil. In beiden spiegelt sich der ästhetische Unterswchied der englischen Gartenbaumeister William Kent und Lancelot "Capability" Brown wider. Die waren aber keine Rivalen, sondern vielmehr Lehrer und Schüler. Dass er einen anderen Stil in den Gartenbau eingeführt hätte, war Lancelot Brown sein Lebtag nicht eingefallen.

Pückler, Schlosspark Babelsberg

Er hatte aus ganz pragmatischen Gründen in der Ausführung seiner Gartenpläne zu an-deren, ökonomischeren Mittel greifen müssen, und ohne dass er es selbst bemerkte, hatte sich seine Neigung zur 'echten' Landschaft gegen Kents Lustgärten im Rokkokoge-schmack durchgesetzt - und bei dem auftraggebenden Landadel Furore gemacht. Da war Kent längst gestorben und Brown konnte ihn unbefangen als Lehrer reklamieren.

Lenné, Babelsberg

Zu Lennés und Pücklers Zeit waren sie aber schon als künstlerische Gegner bekannt. Während Lenné anscheinend ganz selbstverständlich dem "empfindsamen" Rokkoko-geschmack treu blieb, ging Pückler zuerst einmal nach England in der ausdrücklichen Absicht, die aristokratischen Parklandschaften Lancelot Browns zu studieren, die ihm als nostalgischem Großgrundbesitzer näherlagen. Das mag dem Kronprinzen Wilhelm ebenfalls besser gefallen haben als Lennés süßliche Idyllen.

Der arglose Besucher wird freilich heute statt eines Gegensatzes bloß unterschiedliche Akzente bemerken. 

JE

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