Mittwoch, 5. Mai 2021

Im Gefühl ist das Ich gebunden; in der Anschauung ist es einerseits gebunden, andererseits frei.

                                   aus  Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

§ 7

Mit dem Gefühle ist eine Anschauung notwendig verbunden, denn das Gefühl ist Begrenzt-heit; aber eine Begrenztheit ist nichts ohne Gegensatz der Tätigkeit; aber dasjenige im Ich, was notwendige Tätigkeit bleibt, ist sein ideales Vermögen. Der Vereinigungspunkt des Ge-fühls und der Anschauung ist der, dass das Ich sich, indem es in realer Rücksicht sich be-grenzt fühlt, sich in idealer anschauend fühlt. 

In wiefern die Anschauung auf die Begrenztheit geht - welche Begrenztheit dadurch, dass die Anschauung auf sie geht, bloßes Objekt ohne alle Beziehung auf ein Subjekt wird -, wird sie gefühlt als gebunden in der Darstellung des Objekts; aber ein solches Gefühl ist nicht möglich ohne ein entgegengesetztes der Freiheit. Die Anschauung wird sonach auch in an-derer Rücksicht als frei gefühlt und ist in sofern Anschauung des Ideals.
_______________________________________________________________________J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 87 



Nota. - Das 'Wesen' des Ich ist Tätigkeit, Wollen, Streben, Trieb - nämlich Einbildungskraft; aber dies alles gedacht als an-sich-seiend. Real wird es im Moment, da es auf einen Wider-stand stößt, es 'reißt sich zusammen' zum reellen Einbilden eines Objekts - "Darstellung", sagt F. an dieser Stelle; eine hilfreiche Erläuterung. (Aus dem Kreis des 'bloßen Vorstellens' treten wir nirgends heraus.)

25. 9. 16
 
 
 
 
 
Nota. Das obige Bild gehört mit nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE 

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