Harald Schottner, pixelio.de zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
…es ist nicht
möglich, auf den Raum zu reflektieren, ohne auf das Objekt, das im Raume ist,
zu reflektieren; denn der Raum ist die subjektive Bedingung des Objekts, und
der Raum ist bedingt durch die Reflexion auf das Objekt. Es ist nicht möglich,
auf das Objekt zu re-flektieren, ohne auf den Raum, aber es gibt auch keinen
Raum ohne Objekt, sonach sind beide im Bewusstsein notwendig vereinigt;
ursprünglich ist kein Objekt und kein Raum ge-geben allein, sondern zugleich.
Objekt im Raum aber heißt Materie; folglich ist ursprüng-lich Materie.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre
nova methodo, Hamburg 1982, S. 113
Nach Kant ist der Raum eine Anschauungsform a priori, ist also vor aller Reflexion, denn er liegt ihr zu Grunde. Nach Fichte ist der Raum ein Schritt in der Selbstsetzung des Ich. "Der Raum ist die Form der äußeren Anschau- ung. - Form ist das Bestimmbare bei einer Handlung des Ich, man könnte also auch Materie Form der äußeren Anschauung nennen. Die Materie ist es, welche in der äußeren Anschauung konstruiert / und begrenzt wird. Der Raum ist die Sphäre für die Freiheit, das, was im Raume uns beschränkt, ist das Materiale, was immer bleibt. Zum Unterschied wäre der Raum die subjektive, die Materie die objektive Form." ebd. 113f.
Materie ist das Erste, sie ist nicht die (zu überwindende) Schranke, an die unsere Freiheit stößt, sondern der Klotz, der ihr längst am Bein hängt, aber den sie nicht spüren könnte, wenn sie sich nicht regte. Doch spüren muss sie, denn Gefühl ist Bedingung des Bewusst-seins, und ohne Bewusstsein ist keine Freiheit.
Die Wissenschaftslehre behauptet keinen Materialismus. Aber sie setzt ihn voraus. Sie ist nicht Metaphysik, sondern Transzendentalphilosophie. Diese greift ihre Vorussetzhungen nicht aus der Luft, sondern aus der Wirklichkeit.
26. 8. 18
Nota II. - Jacobi hatte völlig Recht, als er Fichte vorwarf, seine Philosophie führe unweiger-lich zum Nihilismus. Denn vom Materialismus kommt sie her, da ist kein anders Resultat möglich. Nur gereicht weder das eine diesem noch das andere jenem zum Vorwurf.
JE
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