tonperry, pixelio.de aus Philosophierungen
Evidenz ist ein Gefühl. Gründe kann sie nicht mehr geltend machen, Gründe werden er-wiesen durch Demonstration: vormachen
- und den Andern zum gedanklichen Nachma-chen zwingen. Problematisch ist
allein das Zwingen. Wenn es gelang, stellt die Evidenz von selbst sich
ein. Aber ein Gefühl ist sie doch.
*
An der Stelle ist an Johann Friedrich Herbart zu erinnern. Er war Fichtes
erster und eifrig-ster Hörer in Jena, hat sich aber schon bald von der
Transzendentalphilosophie abgewandt, um ein eigenes, an den Eleaten orientiertes System zu kreieren; das wäre ein Thema für sich.
Das Beste an diesem
System ist seine fundamentale Unterscheidung zwischen der diskursi-ven,
'anknüpfenden' Vernunft, die er pauschal als Metaphysik begreift, und dem Reich des Ästhetischen, dem er alle Vorstellungen zuordnet, die 'notwendig vom Gefühl des Beifalls oder der Ablehnung begleitet' sind (und dem als Untergruppe die Ethik zugehört). Der Ein-fall trägt noch deutlich Fichtesche Spuren an sich.
Wie anders als ästhetisch
kann man das Phänomen der Evidenz bezeichnen? Sie ist ein Ur-teil, das
nicht aus vorausgehenden Begriffen, sondern aus der bloßen Anschau ung - Evid enz - stammt. Sie ist das aktuale Erleben, dass es anders nicht geht.
Doch nicht zu vergessen: Auch die Axiome der Geometrie sind nicht evident, solange man sich zum Konstruieren nicht entschließen konnte.
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