CFalk, pixelio.de zu Philosophierungen: zu Jochen Ebmeiers Realien
... Kanonisch wurde Schlegels 'Fragment', wonach die Grundtendenzen des
(damals) bevor-stehenden neuen Jahrhunderts benannt wurden als "die
französische Revolution, Fichtes Wissenschaftslehre und Goethes Wilhelm
Meister". 'Wissenschaftslehre' - das sollte die Vollendung und Radikalisierung
von Kants kritischer Philosophie werden, und ihr Dreh- und Angelpunkt ist
allerdings 'das Ich', aber ganz und gar nicht Jenes, was sich zweihundert Jahre
später "selbstverwirklichen" will - das ist immer nichts als das
"Bedürfnis" -, sondern der praktische, nämlich zum Handeln aus Freiheit verurteilte Anfangsgrund des Wissens. Nicht, wohlbemerkt, des
bauchigen Ahnens und Wähnens.
Wahr ist allerdings, dass das nur für den - sehr kurzen, aber sehr steilen - aufsteigenden Ast der Romantik gilt. Nämlich ziemlich genau bis zur Jahreswende
1799/1800. Was danach kam, war eine lange, zählebige Abstiegszeit, die zwar
literarisch außerordentlich fruchtbar war - vielleicht die fruchtbarste
Literaturepoche aller Zeiten und Länder. Die aber im we-sentlichen von dem
Gedankenreservoir* zehrte, das in den Aufbruchsjahren angelegt wor-den war.
Zehrte, indem sie sie zur Unkenntlichkeit parodierte...
Es war nicht nur politisch, sondern eben auch geistig die Wende von der
Revolutions- zur Restaurationsepoche, und was als Romantik begonnen hatte,
idyllisierte sich langsam, aber sicher zum Biedermeier. All die
organologischen, "ganzheitlichen" Schwärmereien, die sich heute
romantisch wähnen, sind in Wahrheit Kinder der biedermeierlich beschaulichen,
ob-skurantistischen deutschen Innerlichkeit. Wenn es da eine
Parallele zu dem Aufbruch um 1968 gibt, dann ist es diese!
Die Romantik, als sie noch jung und nicht vergreist war, war bissig, kritisch,
zersetzend und nihilistisch, und dabei fröhlich und heldisch und hatt' ihr Sach
auf Nichts gestellt und war so wohl ihr in der Welt.
19. 9. 07:
*) Ich hätte besser Bildervorrat schreiben sollen.
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