aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
§ 7
Mit dem Gefühle ist
eine Anschauung notwendig verbunden, denn das Gefühl ist Begrenzt-heit;
aber eine Begrenztheit ist nichts ohne Gegensatz der Tätigkeit; aber
dasjenige im Ich, was notwendige Tätigkeit bleibt, ist sein ideales
Vermögen. Der Vereinigungspunkt des Ge-fühls und der Anschauung ist der,
dass das Ich sich, indem es in realer Rücksicht sich be-grenzt fühlt,
sich in idealer anschauend fühlt.
In wiefern die
Anschauung auf die Begrenztheit geht - welche Begrenztheit dadurch, dass
die Anschauung auf sie geht, bloßes Objekt ohne alle Beziehung auf ein
Subjekt wird -, wird sie gefühlt als gebunden in der Darstellung des
Objekts; aber ein solches Gefühl ist nicht möglich ohne ein
entgegengesetztes der Freiheit. Die Anschauung wird sonach auch in
an-derer Rücksicht als frei gefühlt und ist in sofern Anschauung des
Ideals.
_______________________________________________________________________J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 87
Nota. - Das 'Wesen' des Ich ist Tätigkeit, Wollen, Streben, Trieb - nämlich Einbildungskraft; aber dies alles gedacht als an-sich-seiend. Real wird es im Moment, da es auf einen Wider-stand stößt, es 'reißt sich zusammen' zum reellen Einbilden eines Objekts - "Darstellung", sagt F. an dieser Stelle; eine hilfreiche Erläuterung. (Aus dem Kreis des 'bloßen Vorstellens' treten wir nirgends heraus.)
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