faszinationmensch zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
2) Also der hier zu
untersuchende Satz ist der: Ich schaue mein eignes Tun an als etwas, das
ich vollziehen kann oder nicht. Mein Tun ist logisches Subjekt für das
Prädikat der Freiheit. Es ist also mein Tun qualis talis selbst
Objekt der Anschauung im weitesten Sinn des Worts, es erhält den
Charakter des Objekts als etwas der idealen Tätigkeit Vorschwebendes.
Wie wird nun mein tun als Objekt der Anschauung vorkommen? Kant nennt
ein Tun z. B. nach dem Gesetze der Kausalität pp. ganz richtig ein Schema, um
zu bezeichnen, dass es nichts Wirkliches, sondern etwas durch ideale
Tätigkeit zum Behuf der Anschauung zu Ent-werfendes sein soll.
Schema ist ein bloßes Tun, und zwar mein notwendiges Tun in der Anschauung.
Also unsere Frage ist, welches ist das Schema des Tuns überhaupt, oder
wie fällt ein Tun da-durch, dass es Objekt der Anschauung wird, aus? Hier
ist das Objekt aus der Anschauung hergeleitet worden, und das Beweisen
aus Begriffen hat hier ein Ende.
______________________________________________________________________ J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 110
Nota I. - Nur ein jenseits von Raum und Zeit gedachtes Tun ist als ein Schema darzustellen; und dies zum Zweck der Anschauung: In der Wirklichkeit lässt sich immer nur dieses oder jenes Tun anschauen; wenn ich aber Tun-überhaupt anschauen
will, muss ich die Bestim-mungen von Raum und Zeit fortlassen - alles,
was eine Wirklichkeit als eine solche erst aus-macht.
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Nota II. - Was angeschaut wird, erscheint als Bild. Das angeschaute Gefühl ist - noch un-bestimmtes - Bild eines Etwas. Das Etwas wirnoch d bestimmt als Dieses: dieser und kein ande-rer Gegenstand. Als so-und-nicht-anders-Bestimmtes wird er Begriff.
Das Tun wird angeschaut als Schema. Was soll das sein? Ein wirkliches Tun in Raum und Zeit kann nur als solches angeschaut werden, nämlich im Akt selbst: als Bild. Aber es ist das Bild von einem, der tut, und dem, was er tut. Das Tun selbst in seinem Vollzug ist unmittel-bar nicht anschaubar; nicht als Bild, sondern nur mittelbar als Bild von einem Bild, Schema: das, was am Tun allgemein notwendig ist, und nicht das, was zufällig hinzukommen musste, da-mit es ein wirkliches Tun ward: die Bestimmungen von Raum und Zeit. Schema ist Tun außerhalb von Raum und Zeit; kein wirkliches, sondern ein lediglich gedachtes Tun.
Nota III. - Als ich in jungen Jahren zum erstenmal die Nachtwachen des Bonaventura gelesen habe, sind mir vor allem die vierte und die fünft ins Auge gesprungen. In der vierten Nachtwache wird nacherzählt, was zwei hölzerne Marionetten auf der Bühne treiben; einer kommt von rechts, der andere von links, und so weiter. Das wird ganz an-schaulich beschrieben, aber es ist absurdes Theater ohne einen Funken Sinn. Die fünfte Nachtwache dagegen ist eine bildreiche romantische Novelle nach allen Regeln der Kunst, und der Leser bemerkt nach wenigen Zeilen: Es ist die Geschichte von Don Juan. Und etliche Zeilen weiter dämmert ihm: Die vorangegangene Nachtwache erzählte dieselbe Geschichte, wie sie auf dem Puppentheater zu sehen war.
Nota IV. - Was als Bild anschaubar ist, muss nicht noch als Schema dargestellt werden; es sei denn zum Zweck der Mystifikation.
JE
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