Mittwoch, 28. Oktober 2020

Alle Tätigkeit der Person ist eine gewisse Bestimmung ihres artikulierten Leibes.

                                   aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

II. Alle Tätigkeit der Person ist eine gewisse Bestimmung seines artikulierten Leibes; es ist eine Tätigkeit desselben gehemmt, heißt sonach: es ist eine gewisse Bestimmung des arti-kulierten Leibes unmöglich.

Nun kann die Person gar nicht setzen, dass ihre Tätigkeit gehemmt, dass in ihrem Leib eine gewisse Bestimmung unmöglich sei, ohne zugleich zu setzen, dass dieselbe möglich sei; denn nur unter der Bedingung, dass eine Bestimmung durch den bloßen Willen in ihm möglich sei, setzt sie etwas als ihren Leib. 

Sie müsste sonach gerade die Bestimmung, welche unmöglich sein soll, indem sie möglich sein soll, als möglich setzen; und, da sie nichts setzen kann, es sei denn (für sie), sie wirklich hervorbringen. Doch muss diese Tätigkeit, ohnerachtet sie wirklich hervorgebrcht wird, im-merfort gehemmt und aufgehoben bleiben, denn eben um sie als aufgehoben setzen zu kön-nen, bringt die Person sie hervor. 

Diese Bestimmung der Artikulation - soviel können wir vorläufig ersehen - ist zugleich auf eine gewisse Weise wirklich hervorgebracht durch die Wirksamkeit des Willens, und zu-gleich auf eine andere Weise aufgehoben durch eine Einwirkung von außen.
___________________________________________________________________
J. G. Fichte, Grundlage des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW Bd. III, S. 63



Nota. - 'Auf eine gewisse Weise wirklich hervorgebracht durch die Wirksamkeit des Willens, und zugleich auf eine andere Weise aufgehoben durch eine Einwirkung von außen' - da ha-ben wir nun die Möglichkeit, die Kant noch ganz treuherzig als eine eigne Modalität neben Dasein und Notwendigkeit unter die Kategorien gezählt hatte. Im Zustand der Möglichkeit schwebt - um einen von Fichtes Lieblingsausdrücken zu verwenden - der Zweckbegriff noch zwischen Bestimmtsein im Willen und Bestimmtwerden in Raum und Zeit: nämlich durch meinen Leib.

Ohne Wollen kein Handeln. Aber ohne Handeln ist das Wollen nicht. Wollte man ihn metaphysisch auffassen - wofür es keinen Anlaß gibt -, wäre Fichte Materialist gewesen.
JE, 4. 4. 19

 
 
 

Nota. 
Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.JE

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen