Samstag, 31. Oktober 2020

Raffaels Vermächtnis - im Vatikan und St. Petersburg.

 

Orginal, Vatikan                                                                                                                                                                zu Geschmackssachen

Raffael hatte 1515 den Bau der von Bramante begonnenen Loggia abgeschlossen, die dem vatikanischen Palast nach Osten vorgeblendet wurde. Im Jahr darauf (1516) begann er mit der Ausstattung des zweiten Geschosses dieser Loggia, die mit dem päpstlichen Appartement kommuniziert. Sie war zur alleinigen Benutzung durch den Papst bestimmt, der hier seine private Antikensammlung aufstellen ließ. Die Leitung der dekorativen Gestaltung der Wände wurde Giovanni da Udine übertragen, der sich auf das Gebiet der Grotesken nach dem Vorbild der Wanddekorationen in den antiken Kaiserpalästen und Villen spezialisiert hatte. Inwieweit Raffael selbst die Vorgaben für diesen Dekor geliefert hat, ist nicht geklärt. Vasari erwähnt aber seine (nicht erhaltenen) Zeichnungen für die Ornamentik. Am 16. Juni 1519 berichtet Baldassare Castiglione an Isabella d’Este nach Mantua, dass die Loggien vollendet seien. Sie seien „vielleicht das Schönste von der Hand moderner Künstler, das man heute sehen kann.“

aus arthistoricum 

Zarin Elisabeth die Große wünschte sich in Petersburg eine Replik von Raffaels Vatikan-Loggien. Erbaut wurde sie in den 80er Jahren des 18, Jahrhundert von dem italienischen Archtitekten Giacomo Quarenghi, die Kopien der Raffael-Dekorationen und ihre Übertragung al fresco besorgte eine Malergruppe unter Leitung des Wieners Christoph Unterberger.











 Eremitage, St. Petersburg
 
Original, Vatikan

Gegen Ende des Raffael-Jahres kommt es mir vor, als hätte ich den Großmeister etwas stiefväterlich bedacht. Da schiebe ich nun seine ungemein dekorativen vatikanischen Loggien nach. 

Böse Zungen mögen meinen, das beschädige eher seinen Ruf als Künstler, wer so perfekt zu zieren verstünde, könne vor seiner Kunst nicht viel Respekt gehabt haben. Auch Michelangelo hat aber den Auftrag für die Sixtinische Kapelle nicht abgelehnt, obwohl er sich gar nicht als Maler sah. Doch wie für R. war die Stellung am päpstlichen Hof sein bedeutendstes asset, das er nicht kompromittieren durfte. Und Raffael war bei Abschluss der Arbeiten an den Loggien erst sechsunddreißig Jahre alt und hatte allen Grund, planend in die Zukunft zu blicken. Allerdings ist er dann schon im folgenden Jahr gestorben.

PS. Es versteht sich, dass Raffael das nicht alles selber gemacht hat. Er hat die Entwürfe angefertigt und die Ausführung hat seine Werkstatt besorgt.

 

 

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