Sonntag, 5. September 2021

Bestimmt als unbestimmt.

                                                                       aus Philosophierungen

Das Unbestimmte wird bestimmt als ein Unbestimmtes, was nichts anderes bedeutet denn: als ein zu-Bestimmendes. - Das Bestimmbare ist kein Bedeutungsloses. Denn es ist nicht zu-erst unbestimmt, das Ich entschließt dann sich zum Bestimmen, und dadurch wird es zu ei-nem Bestimmbaren; sondern indem das Ich schon zu handeln (=anzuschauen) beginnt, wird [etwas] überhaupt erst für das Ich - und eo ipso ein Bestimmbares. Vorher war es für das Ich nicht da. (Ob für einen andern, könnte nur er uns sagen.)

Transzendentalphilosophie ist keine Entwicklungspsychologie. In der Realgeschichte eines Individuums kommt das nicht vor: Zuerst denkt das Individuum 'überhaupt', und danach verdichtet es sein Denken zu 'diesem'. Die Wissenschaftslehre ist keine historische Nacher-zählung, sondern ein genetisches Modell, in dem es kein vor- und nacheinander gibt, son-dern lediglich wechselseitige Bedingungen.

8. 6. 17


Was gar nicht bemerkt wurde, ist so gut wie gar nicht da. Es ist daher nicht dieses noch je-nes, noch auch nur unbestimmt. Soll ein Ich überhaupt gedacht werden, muss es als ein be-stimmen-Wollendes gedacht werden. Was immer es bemerkt, kommt ihm als ein zu-Bestim-mendes vor - und daher als ein bestimmbares Unbestimmtes.

Die Betrachtung ist keine logische, denn die müsste von Begriffen ausgehen, die als solche jedoch schon... bestimmt sind. Dargestellt werden soll jedoch das Bestimmen selbst, die be-stimmende Tätigkeit. Die Bedeutungen, deren Auseinander-Hervorgehen sichtbar werden soll, können nicht voraus gesetzt, sondern müssen in actu gesetzt, nämlich aus eigner Kraft vorgestellt werden. 

Wobei natürlich aus nichts nichts werden kann. Was immer gesetzt wird, muss einen Vorläu-fer vor-gesetzt bekommen; und wenn es am Ende, d. h. vor allem Anfang ein bloß-gedach-tes Vermögen ist; eine prädikative Qualität, die gewissermaßen nur darauf wartet, dass einer kommt und sie sich zuschreibt.
27. 5. 19

Letzteres wäre ein Zirkel. Zum Schluss kommt heraus, dass das Wesen des Menschen, so-weit er Vernunftwesen ist, das sich-selbst-Bestimmen ist. Und siehe da: Ebendies war als Prä-misse vorangestellt. Das Intelligible sei nur "Erklärungsgrund", sagt Fichte. Was er meint, ist eine Sinn-("und Zweck"-) Bestimmung. Beweisbar ist sie nicht. Sie müsste schon behaup-tet werden. Glaubhaft wird sie, sofern man es will, wenn sich aus dieser Voraussetzung der Weg der Vernunft "nacherzählen" lässt - nämlich als ihr Zweck.


Nota. Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

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