aus Die Wendeltreppe, oder Philosophische Propädeutik.
Und das war alles – dass das Wahre ein Problem ist? Das wussten wir vorher. Mehr hat die Philosophie nicht zu bieten? Keine Lösung?
Na ja –
jetzt wissen wir es mit Gewissheit. Das ist ja auch schon was: Das
Wahre ist kein Problem, das wir noch lösen werden, sondern eins, das
bleibt. Nein, positiv ist die Philoso-phie nicht. Sie kommt zu keinen
Ergebnissen, an die man sich halten kann – und nur 'auf die Praxis
anwenden' muss. Sie ist keine Lehre, und darum kann man sie nicht
lernen. Phi-losophieren kann man lernen; wenn man will.
Muss man wollen?
Man
kann nicht philosophieren, ohne zu leben, aber man kann leben, ohne zu
philosophie-ren, und womöglich bequemer. Allerdings ist das Zusammenleben
der Menschen darauf angewiesen, dass nicht stets alle das Bequemere
wählen. Ein paar Leute, die philosophieren, werden immer gebraucht, und
so trifft es sich günstig, dass es immer ein paar Leute gibt, die das
Philosophieren brauchen.
Der Nutzen "ist negativ und kritisch", sagt mein Gewährsmann.
Wenn der Mensch etwas braucht, woran er sich halten kann, muss er bei
sich selber suchen. Sie ist "kritisch und päd-agogisch", denn sie lehrt
ihn – das doch! –, dass er es dort auch suchen soll. "Ihr
Einfluss auf die Gesinnung des Menschengeschlechts überhaupt ist, dass
sie ihnen Kraft, Mut und Selbst-vertrauen beibringt, indem sie zeigt,
dass sie und ihr ganzes Schicksal lediglich von sich selbst abhängen;
indem sie den Menschen auf seine eignen Füße stellt."
Welch tiefere Lebensweisheit es sonst noch geben soll, kann ich mir nicht vorstellen. Und welch gründlichere Pädagogik auch nicht.
Nota.
Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden.
Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht
wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE,
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