aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
(Es ist nicht erwiesen,
dass die soeben aufgezeigte subtile Materie, vermittelst welcher die
bloße Gestalt im Raume wirken soll, von der oben abgeleiteten spezifisch
verschieden sei, sondern nur, dass der subtilen Materie diese beiden
Prädikate zukommen müssen. Das Letztere wäre erwiesen, wenn sich zeigen
ließe, dass die durch die bloße Gestalt zu modi-fizierende Materie gar
nicht unmittelbar durch die Bewegung des Organs erschüttert wer-den
könne, sondern für dieselbe fest und unwiderstehlich sei. Dieser Beweis
liegt nicht eigentlich auf unserem Wege, ich will ihn aber gleich mit
führen, um die Materien nicht zu sehr zu zerstreuen. -
Die Gestalt der Person
außer mir muss für sie fortdauern, wenn sie sich selbst als die glei-che
vorkommen soll, und sie muss es aus eben dem Grunde für mich. Nun setze
man, dass wir in gegenseitiger Einwirkung auf ein- ander stünden durch
die zu erschütternde subtile Materie (mit einander sprächen), so wird
die Materie A sich unaufhörlich verändern, und ist sie das, worin unsere
Gestalten abgedruckt werden, so werden auch diese sich unaufhörlich für
uns verändern, welches der Voraussetzung, dass, nach unserer beider
Vorstellung, diesel-ben Personen in Wechselwirkung stehen müssen,
widerspricht.
Mithin muss die
Materie, in der unsere Gestalten abgedruckt sind, bei der beständigen
Be-wegung der Materie A unbeweglich und unerschütterlich, daher für unser
Organ nicht mo-difikabel, mithin darin eine von A unterschie- dene = B sein. Luft, Licht. (Die Erscheinun-gen im Lichte sind nur mittelbar durch uns zu modifizieren, indem die Gestalt selbst mo-difiziert werden kann.)
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J. G. Fichte, Grundlage des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW Bd. III, S. 76
Nota. -
Immerhin will er den pp. Geist nicht unmittelbar als solchen "wirken"
lassen, denn dann wäre die ganze Transzendentalphilosophie hinfällig.
Das historische Argument
steht ihm nicht zur Verfügung, und so ist das mindeste, was man von ihm
erwarten darf, dass er ersatzweise eine andere, spekulative Erklärung
versucht. Zur Übertragung von Bestimmun-gen durch symbolische Gestalten
bedarf es eines Mediums, nämlich eines materiellen (wenn auch subtilen und modifikablen).
Aber das Mysterium der Symbolisierung ist nicht das des Mediums, sondern der Übergang der Repräsentation des Gemeinten aus einem analogen Modus (Bild) in einen digitalen (Be-deutung). Und der ist bis heute ein Rätsel, das wird er mit Verrenkungen nicht lösen können; aber er wird es versuchen, nehme ich an.
JE, 30. 4. 19
Nota. Das
obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie
der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht
wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.
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