Sonntag, 4. Oktober 2020

Zum reinen Wollen gehört ein reiner Zweck.

Augsburger Allgemeine               aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkriti 

Der letzte Grund, auf den die Wissenschaftslehre in ihrem ersten, analytischen Teil stößt, ist das Noumenon des Wollens-überhaupt. Aus dieser Triebkraft allein ist der wirkliche Gang der Intelligenz zu erklären (=der zweite, synthetische Gang der Wissenschaftslehre)

Wollen ist aber stets Wollen von Etwas, wollen setzt einen Zweck, an dem es sich bestim-men kann. Dem Noumenon des Wollens-überhaupt steht daher das Noumenon eines Zwecks-überhaupt gegenüber. Sowenig wie jenes ist er aber bestimmt; er ist bestimmbar, und dieses unendlich. Zweck-überhaupt ist die nicht erschöpfbare Idee des Absoluten, und der Gang der Intelligenz wäre ohne sie ohne Richtung und könnte Vernunft nie ergeben.

aus Meine Emendation der Wissenschaftslehre.
 

Das ist kein rein-logischer Gewaltakt; nicht weil es den Begriff  Wollen-schlechthin geben kann, 'muss' es logischerweise den Begriff des Zwecks-schlechthin geben; und 'daher' müsse die Sache 'das Absolute' in den Vorstellungen wirklich vorkommen.

Sondern im zweiten, rekonstruierenden Gang der Wissenschaftslehre ist das Wollen-schlecht-hin sachliche Bedingung des Vorstellens. Das Was des Wollens ist das schlechthin Bestimm-bare, das Zubestimmende. Das wirkliche Vorstellen ist immer nichts anderes als ein Fort-schreiten in der Bestimmung - des Zwecks. Dieser Fortschritt geht ins Unendliche und der Zweck-schlechthin bleibt auf ewig unbestimmt, weil bestimmbar. Ob er als solcher im Be-wusstsein tatsächlich vorkommt, ist unerheblich: Er kann vorkommen, wenn man will; dar-auf kommt es an.
14. Juni 2016

 

'Reines' Wollen ist Wollen-überhaupt, nämlich das Wollen eines 'reinen' Zwecks: eines Zwecks-überhaupt, nämlich eines unbestimmten Zwecks; also ein unbestimmtes Wollen. Ein historisch-reales Wollen hat stets diesen oder jenen Zweck, es ist immer bestimmt und nie 'überhaupt'. Hier aber wird nicht Geschichte erzählt, sondern ein Modell entworfen. Nicht von reller Verursachung ist die Rede, sondern von genetischer Dependenz.



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