miedermacher [§ 16.] aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
Nun bieten sich zwei Fragen dar, die nur durcheinander beantwortet werden können, aber da hier lieber dem System als der / Verständlichkeit Abbruch getan wird, so werden die Un-tersuchungen geteilt; die Resultate werden zusammenfallen.
Es ist geredet worden von einem ursprünglichen Begriffe, in dem die Aufgabe der Selbstbe-schränkung liegt, und von einer solchen Beschränkung; daran soll alles im Bewusstsein sich knüpfen. - Was ists also eigentlich, was in diesem Begriffe begriffen wird, wovon geht alles Bewusstsein aus?
Es wäre die Frage nach dem Materialen. Es ist ein vernünftiges Wesen außer uns, welches noch bewisesen werden wird, denn alles äußere Bewusstsein geht von einem vernünftigen Wesen aus, sowie auch das innere [Bewusstsein] nur von dem Intelligiblen, von der Ichheit aus-geht. Die Sinnlichkeit ist nur Versinnlichung, nichts Ursprüngliches. Die Behauptung einer Vernunft außer uns ist bloßer reiner Gedanke - in die Erscheinung gelegt. Dieser reine Ge-danke ists, von dem die Erfahrung ausgeht. Diese Frage lassen wir liegen. Knüpft sich aber ein fortlaufendes Bewusstsein an den ersten Punkt an - wie kommt die Reihe der sukzessi-ven Vorstellungen zu Stande? Sie fragt nach dem Formalen. Diese behandeln wir hier.
Nota I. - " Die Sinnlichkeit ist nur Versinnlichung, nichts Ursprüngliches." Dieser Satz, aus seinem diskuriven Zusmmenhang gerissen und in ein Lehrbuch geschrieben, würde die Wis-senschftslehre auf den Kopf - sic - stellen. Fast zweihundert Jahre lang ist sie im Schulbe-trieb aber so dargestellt worden. In seinem Zusammenhang lautet der Satz aber: Im Bewusst-sein (nicht: "für" das Bewusstsein, im Gegenteil!) ist Sinnlichkeit nichts Ursprüngliches, son-dern lediglich Versinnlichung der Tätigkeit der Intelligenz.
Es ist geredet worden von einem ursprünglichen Begriffe, in dem die Aufgabe der Selbstbe-schränkung liegt, und von einer solchen Beschränkung; daran soll alles im Bewusstsein sich knüpfen. - Was ists also eigentlich, was in diesem Begriffe begriffen wird, wovon geht alles Bewusstsein aus?
Es wäre die Frage nach dem Materialen. Es ist ein vernünftiges Wesen außer uns, welches noch bewisesen werden wird, denn alles äußere Bewusstsein geht von einem vernünftigen Wesen aus, sowie auch das innere [Bewusstsein] nur von dem Intelligiblen, von der Ichheit aus-geht. Die Sinnlichkeit ist nur Versinnlichung, nichts Ursprüngliches. Die Behauptung einer Vernunft außer uns ist bloßer reiner Gedanke - in die Erscheinung gelegt. Dieser reine Ge-danke ists, von dem die Erfahrung ausgeht. Diese Frage lassen wir liegen. Knüpft sich aber ein fortlaufendes Bewusstsein an den ersten Punkt an - wie kommt die Reihe der sukzessi-ven Vorstellungen zu Stande? Sie fragt nach dem Formalen. Diese behandeln wir hier.
Erklärung der Frage.
Was entsteht denn nach
unseren Voraussetzungen für ein Selbstbewusstsein? Bewusstheit einer
Bestimmtheit, eines Nichtkönnens, Denkens, Wollens - ? - Kann denn der
Anfang des Bewusstseins eine Negation und kann irgendein
Bewusstsein Negation sein? Also haben wir nur durch Erschleichung und
Supplieren etwas Anderen deutlich werden können; ein positi-ves
Bewusstsein haben wir noch nicht abgeleitet. Die Negation ist nicht das
Objekt selbst. Es wurde gesagt, unser ursprüngliches Bewusstsein sei
eine Aufgabe einer uns selbst zuzu-fügenden Beschränkung; wo soll aber
das Materiale, das wir nicht tun sollen, herkommen? -
Es beantwortet nicht,
wenn man sagt, die innerliche Nachahmung kommt nicht zum Be-wusstsein, es
ist nicht Objekt, sondern bloß Instrument, zu einem Objekt zu gelangen,
so-nach // müsste mit dem Gefühle der Begrenztheit doch ein wirkliches positives
Wollen vereinigt sein, und die Vereinigung des Positiven mit der
Negation müste notwendig sein. Es müsste doch ein empirisches Wollenb in
jenem Begriffe der Aufgabe schon drinne lie-gen, dies ist aber ein
Wollen nach einem Zweckbegriffe. Also kommen wir wieder darauf zurück:
Wie ist ein Zweckbegriff möglich? Hier wird es beantwortet.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 172ff.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 172ff.
Nota I. - " Die Sinnlichkeit ist nur Versinnlichung, nichts Ursprüngliches." Dieser Satz, aus seinem diskuriven Zusmmenhang gerissen und in ein Lehrbuch geschrieben, würde die Wis-senschftslehre auf den Kopf - sic - stellen. Fast zweihundert Jahre lang ist sie im Schulbe-trieb aber so dargestellt worden. In seinem Zusammenhang lautet der Satz aber: Im Bewusst-sein (nicht: "für" das Bewusstsein, im Gegenteil!) ist Sinnlichkeit nichts Ursprüngliches, son-dern lediglich Versinnlichung der Tätigkeit der Intelligenz.
Nota II. - Wenn ich annehme, das Ich sei 'Tätigkeit überhaupt', dann ist diese Vorstellung nur soweit bestimmt, dass sie kein Leiden ist. Darüber hinaus ist sie gänzlich unbestimmt. Soll ich sie aber einschränken, so muss ich das, was sie nicht sein soll, seinerseits 'positiv' bestimmen. - Es sollte sich zeigen, dass wir auch dieses 'Positive' nur durch Entgegenset-zung bestimmen können. Wenn aber Bewusstsein Bestimmtheit sein soll, dann kann es nur durch Negation... entstehen.
Das ist nicht neu. Nun ist in der Wissenschaftslehre außer dem Anfang gar nichts 'neu'. Sie ist überall nur Fortbestimmung des Ersten Grundsatzes.
Nota III. - Tätigkeit oder Leiden, ein Drittes gibt es für die Wissenschaftslehre nicht. Ein Drittes, reine Ruhe, gibt es nur im Begriff, als Vorstellung von nicht-Etwas. Die Wissen-schaftslehre hat aber das lebendige Vorstellen zum Gegenstand, nicht das Nicht-Vorstellen.
JE, 5. 2. 17
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