Lothar Sauer zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik Wird die reale Tätigkeit des Ich beschränkt, so entsteht notwendig, da die ideale Tätigkeit immer bleibt, eine / Anschauung, vor der Hand nur die des Beschränkenden. Dieses ist so-nach ein ganz bestimmter Zustand des Ich. Von ihm aus kann eine genetische Einsicht in das jetzt Gesagte gegeben werden. An diesem Zustande soll eine Veränderung erfolgen, wie und woher wissen wir nicht, wir haben sie wirklich postuliert.
Das Ich wird durch diese Veränderung in seiner Beschränktheit beschränkt*. Oben war das Ich das Beschränkte, hier wird das Beschränkte beschränkt. Im ersten Zustand (vorige Para-graphen) ist das Ich, und es ist irgend etwas, es ist fixirt, gehalten. Ein bestimmtes Streben in ihm, weil es beschränkt ist, oder Tätigkeit in ihm ist negiert, welches der Charakter des Seins ist.
*[=weiter beschränkt]
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 93f.
Nota I. - Hier wird abermals deutlich, dass die Darstellung im System nur die Darstellung eines abstrakten Modells sein kann. Denn realiter ist jede
Tätigkeit beschränkt, weil sie ge-gen ein Objekt geht, an dem sie eine
Schranke findet: Andernfalls fände sie nicht statt. Aber hier geht es um
die "als Erklärungsgrund" eingeführte Abstraktion einer 'Tätigkeit an
sich'. An sich heißt aber uneingeschränkt und unendlich. Es ist eine Fiktion, die dem Ich als seine Bestimmung zugerechnet wird. Nur so ist sie ja (weiter) bestimmbar und kann zur Erklä-rung des Bewusstseins dienen.
17. 1. 16
Nota II. - Im Modell ist das x, von dem behauptet wird, dass es sich selber setzt, indem es sich ein/em Nicht-Ich entgegen setzt, aufgefasst ('bestimmt': das ist seine einzige Bestimmt-heit) als bloße Agilität. Diese seine Bestimmtheit wird hier nicht als erwiesen behauptet; sie wird lediglich angenommen, 'weil anders' dieser Akt des sich-selbst-Setzens, der ja tatsäch-lich geschieht, nicht möglich wäre. Als bloße Agilität kann sie aber nicht wirklich werden: denn sie müsste dann in alle Richtungen zugleich stattfinden - und sich damit aufheben. Das idealiter Ich gewordene x muss, um ein reales Ich zu werden, seine Agilität einschrän-ken - was negativ ausgedrückt positiv nicht anderes ist, als: eine Richtung auswählen.
Dies ist aber - im Modell! - die Stelle, in der die zunächst unbestimmte Agilität zerfällt in eine ausgewählte reale Tätigkeit, und einen immer noch unendlichen Rest 'idealer' Tätigkeit, die noch an keinem Gegenstand eingeschränkt ist und daher frei bleibt.
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Uff, das ist spitzfindige Hirnweberei. Doch um das, was in der Wirklichkeit nicht ange-schaut werden kann, dennoch darzustellen, muss man es in einem Modell schematisieren, um es immerhin vorstellen zu können. Und das klingt, ach, manchmal fast komisch.
JE
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