Bosch aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
Fichtes Aufsatz über den Grund unseres Glaubens war ein doppelter Skandal. Zum ersten ein öffentlicher: Die Vorstellung eines aus der Vernunft - zwar nicht aus Begriffen, wohl aber aus der Logik - konstruierten Gottes trug ihm den Vorwurf des Atheismus ein. Zum zweiten ein philosophischer: Nichts in seinem bisherigen Vortrag der Transzendentalphilo-sophie war geeignet, dieses Zauberkunststück in irgendeiner Weise zu rechtfertigen.
Genauer gesagt - in seinem gedruckten akademischen Vortrag, dem die
Aufmerksamkeit der Kritiker galt und der der Öffentlichkeit vorlag. Es
musste daher so aussehen, als habe er die Idee erst bei Gelegenheit von
Forbergs Essay aus dem Ärmel gezogen. Inzwischen hat die Arbeit an der Gesamt-Ausgabe ein
Fragment aus seinen öffentliche Vorträgen außerhalb der Universität zu
Tage gefördert, die er teils vor Beginn, teils am Anfang seiner
regulären Vorlesungen in Jena gehalten hat. Daraus erhellt, dass die
Idee eines vorbegrifflichen, ok-kulten Ur-Quells der Vernunft ihm
längst und vermutlich schon lange vor seinem Übertritt zur Transzendentalphilosophie vorgeschwebt hatte.
Er hatte wohlweislich vermieden, sie in den Gang der Vernunftkritik
systematisch unterzu-bringen, aber Forbergs Beitrag nötigte oder
verlockte ihn, sie durch Räsonnement nachträg-lich in die
Wissenschaftslehre einzuschieben. Das ist ihm und ihr in jeder Hinsicht übel be-kommen.
25. 9. 18
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